Glaubwürdigkeit der Bibel

Jahrhundertelang fragte kaum ein Mensch danach, wie die Bibel entstanden sein könnte. Sie war einfach da. Erst mit der Aufklärung im 17. Jahrhundert kamen solche Fragen auf. Im Rahmen der »historisch-kritischen Exegese« wurden bibelkritische Thesen eingeführt, die die Bibel unter rein materialistischen Gesichtspunkten werteten. Sie reduzierten die Bibel auf bloßen Beispielcharakter, ohne realistischen oder gar historischen Bezug. Personen, Orte und Ereignisse wurden nach und nach als unhistorisch erklärt. Dies ist bis heute die einzige von den theologischen Fakultäten anerkannte Art, an die Bibel heranzugehen.

Die Bibel selbst bezeugt von sich, dass sie inspiriert ist, d.h. dass ihre Inhalte von Gott einzelnen Menschen offenbart wurden, die sie dann niederschrieben. Auch nichtjüdische Gläubige sind hiervon überzeugt.

Es existieren also zwei Sichtweisen. Die eine stellt die Bibel als Menschenwerk dar, als ein im Laufe der Jahrhunderte entwickeltes literarisches Werk, das in wechselseitiger Beziehung und Beeinflussung zu anderen antiken religiösen Schriften und Vorstellungen steht. Gott wird dadurch zu einem Symbol für »das Gute«, er existiert nur in der religiösen Vorstellungswelt.

Die andere geht davon aus, dass Gott eine real existierende Person ist, jedoch ohne an Raum und Zeit gebunden zu sein. Er ist der Schöpfer der Welt und hat einen konkreten Plan mit ihr, den er in der Geschichte verfolgt hat und noch heute verfolgt, und den er Menschen, die für ihn offen sind, durch sein Wort mitteilt. Sein Wort, die Bibel, ist unfehlbar und wahr, während menschliches Forschen - dazu gehört auch die Theologie - dem Irrtum unterliegen kann.

Im Folgenden soll aufgezeigt werden, welche Kenntnisse über die Bibel uns zur Verfügung stehen und inwieweit sie die letztere Sichtweise stützen.

Die Bibel ist eine Sammlung aus mehreren Büchern, die während eines Zeitraumes von 2000 Jahren entstanden sind. Ihre Verfasser stammen aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Umfeldern. Dennoch eint ein Umstand alle diese Verfasser: Alle schildern ihre Erlebnisse mit einem Wesen, das sich als Gott und Schöpfer der Welt bezeichnet. Das ist der »rote Faden«, der sich durch die gesamte Bibel zieht und alle Bücher zu einer »bemerkenswerten Einheit« verwebt. »Unverkennbar ist das gemeinsame Ziel und der gemeinsam verfolgte Plan, den man an besten durch das Wirken einer einzigen Intelligenz, nämlich der Intelligenz des göttlichen Verfassers selbst, erklären kann.« [1, Seite 17]

Ein wichtiges Thema ist die Überlieferung der Bibel. Wie genau sind die heute vorliegenden Schriften, wenn man sie bis zur Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert nur von Hand vervielfältigen konnte und die Geschehnisse am Anfang vielleicht gar nur mündlich überliefert hat? Haben sich nicht im Laufe der Zeit Unmengen von Fehlern eingeschlichen?

Nach dem Talmud sollten jüdische Gelehrte beim Kopieren der Heiligen Schriften strenge Regeln befolgen: Kein einziger Buchstabe dürfe aus dem Gedächtnis geschrieben werden. Am Ende einer Spalte würden die Buchstaben gezählt. Bei Unstimmigkeiten oder wenn man sich verschrieben hatte, müsse man nochmal ganz von vorne beginnen! Dadurch sei eine exakte Kopie gewährleistet. In der Praxis waren die Schreiber peinlich bemüht, den Text buchstabengetreu zu kopieren, Untersuchungen zeigten jedoch, daß sich in den alten Handschriften trotzdem hier und da kleine Unterschiede eingeschlichen hatten, allerdings nur völlig unbedeutende, das heißt, der Sinngehalt ist immer derselbe.

Die Masoreten, eine Gruppe jüdischer Gelehrter, kopierten ab dem 3. Jahrhundert nach Christus wieder und wieder die jüdischen Heiligen Schriften (das Alte Testament) gemäß dieser Regeln, sobald eine Kopie Gebrauchsspuren trug und damit unbrauchbar wurde. Sie bewahrten dadurch den Text beinahe originalgetreu. Diese Genauigkeit ist eine in der gesamten Geschichte einmalige Meisterleistung.

Auch das Neue Testament wurde überwältigend genau überliefert. Zwar fehlen bis heute sämtliche Originale, dennoch stimmt der heutige Text mit alten Funden völlig überein. Der »Codex Sinaiticus«, den Konstantin von Tischendorff im Katharinenkloster am Berg Sinai entdeckte, datiert etwa auf das Jahr 350. Er enthält 199 Bögen des Alten und das gesamte Neue Testament. Dadurch und durch andere Funde erhielt die Forschung große Sicherheit bei der Rekonstruktion des originalen Textes, der als Grundlage für unsere heutigen Übersetzungen dient.

Doch wann wurden die Berichte schriftlich fixiert? Über wieviele Generationen wurden sie mündlich überliefert?

Lange Zeit nahm man an, die Menschheit hätte die Schrift erst um das Jahr 1000 vor der Zeit entwickelt. Ereignisse aus früherer Zeit seien bis dahin nur mündlich von Generation zu Generation mitgeteilt worden. Mose konnte nicht der Autor der »Fünf Bücher Mose« sein, da er um 1500 v. d. Z. lebte. Bis heute hält sich die Theorie, die fünf Bücher Mose seien erst während und nach dem babylonischen Exil, also nach 600 v.d.Z., entstanden. Ihr Inhalt sei darum nur gleichnishaft zu verstehen, stelle aber keine historische Realität dar.

Funde von Tontafeln belegen jedoch, dass bereits im Jahre 3500 v.d.Z. im Nahen Osten hochentwickelte Zivilisationen bestanden. Um 2000 v.d.Z. waren bei den Sumerern selbst einfache Leute des Schreibens mächtig. Man fand nicht nur Verträge, sondern auch Briefe von Frauen an ihre Männer auf Handelsreise, in denen sie Alltägliches berichten, z.B. das Wohlergehen der Kinder oder Probleme bei deren Erziehung. Sogar Schreibübungen aus der Schule wurden entdeckt. Sumerische Keilschrifttafel

In der Ausgrabungsstätte von Ebla nahe der Stadt Aleppo/Syrien fand man eine Bibliothek aus dem Jahre 2500 v.d.Z., die 16 000 beschriftete Tontafeln enthielt. Diese zeigen, dass bereits in dieser frühen Zeitepoche das Schreiben sehr verbreitet war.
Manche Archäologen, z.B. P.J. Wiseman, nehmen daher an, dass bereits Abraham, der um das Jahr 2000 v.d.Z. lebte, schreiben konnte und seine Erlebnisse auf Tontäfelchen festhielt, die er an seine Nachkommen weitergab.

Mose nun, der in Ägypten am Hof des Pharao aufwuchs, dürfte dort problemlos Zugang zum gesamten Geschichtswissen seiner Zeit gehabt haben, als Nachkomme Abrahams wohl ebenso zu dessen Tafeln, vielleicht sogar zu Dokumenten von Noah oder gar Adam, wie Wiseman u.a. vermuten. Da er die damals höchstmögliche Bildung genoss, wäre er sowohl methodisch als auch schriftstellerisch in der Lage gewesen, diese Schriften in seinem erstes Buch redaktionell zu verarbeiten. Für die vier anderen Bücher Mose käme er dann in jedem Fall aus Autor in Betracht, da sie den Auszug aus Ägypten und die Wüstenwanderung des Volkes Israel aus seiner Sicht schildern.

Auch die Qumranrollen haben die Glaubwürdigkeit der Bibel untermauert. Die in den Jahren 1947/48 bei Qumran am Toten Meer in Höhlen entdeckten Tonkrüge enthielten Schriftrollen und Schriftrollenfragmente von erstaunlich guter Qualität. Diese wurden im 1. Jahrhundert n.d.Z. dort versteckt und überdauerten fast 2000 Jahre.

Man fand dort das gesamte Alte Testament, das mit dem heute durch die Masoreten bekannten Text weitgehend übereinstimmt. Zwar gibt es an einigen Stellen Abweichungen der Schreibweisen und Satzzeichen, der Inhalt und somit die Botschaft ist jedoch dieselbe. Darüberhinaus förderte man Fragmente einiger neutestamentlicher Texte zutage, so beispielsweise einen Teil des Markusevangeliums. Einige Forscher glauben, dass er sich auf das Jahr 40-50 n.d.Z. datieren lässt. Wenn sie Recht hätten, würde dies eine Entstehungszeit von nur etwa 10 Jahren nach den Ereignissen um Jesus belegen.

Kein anderer historischer Bericht der Antike ist nach den Kriterien der Geschichtswissenschaft so gut erhalten und folgt gleichzeitig den geschilderten Ereignissen so knapp! Er entstand, als die Augenzeugen der Ereignisse noch am Leben waren.

Von den meisten anderen Werken der antiken Literatur liegen übrigens keine Kopien vor, die vor dem 8. Jahrhundert entstanden. Trotzdem käme niemand auf den Gedanken, dass z.B. Julius Cäsar das, was wir heute in seinem Werk »Der Gallische Krieg« lesen, gar nicht so verfasst hätte. Warum aber geht man so mit der Bibel um? Darf sie etwa nicht wahr sein?

Auch die Archäologie in Israel belegt beeindruckend die Zuverlässigkeit der biblischen Berichte:

Von Pontius Pilatus gab es bis vor einiger Zeit keine inschriftlichen Belege. Nur die Bibel und Flavius Josephus erwähnten ihn.

Nun grub man ab 1959 in Cäsarea und förderte neben vielen Relikten aus der Zeit der römischen Besatzung einen Stein zutage, der die Inschrift trägt: »Pontius Pilatus Praefectus Iudaea«, »Pontius Pilatus, Statthalter in Judäa«.
Stein mit Pilatus-Inschrift
Oder der Teich Betesda in Jerusalem. Nach Johannes 5 befand sich dort zur Zeit Jesu ein von fünf Säulenhallen umgebener Teich. Dieser Teich galt bis 1931 als Erfindung der Bibel. Bis in jenem Jahr französische Archäologen dort einen rechteckigen Teich von knapp 100 Meter Länge und etwa 60 Meter Breite ausgruben. Er war auf allen vier Seiten von je einer Säulenhalle umgeben und in der Mitte von einer fünften quergeteilt.

Der heutige archäologische Erkenntnisstand spricht eine deutliche Sprache zugunsten der Bibel. Der Bibelkritik, die dazu geführt hat, dass die Bibel in erster Linie als unwahr und mythologisch betrachtet wird, muss man jedoch zugute halten, dass ihre Thesen im Zuge der Aufklärung an abendländisch-europäischen Schreibtischen entstanden - weit weg vom orientalischen Israel, dem Ort, wo sich alles ereignete. Zudem waren damals die heutigen Erkenntnisse der Archäologie nicht bekannt.

Viele heutigen von der historisch-kritischen Methode geprägten Theologen interpretieren Funde, die für die historische Zuverlässigkeit der Bibel sprechen auf ihre Weise oder ignorieren sie ganz. Und natürlich gibt es auch Funde, die schwer mit der Bibel in Einklang zu bringen sind und eher die Kritiker bestätigen.

Zur Glaubwürdigkeit der Bibel gibt es mittlerweile ein weites Spektrum der Meinungen, das von »alle Geschichten erst viel später frei erfunden« bis zu »jeder Buchstabe von Gott inspiriert« reichen. Dazwischen gibt es eine Fülle teilweise sehr komplizierter Vorstellungen. Dabei hat natürlich ein Mensch, der Gott nicht anerkennt, die Tendenz, eher zur erstgenannten Seite hinzuneigen. Leider scheinen immer mehr Theologen zu diesen Menschen zu gehören.

Glücklicherweise kann das bibeltreue Lager sehr gewichtige Funde und Argumente für sich verbuchen. Die Bibelkritik wird daher heute zu Unrecht nicht nur an Universitäten, sondern auch schon an Schulen als unumstößliche wissenschaftliche Erkenntnis gelehrt. Statt sie zu einer intellektuellen Auseinandersetzung mit den beiden Ansätzen zum Verständnis der Bibel zu motivieren, impft man schon Kindern ein Misstrauen gegen die Bibel und damit gegen ihr Wertesystem ein.

Quelle:

[1]: Einleitung in das Alte Testament, Band 1, Gleason L. Archer jr., Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell 1987, ISBN 3-88002-300-X

Dank an Alexander Schick und Andreas Günther

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Propehtie und Geschichte
Die Schwachheit der Starken