"Alles wird vom Himmel gesteuert"

Der als Clifford Gilbert Harris geborene Konvertit Jitro Asheri glaubt nicht an Zufälle. Auch für die Ermordung seines Sohnes Elijahu, den palästinensische Terroristen kaltblütig entführt und erschossen haben, müsse es tiefere Gründe geben, sagt er.

Letzte Woche sass Jitro Asheri «schiwa» zu Hause. Er trauerte um seinen 18-jährigen Sohn Elijahu, der in der Westbank entführt und ermordet wurde. Asheri bereut es nicht, zum Judentum übergetreten und nach Israel eingewandert zu sein. Er bereut es auch nicht, dass er sich in der Siedlung Itamar auf einem Hügel in der Westbank niedergelassen hat.

«Nichts beruht auf Zufall, alles wird durch die Hand des Himmels gesteuert», sagt Jitro Asheri. Er verhehlt den Schmerz ob des Verlustes zwar nicht, betont aber, die Herausforderung für den gläubigen Juden bestehe darin, nicht nur Gottes Willen zu akzeptieren, sondern sogar zu versuchen, ihn zu antizipieren und zu empfangen. Asheri, ein sanfter Mann mit blauen Augen und einem wuchtigen Bart, beklagt sich auch nicht über das Vorgehen der Armee als sein Sohn Elijahu als vermisst gemeldet worden war. «Als sie davon erfuhren, war es bereits zu spät», meint er. Auch die Beweise sprachen dafür, dass sein Sohn, der am 25. Juni beim Autostoppen entführt worden war, kurz danach ermordet worden sein muss.

Nicht die erste Tragödie im Dorf

Jitro Asheri und seine Frau Miriam liessen sich in Itamar nieder. Elijahu war damals vier Jahre alt. In der in der Mitte der achtziger Jahre gegründeten Ortschaft leben heute rund 110 Familien, einschliesslich jener der umliegenden Aussenposten. Der südliche Eingang zur palästinensischen Stadt ist nur wenige Kilometer entfernt.

Asheris hellblaues Hemd ist eingerissen – als Zeichen der Trauer – am Gürtel hängt eine Pistole. Am Eingang zu seinem Hause sitzend spricht Jitro Asheri über seinen Sohn, über das Leben in Itamar und über seine eigene geistige Reise. «Mein Sohn hatte viele enge Freunde hier im Dorf, das schon manche Tragödie erlebt hat.» Vor allem erinnert Jitro an die Infiltration von Terroristen im Jahre 2002, der fünf Einwohner zum Opfer fielen, darunter auch Nery Shabo, ein Klassenkamerad von Elijahu. «Das beeinflusste viele Kinder in seiner Altersgruppe, und viele von ihnen wurden entschiedene «Antis» – Anti-Establishment, Anti-Religion und was sonst noch dazugehört. Der erste, der sich von dieser Protestphase erholte, war, so glaube ich, mein Sohn.» Im letzten Jahr, in dem er in der vormilitärischen Jeschiwa von Elisha lernte, begann Elijahu, wie sein Vater erzählt, richtig aufzublühen und «inneres Glück auszustrahlen». «Mein Sohn begann, in einem unglaublichen Tempo geistig zu wachsen. Die Wurzeln seines inneren Wesens reichten sehr tief, und für jeden mit dem Judentum verbundenen Vater konnte dies nur ein Glücksgefühl bedeuten.» Die Mutter dagegen war besorgt über die Intensität von Elijahus Eifer: «In den letzten Monaten», erinnert sich Jitro Asheri, «meinte meine Frau, es sei fast erschreckend, Elijahu beten zu sehen. Er sei so nahe bei Gott, meinte sie. Ich ersuchte den Ewigen oft, ihn nicht zu sich zu holen.»

Fast «verdurstet»

Die bisherige Lebensgeschichte von Jitro Asheri führte den Australier schliesslich zum Judentum und nach Israel. «Schon im Alter von zehn Jahren hatte ich mit der christlichen Religion abgeschlossen.» Dann folgten Experimente mit fernöstlichen Religionen. «Ich erfuhr spannende Momente, doch mit der Zeit verloren diese Religionen für mich an Glanz», erinnert er sich.

Nach seiner Ausbildung zum Elektriker arbeitete Asheri zwei Jahre lang in Papua-Neuguinea für die Organisation Australian Volonteers Abroad. Dort lernte er eine Frau aus dem Kibbuz Metzuba kennen, die sein Interesse an Israel weckte. 1982 kam er als 25-jähriger Volontär nach Metzuba an der nördlichen Grenze Israels. Er verfolgte den Anfang des Libanon-Kriegs und war beeindruckt vom «Geist der Macht und des Heldentums des Staates Israel». Ebenso beeindruckt hat ihn die «moralisch aufrechte Haltung» der Israeli, die er im Kibbuz kennen lernte, obwohl sie, «keine religiösen Juden» waren. «Was ich erlebte, war eine von innen her kommende Ethik. Auf meine Frage nach den Ursprüngen dieser Haltung, drückte mir jemand eine Übersetzung der ‹Sprüche der Väter› in die Hand. Das fühlte sich an, wie wenn man einem halbtot in der Wüste verdurstenden Mann Wasser gegeben hätte.»

«Lesen Sie die Bibel genau»

Asheri kehrte nach Australien zurück und begann, bei einem Rabbiner in Adelaide das Judentum zu studieren. Als er nach 13 Monaten seinen Konversionsprozess absolviert hatte, sagte sein Rabbiner zu ihm: «Es ist an der Zeit für dich, die Rückkehr nach Israel ins Auge zu fassen. Halte dich nicht zu lange hier in Australien auf und denk nicht einmal daran, hier nach einem jüdischen Mädchen Ausschau zu halten.» 1985 kehrte Asheri nach Israel zurück und liess sich im religiösen Kibbuz Sde Elijahu nieder. 1987 zog er nach Jerusalem, wo er sich in der Jeschiwa Machon Meir einschrieb. «Nach ungefähr einem Jahr meinten die Rabbiner, dass ich mir eine Ehefrau suchen sollte. Ich fing also an, mich mit Frauen zu treffen.» Nach seinem dritten Rendez-vous mit Miriam beschlossen die beiden, zu heiraten. Miriam kam ursprünglich aus dem nicht religiösen Kibbuz Tel Yosef, fand aber ihre «geistige Heimat» bei der Familie von Rabbi Haim Druckman, einem ehemaligen Knessetabgeordneten und Anführer der Siedlerbewegung.

Asheri ist überzeugt, das Richtige zu tun, wenn er mithilft, «mit jüdischen Siedlungen das Land Israel zu neuem Leben zu erwecken.» Jenen, die anders denken, empfiehlt er: «Lesen Sie die Bibel sehr, sehr sorgfältig. An keiner Stelle steht geschrieben, dass das Land Israel irgendeinem andern Volk als dem jüdischen gegeben worden ist.» Abschliessend ersuchte er insbesondere Menschen im Ausland, jede Non-Profit-Organisation genau unter die Lupe zu nehmen, bevor man ihnen Geld spendet. «Stellen Sie sicher, dass Ihr Geld nicht an Organisationen fliesst wie jene, die meinen Sohn ermordet hat.»

Ira Moskowitz

Quelle: tachles Jüdisches Wochenmagazin

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