Der jüdische Alltag
Zuerst muss klargestellt werden, dass man mit dem Begriff „Juden“ differenziert umgehen muss, denn so, wie der eine Jude seinen Alltag lebt und wie er die jüdischen Feste feiert, ist das für den anderen Juden noch lange keine verbindliche Regel.
Da gibt es Unterschiede zwischen nichtreligiösen und religiösen Juden und unter den religiösen wiederum den Unterschied zwischen orthodoxen und nichtorthodoxen Juden, die sich ferner in sefardische und aschkenasische Juden bzw. in orientalische und nordeuropäische Juden unterteilen. Daher gibt es in Israel ein sefardisches und ein aschkenasisches Oberrabbinat. Ich schildere hier den jüdischen Alltag gemäß der Art und Weise, wie er bei den jungen israelischen Juden üblich ist.
Bei dem Juden fängt der Tag immer am Abend an, sagte Gott doch in seinem Schöpfungsreport: „Da wurde aus Abend und Morgen der erste Tag“ (Jom Rischon – Tag Eins). Ungeachtet dessen beginnt der rituelle Tag erst am Morgen. Der religiöse Jude steht früh auf, denn zu langer Schlaf weckt niedere Kräfte. Daher soll man sofort, wenn man wach ist, seine Gedanken auf Gott richten, ohne jedoch dabei Gottes Namen auszusprechen, denn so ungewaschen, wie man noch ist, wäre das seines heiligen Namens unwürdig. Danach wäscht man sich gründlich, nicht nur, um selbst und vor der Umwelt sauber zu sein, sondern um Gott gegenüber sauber zu erscheinen, ist man doch Gottes Ebenbild – und in einem unreinen Körper kann kein reiner Geist wohnen.
Nach dem Duschen zieht man sich den kleinen Gebetsmantel, den Arba-Kanfot/Tallit Katan mit den vier Schaufäden an. Danach kleidet man sich vollständig an und zieht zum Gebet den großen Gebetsmantel, den Tallith, über und spricht stehend den Lobpreis, umhüllt dabei mit dem Gebetsmantel sein Haupt in Erinnerung an unser Geborgensein unter den Fittichen Gottes. Danach legt man die Gebetsriemen, die Tefillin, an, zuerst am linken Arm (linkshänder am rechten Arm) und dann am Kopf. Darin steht der Text des Gebetes aus 5. Mose 6,4-9; 11,13-21; 4. Mose 15,37-41:
„Schmah Israel Adonai (JHWH) Elohenu, Adonai echad – Höre Israel, der HErr, unser Gott, ist eins“.
Zum Morgengebet gehört der Satz:
„HErr der Welt, Du hast regiert ehe etwas geschaffen war. Zur Zeit, da durch Deinen Willen das All entstand, da wurde Dein Name schon König genannt und nachdem das All aufhören wird, wirst Du allein, Du, der Ehrfurchtbare, regieren. Du warst, bist und wirst sein in Herrlichkeit.“
Danach geht man in die Synagoge und betet zusammen mit zehn Männern (Minjan*), die älter als 13 Jahre sind, das Schacharit-Morgengebet. Der religiöse Jude betet dreimal am Tag und wendet sich dabei in Richtung Jerusalem (Tempelplatz). Im Mincha-Nachmittaggebet heißt es u.a.
„Lobe meine Seele den Ewigen; Ewiger, mein Gott, Du bist sehr groß und erhaben. Glanz und Schönheit ist dein Gewand. Du hüllst Dich in Licht wie in ein Kleid.“
Das dritte Gebet ist das Maariv-Abendgebet. Darin heißt es z.B.:
„Lass uns, HErr unser Gott, uns niederlegen zum Frieden und lass uns, unser König, aufstehen zum Leben. Breite aus über uns das Dach Deines Friedens, und mach uns vollkommen durch Deinen guten Rat. Hilf uns um Deines Namens willen.“
Alle Gebete findet man im Siddur-Gebetbuch. Auf der rechten Seite den hebräischen Text und auf der linken Seite den Text in der jeweiligen Landessprache.
Das Leben des Juden besteht aber nicht nur aus Gebeten, sondern auch aus Ge- und Verboten, die er in Familie und Haus zu beachten hat. So muss er z.B. seine Küche koscher halten. Das heißt nicht nur, dass er die von Gott als unrein beschriebenen Tiere wie z.B. Schwein und Blut nicht essen darf, sondern er muss auch fleischige Speisen von den milchigen trennen. Erst 6 Stunden nachdem er Fleisch gegessen hat, darf er milchige Speisen zu sich nehmen. Weil Milchspeisen schneller verdaut werden, darf er bereits 1 Stunde nach dem Milchgenuss Fleischspeisen essen.
Vor dem Essen ist es Pflicht, sich mit einem Segensspruch die Hände zu waschen. Dafür gibt es die Wasserbecher mit zwei Griffen. Man beginnt die Mahlzeit, indem man über einem Stück Brot, das mit Salz bestreut ist, die Mahlzeit segnet. Erst nach dem Essen spricht man das Dankgebet. Der Jude macht also einen Unterschied zwischen dem Segnen der Mahlzeit vor dem Essen und dem Danken für die Mahlzeit nach dem Essen.
*) die zehn Männer des Minjan werden auf Abraham zurückgeführt, als er Gott bat, Sodom und Gomorrha zu verschonen, sollten „zehn Gerechte“ in der Stadt sein.
Quelle: Israel-heute
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