“Masal Tov!” Zur Hochzeit
Zu heiraten und Kinder zu haben gehört im Judentum zur natürlichen und gottgewollten Lebensordnung. Schon dem Säugling wünscht man, dass er/sie zur „Ehe heranwachse“, und im Talmud (Jewamot 62b-63a) stellen die Rabbinen fest, dass ein Mensch erst dann vollkommen sei, wenn er einen Ehepartner hat.
Wie läuft eine jüdische Hochzeit ab?
Die Braut geht vor der Eheschließung in das Mikwe-Ritualbad und taucht sich darin ganz unter. Am Hochzeitstag fastet das Paar bis nach der Trauungszeremonie, um sich würdig auf das Ereignis vorzubereiten.
Die Trauung wird von einem Rabbiner durchgeführt, der sich in den Vorschriften für die Eheschließung auskennt. Die Trauung kann überall geschehen; im Freien genauso wie in der Synagoge oder in einem gemieteten Hochzeitssaal. Bei der Hochzeit ist ein Minjan erwünscht, d.h. es sollen wenigstens zehn jüdische Männer zum Gebet anwesend sein. Ferner sind zwei männliche Trauzeugen vorgeschrieben, die nicht mit dem Brautpaar verwandt sein dürfen.
Bei der Trauung steht das Paar unter der Chuppa, dem Traubaldachin, der aus einem Gebetsmantel oder weißem Tuch von Freunden auf vier Stöcken über dem Paar hochgehalten wird.
Im ersten Teil der Zeremonie, der Erussin (Angelobung), spricht der Rabbiner den Segen über einen Becher Wein. Dann folgt im Beisein der zwei Zeugen der eigentliche Rechtsakt: Der Mann streift der Frau einen Ring auf den Zeigefinger der rechten Hand und sagt dabei „Durch diesen Ring bist du mir angelobt nach dem Gesetz Moses und Israels!“
Anschließend verliest der Rabbiner die Ketubba, den noch in aramäischer Sprache im 5. Jh. vor Chr. verfassten Ehevertrag, der kurz vor der Trauung im Beisein der Zeugen ausgefüllt wird, indem man u.a. die Summe einsetzt, die im Falle einer Scheidung – Gott verhüte – der Ehemann seiner Frau zu zahlen hat. Die Schwiegermutter des Bräutigams verwahrt den Ehevertrag bei sich zu Hause auf, damit der Ehemann ihn im Ernstfall nicht vernichten kann.
Nach dem Vorlesen händigt der Bräutigam der Braut den Ehevertrag aus. Darauf folgt die eigentliche Eheschließung (Nissuin) indem der Rabbiner die sieben Hochzeitssegenssprüche spricht, was gerne auch auf Verwandte und Freunde übertragen wird. Danach trinkt das Brautpaar einen Schluck Wein und der Bräutigam zertritt mit dem rechten Fuß ein Glas, um auch im Augenblick größter Freude an die Zerstörung Jerusalems und des Tempels zu erinnern.
Sobald das Glas zertreten ist, rufen alle Gäste „Masal tov!“, was so viel wie „Ein guter Stern sei über euch!“ bedeutet. Nun wird gesungen und getanzt, gegessen und getrunken. In Israel gibt es bei Hochzeiten im Durchschnitt 400 bis 800 Gäste. Man mietet einen Hochzeitssaal, meistens in einem Hotel, das auch für die Menüs und Getränke sorgt. Hier taucht die Frage auf: Wer soll das bezahlen?
Abends um 19 Uhr ist Einlass. Die Gäste werden am Eingang von den Eltern der Braut und des Bräutigams begrüßt. Zwischen ihnen steht ein Stahltresor mit Zahlenschloss und Einwerfschlitz. Nach den Küsschen rechts und Küsschen links wirft man einen Umschlag in den Tresor. In ihm ist ein Scheck. Je höher die Zahl der teilnehmenden Familienmitglieder, desto höher der Betrag auf dem Scheck. Man setzt sich, genießt die Vorspeisen und freut sich über Freunde, die man trifft.
Um 21 Uhr trifft das Brautpaar ein. Dann wird die Trauung vollzogen. Danach wird weitergegessen, gesungen und getanzt, bis pünktlich um 24 Uhr Israels Nationalhymne ertönt und die Feier beendet. Während der Feier hat man den Stahltresor in die Hochzeitssuite des Brautpaares gebracht. Ja, und was macht das frisch vermählte Brautpaar in der ersten Nacht? Es zählt die Schecks!
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