Elijahu (Elia), in der Endzeit


Elijahu (Elia), in der Endzeit
Nach Dr. Moritz Zobel s.A., Herausgeber des hebräisch- philosophischen Wörterbuches

Es wird hervorgehoben, daß die endzeitliche Erlösung Israels im Gegensatz zu der Landnahme unter Jehoschua (Josua) und anderen Befreiungskämpfen durch Gott selber erfolgen werde. Elijahu werde die Erlösung lediglich verkünden und das Volk auf sie vorbereiten: Der Allheilige spricht zu Israel: In dieser Welt entsandte ich einen Engel, um die Völker vor euch zu verjagen, allein in der Endzeit werde Ich euch führen, und Elijahu werde ich voranschicken, wie es heißt (Maleachi 3,23): „Siehe, ich sende euch Elijahu, den Propheten, bevor der Tag des HErrn kommt, der große und furchtbare“ (Tanchuma, Mischpatim 18).

Im gleichen Sinn wird das Prophetenwort: „Und die Befreiten des HErrn kehren zurück und kommen nach Zion mit Jauchzen“ (Jesaja 35,10) gedeutet: Nicht die Befreiten Elijahus und nicht die Befreiten des Königs Messias, sondern die Befreiten des HErrn. Darum heißt es auch (Psalm 107,2): „So mögen sprechen die Erlösten des HErrn, die Er erlöst hat aus der Bedränger Hand.“

Von dem wiederholten Entschwinden und der wiederholten Wiederkehr des Propheten Elijahu handeln folgende Stellen: „Und im zweiten Regierungsjahr des Ahasja wurde Elijahu entrückt; er wird nicht wiedererscheinen, bis der Messias *) kommt, um ihm den Weg zu bahnen. Hierauf wird er wieder entschwinden und nicht eher wiederkehren, als bis Gog und Magog kommt (Chronik Seder Olam, 17). „Die Stimme meines Freundes - siehe, er kommt“ (Hohelied 2,8). Diese Stimme wird ertönen, bevor der Messias **) kommt. Die Tür aber wird sich nicht mit einem Mal völlig öffnen, sondern Elijahu wird sie in drei Phasen (Tagen) öffnen (Jalkut, Schimoni): anfangend zu einer Zeit, in der das Land Israel noch öde und unwirtlich ist.

Die Weissagung des Propheten Maleachi (3,24), wonach der wiederkehrende Elijahu das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern wenden wird, ist in der Mischna Edujjot VIII,7 Gegenstand einer Kontroverse: Rabbi Jehoschua, Tannait vom Ende des 1.Jhs., überliefert im Namen des Rabban Jochanan ben Sakkai, daß es die Aufgabe des Propheten Elijahu sein wird, die wegen eines angedichteten Familienmakels gewaltsam aus dem jüdischen Ehekreis ausgestoßenen Familien wieder aufzunehmen ***). Rabbi Schimeon hingegen sieht in den Vätern und Söhnen des Schriftwortes vielmehr die Gesetzeslehrer und deren Jünger. Der wiederkehrende Elijahu werde berufen sein, die Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Gelehrtenschulen auszugleichen.

Noch allgemeiner fassen die Weisen der Mischna (Chachamim) den Sinn der prophetischen Verheißung. Nach ihnen wird die Sendung Elijahus darin bestehen, alle Gegensätze und Mißhelligkeiten zwischen Vätern und Söhnen zu beseitigen, mit anderen Worten: Frieden unter den Menschen in der ganzen Welt zu schaffen.
Im Sinne der oben wiedergegebenen Auffassung des Rabbi Schimeon wird Elijahu die für die religionsgesetzliche Praxis wichtigen Streitfragen klären, die Widersprüche zwischen manchen Thoravorschriften durch seine autoritative Deutung ausgleichen (Schabbat 108a; Jewamot 102a; Berachot 33b und 34a; Menachot 45a). Diese Meinung berechtigt dazu, Streitfragen, die man derzeit nicht lösen kann, bis zur Zeit Elijahus ruhen zu lassen.

Zur künftigen Sendung Elijahus gehört auch die Heranschaffung gewisser heiliger Gegenstände, die verborgen und für die Endzeit aufbewahrt worden sind. So heißt es in der Mechilta zu 2. Mose 16,33: „Und Mose sprach zu Aaron: Nimm eine Flasche und tue ein Omer voll Manna hinein und lege es vor dem HErrn nieder zur Bewahrung für eure Geschlechter“: dies ist eine von drei Dingen, die Elijahu einst für Israel bereitstellen wird: die Flasche mit dem Manna, die Flasche mit dem Reinigungswasser (4.Mose 19,9) und die Flasche mit dem Salböl (2.Mose 30,31). Manche sagen: Auch den Stab Aarons (4.Mose 17,25) und die Geräte der Stiftshütte mit der Bundeslade.

Der wiederkehrende Elijahu wird es auch sein, der die wahre Umkehr des Volkes bewirken und hierdurch die Bahn für die endgültige Erlösung ebnen wird. Dieser Gedanke kommt besonders in den Pirke Rabbi Eliesers, Kap. 43a, zum Ausdruck: Wenn Israel nicht Buße tut, wird es nicht erlöst werden. Israel wird aber nicht anders zur Buße gelangen als durch Leid, durch Druck und durch Nahrungsmangel, Dürrezeiten und Kriegsnot. Und Israel wird nicht eher machtvolle Buße üben, als bis Elijahu kommt und den Messias ankündigt.

*) Messias ben Josef, das bedeutet: das erste Kommen des Messias
**) Messias ben David, das bedeutet: das zweite Kommen des Messias
***) Hier könnten die Minim-Minäer gemeint sein, jene, die von der offiziellen jüdischen Lehre abgewichen sind, wie z.B. die Judenchristen, die seit 100 n. Chr. in dem Schemone-essre-Gebet als Ketzer verstoßen werden.

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