Israel als atheistische Theokratie

Viele Christen betrachten das israelische Volk – pardon – als kleinkariert. Die einen verheddern sich beim Anblick der für sie altmodisch- orthodoxen Juden, die sie als Pharisäer verurteilen und die anderen haben nur einen Blick für die messianischen Juden, weil sie schon an Jesus bzw. Jeschua, den Messias glauben. Hier und da gibt es auch Christen, die sich für den modernen Staat Israel interessieren. Auf einen Nenner gebracht: Den einen ist Israel zu fromm und den anderen ist Israel zu weltlich.
Pietistische und fundamentalistische Christen wünschen sich eine Knesset (Parlament), in der stur nach der Bibel und seinen prophetischen Aussagen regiert wird, in der Art von: Heute müssen wir Hesekiel 37, Vers 8 erfüllen. Gewiss, das sähe schön und fromm aus, ginge aber an der eigentlichen Strategie Gottes vorbei, denn dann wäre das „in Erfüllung Gebrachte“ menschlich manipuliert. Daher ist es viel echter, wenn Gottes Verheißungen durch Menschen in Erfüllung gebracht werden, die es von sich aus gar nicht getan hätten?

Und genau das geschieht in Israel! Biblische Verheißungen werden von Menschen in Erfüllung gebracht, die säkulare Israelis sind. Darin sehen wir, dass Gott seine Verheißungen durch Atheisten in Erfüllung bringt, d. h. Gott regiert schon, bedient sich jedoch noch ungläubiger Menschen. Das ist atheistische Theokratie! Und Theokratie ist eine Staatsform, bei der Gott selbst der Regent ist.

Für die meisten modernen Israelis spielt die biblische Prophetie keine Rolle. Aussprüche wie die von David Ben Gurion sind Ausnahmen, gehören aber zur Grundsteinlegung des modernen Judenstaates. Er sagte 1948: „Das Ziel unseres Staates ist, Prophetie zu erfüllen!“ Spricht man moderne Israelis darauf an, hört man oft die resignierende Antwort: „Der Lauf unserer Geschichte wird uns aufgezwungen.“ Damit geben sie indirekt zu, dass hinter allem ein Plan Gottes steht, den die Propheten bereits kannten und niedergeschrieben haben.

Um dies historisch zu untermauern, braucht man nur an Theodor Herzls Zionismus zu denken, der ganz und gar nicht von den orthodoxen Juden unterstützt wurde und auch heute noch von vielen Orthodoxen nicht unterstützt wird. Auch Herzl war säkular. Und doch war Herzl ein Werkzeug in Gottes Hand, denn ohne ihn hätte es keinen Staat Israel gegeben, könnten sich nicht die Verheißungen erfüllen, dass Gott die Juden aus allen Völkern der Erde sammelt, um sie wieder „in ihr Land zurückzuführen“ (Hesekiel 36,24) und dass in dessen Folge – wie verheißen – dieWüste wieder ein Garten wird (Hesekiel 36,8-12). Wäre es jedoch nach den streng orthodoxen Juden gegangen, die den modernen Zionismus als Selbsterlösung ablehnen, weil sie erst, wenn der Messias gekommen ist, etwas unternehmen wollen, wären die biblischen Orte immer noch menschenleere Ruinen und das Land tote Wüste.

Nun darf man aber nicht meinen, dass die säkularen Israelis immer Atheisten bleiben. Nein, das ist nicht so, denn Hesekiel zeigt uns Gottes Stufenplan. Demnach gehören nur die ersten zwei Phasen dieses Dreistufenplanes (37,1-14) zur atheistischen Theokratie. In der dritten und letzten Phase werden die säkularen Israelis mit dem Geist Gottes erfüllt, so dass sie als heilige Personen der Gottesherrschaft dienen. Das schreibt auch Joseph Heller in seinem Buch Zionism and the Jewish Problem: „Das Ziel des Zionismus besteht nicht nur in der Errichtung eines jüdischen Staates, sondern darin, einer Wiedergeburt des prophetischen Geistes den Weg zu ebnen.“

Die gegenwärtige politische Situation in Israel und in der gesamten Welt bietet genügend Anzeichen dafür, dass das Ende nahe ist. Unter „das Ende ist nahe“ darf man aber nicht – wie so oft verkündet – den Weltuntergang verstehen, sondern den Beginn der letzten Phase in Gottes Road Map, in der Gott seinem nach Zion heimgekehrten Volk seinen Heiligen Geist einhaucht, auf dass er nicht mehr mit Atheisten sein Reich in Israel regiert, sondern mit geisterfüllten Juden. Dann ist Israel nicht mehr eine atheistische, sondern eine heilige Theokratie!

Nur so kann man verstehen, dass in dieser „Endzeit“ sich alle antigöttlichen Mächte aus Politik und Weltreligion aufmachen, um die Verwirklichung des göttlichen Heilsplanes mit Israel und den Beginn der Gottesherrschaft zu verhindern.

zum Seitenanfang

Weitere Berichte:

Die Bedeutung des Pessach-Festes

Qumran-Rollen als Leihgabe

Der Pessach - Brief

Wiederauferstehung Jesu genauer betrachtet

Sind Sie Jude? Entdecke Deine Geschichte...

Spiegel jüdischer Identitäten

Vereinigung für religiös-liberales Judentum

Schmini Atzeret und Simchat Torah

Die Erde ehren

Flagge zeigen

Yom Hazikaron Lashoah Velagvura

Martin Luther und die Juden

Purim, ein feuchtfröhliches jüdisches Fest

Die Religion – sie vereint oder entzweit

Der Messias des Judentums

Willkommen im zweiten Leben

"Alles wird vom Himmel gesteuert"

Die Thora des Lebens

Operation „Gebetsschild“ für Israel

Das kurze Gebet

Lag Ba’omer

Was macht mich zu einem Juden / zu einer Jüdin?

Seder mit Wein und Früchten

Neujahrsfest der Bäume: Tu Bischwat

Jüdisches Leben nach Zerstörung des II. Tempel

Waren die Makkabäer Fundamentalisten?

Forschung um neutestamentlichen Ort Emmaus

Seine Geburt war unordentlich

Gemeinsam ist die Gotteserfahrung

Suche nach Gerechtigkeit

Das Leben als grosses Geschenk

Der jüdische Alltag

Grabung bestätigt biblischen Bericht

Gedenken zum 900. Todestag Raschis

„Das ist ein Traum, der wahr geworden ist“

Von der Lust am Lernen

Shavuoth – Das Wochenfest

Woran Jesus tatsächlich gestorben ist

Mysterium Lagerfeuer

Die Omer-Zeit und der Staat Israel

“Masal Tov!” Zur Hochzeit

Auf der Suche nach ihren Wurzeln

Ultraorthodoxe Antizionisten

Was darf ein Jude essen?

Wem diene Ich?

800. Todestag des Maimonides

Israel als atheistische Theokratie

Das Messianische Zeitalter

Wahrsager und Horoskope

Elijahu (Elia), in der Endzeit

Wichtige jüdische Gegenstände

Feste

Glaube

Vielfalt

zum Seitenanfang
Druckbare Version
Vielfalt
800. Todestag des Maimonides