Was darf ein Jude essen?

Im traditionellen Judentum kann man nicht zwischen religiösen und profanen Lebensbereichen unterscheiden, denn nichts im Leben ist wirklich profan. Wie man sich kleidet oder was man isst gehört ebenso zur Religion wie Gebet und Gottesdienst. Die Beachtung der Speisegesetze in einem jüdischen Haushalt macht deutlich, wie die Religion jeden Bereich des täglichen Lebens durchdringt.


Die Speisegesetze gründen sich auf göttliche Gebote, ihre Grundbestimmungen finden sich in Bibel und Talmud. Alle Speisen müssen koscher sein,wörtlich: rein bzw. tauglich. Bei Tieren unterscheidet man drei Arten: auf dem Land lebende Tiere, Meerestiere und Geflügel, die bestimmte Merkmale aufweisen müssen, um als rein eingestuft werden zu können.

Für die auf dem Land lebenden tauglichen Tiere nennt die Bibel folgende Merkmale: „Alle Tiere, die gespaltene Klauen haben, Paarzeher sind und wiederkäuen, dürft ihr essen“ (3. Mose 11,3).


Fehlt eines dieser Merkmale, so ist der Genuss des Fleisches verboten. Als Beispiel nennt die Bibel Kamel, Kaninchen und Hase, die zwar Wiederkäuer sind, aber keine gespaltenen Klauen haben. Das Schwein dagegen hat zwar gespaltene Hufe, ist aber kein Wiederkäuer und daher ausdrücklich verboten. Selbst Juden, die sich sonst nicht strikt an die Gebote der Bibel halten, verzichten als Zeichen ihrer jüdischen Identität auf Schweinefleisch.

Für Meerestiere gilt: „Alle Tiere mit Flossen und Schuppen, die im Wasser, in Meeren und Flüssen leben, dürft ihr essen“ (3. Mose 11,9-12). Nach diesen Kriterien sind somit Aal, Austern, Hummer, Krebse, Muscheln und Schnecken verboten.

Das meiste Geflügel gilt als rein und darf gegessen werden. Die unreinen Vögel, wie z.B. Raubvögel, werden in zwei Bibelstellen aufgezählt (3. Mose 11,13-19 und 5. Mose 14,12-18). Auch Insekten, außer vier Arten von Heuschrecken, gelten als unrein.

Verendete und durch Raubtiere gerissene und kranke Tiere dürfen generell nicht verzehrt werden.

Da die Bibel jeglichen Genuss von Blut verbietet (3. Mose 17,12), entwickelte sich eine spezielle Schlachtmethode, das Schächten (Schechita). Der eigens dafür ausgebildete Schächter durchschneidet mit einem äußerst scharfen und schartenfreien Messer in einem Zug Halsschlagader, Luft- und Speiseröhre, so dass das Blut in einem Zug ganz ablaufen kann. Es ist auch die Schlachtweise, bei der das Tier am wenigsten leidet. Für die Entfernung der letzten Blutreste ist die Hausfrau verantwortlich. Sie koschert das Fleisch, indem sie es eine halbe Stunde in lauwarmes Wasser legt, abtupft, auf allen Seiten einsalzt und auf eine schräge Unterlage oder auf ein perforiertes Abtropfbrett legt, damit das austretende Blut ablaufen kann.

In der Bibel heißt es an drei Stellen: „Du sollst ein Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen“ (2. Mose 23,19 u. 34,26; 5. Mose 14,21). Die dreifache Nennung des Verbotes interpretieren die Rabbiner als dessen Verschärfung, was zu einer völligen Trennung von Fleisch- und Milchprodukten führte. Hat man z.B. Fleisch gegessen, so muss man warten, bis das Fleisch verdaut ist (in der Regel sechs Stunden), bevor man eine Milchspeise zu sich nehmen darf.

Nach Milchspeisen, die schnell verdaut werden, muss man nur etwa eine halbe Stunde warten bis man Fleischgerichte essen darf. Auch Töpfe, Geschirr (außer Glas, das als neutral gilt) und Besteck müssen für „Milchiges“ und „Fleischiges“ getrennt werden. Die moderne Medizin hat inzwischen erkannt, dass die biblischen Speisegebote gesund und zu empfehlen sind.

Da Fisch als parwe, als neutral, angesehen wird, kann man ihn sowohl zusammen mit Fleisch als auch mit Milchspeisen essen. Auch alle Arten von Obst und Gemüse, Eier, Pflanzenöle und Pflanzenmargarine sind parwe und dürfen daher mit Fleisch und Milch gegessen werden.

Weine, die aus vergorenen Trauben hergestellt werden, müssen koscher sein, d.h. unter rabbinischer Aufsicht verarbeitet werden. Alle nicht vom Weinstock stammenden Spirituosen wie Bier und Liköre unterliegen keinen besonderen Vorschriften.


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