Jelmoli sucht Geld, wo keines zu holen ist

Wegen des geplatzten Verkaufs seiner Immobilien verklagt der Warenhauskonzern die Nicht-Käufer aus Israel. Die verstecken sich hinter einer Holding aus Zug mit 20'000 Franken Kapital.

Die ausserordentliche Generalversammlung von übermorgen verspricht spannend zu werden. Unzufriedene Jelmoli-Aktionäre wollen wissen, weshalb der Ende Juli angekündigte Verkauf der Immobilien für 3,4 Milliarden Franken an eine Gruppe aus Israel gescheitert ist. Ein Fonds verlangt gar eine Sonderprüfung.

Nicht zuletzt, um diesem Antrag den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Jelmoli heute mitgeteilt, gegen das Käuferkonsortium auf Erfüllung des Kaufvertrages zu klagen. Im Oktober hatten Blenheim Properties, Delek Global Real Estate und Delek Belron den Rücktritt vom Kaufvertrag mitgeteilt, weil sich die Finanzierungslage als Folge der US-Kreditkrise verändert habe. Dieser Rückzug erfolgte laut Jelmoli «ohne rechtliche Grundlage im Kaufvertrag», er stelle einen «offensichtlichen Vertragsbruch» dar. Der Kaufvertrag enthalte keine Klauseln, die einen Rückzug erlauben würden.

Laut Jelmoli-Generalsekretär Daniel Gfeller sah der Vertrag aber auch keine Konventionalstrafe oder andere Gebühr für den Fall eines Vertragsbruchs vor. Laut Recherchen des TA hat Jelmoli den Vertrag aber nicht mit dem Konsortium selbst, sondern mit der Luxemburger Holding Empario abgeschlossen (siehe Grafik). Sie hat ihren Sitz im August nach Zug verlegt und ist über eine andere Luxemburger Holding Teil einer Gruppe in Amsterdam, die den drei Käufern aus Israel gehört. Bei all diesen Holdings ist nicht viel zu holen, sie sind nur schwach kapitalisiert; die Zuger Empario etwa hat ein Aktienkapital von 20'000 Franken.


Jelmoli weiss, dass wenig zu holen ist

Was soll also eine Klage über 3,4 Milliarden Franken? Reine Effekthascherei kurz vor der Generalversammlung, um den Aktionären zu zeigen, dass man ihre Interessen ernst nehme? Nein, sagt Jelmoli-Generalsekretär Daniel Gfeller. «Wir sind uns bewusst, dass bei der Holding Empario wenig zu holen ist. Deshalb haben wir unsere Anwälte auch damit beauftragt, allfällige weitere Schritte abzuklären.» Dafür seien rechtliche Abklärungen in mehreren Ländern nötig gewesen. Abklärungen, die es nur brauchte, weil die Muttergesellschaften hinter den Holdings dem Jelmoli-Konzern keine finanziellen Garantien gegeben hatten.

Eine zentrale Rolle im Milliardenpoker spielen Holland und seine Steuergesetze. Einerseits laufen in den Niederlanden die Fäden der Holdings der Israeli zusammen, andererseits hat Jelmoli vor dem Deal die Immobilien laut «NZZ am Sonntag» in einer dortigen Aktiengesellschaft organisiert. Branchenkenner sind nicht überrascht, laufen Verkäufe grosser Immobilienpakete doch oft über die Niederlande, weil die Gesetzgebung bei solchen Geschäften grosse steuerliche Vorteile mit sich bringt.

Tatsächlich besteuert Holland Gewinne aus Immobilienverkäufen nicht, wenn zu diesem Zweck Aktien verkauft werden. In einer Steuer-Vorprüfung hatte die Stadtzürcher Steuerbehörde die Auslagerung der Jelmoli-Immobilien nach Holland auf Grund des 2005 neu eingeführten Unternehmenssteuerrechts bewilligt. Steuerchef Paul Aschwanden sieht darin sogar «ein geschicktes Vorgehen». Die eidgenössische Steuerverwaltung spricht von «steuerneutralen Umstrukturierungen».
Laut Jelmoli-Chef Harald Pinger hätte der Konzern mit dem Kunstgriff Steuern in der Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags gespart - und auch das Käuferkonsortium wäre damit gut gefahren.


Schlecht beraten von Goldman Sachs?

Hätte und wäre. Denn heute sieht alles anders aus. Die Rolle von Goldman Sachs, der Geschäftsbank von Jelmoli, erscheint in einem anderen Licht als im Sommer, als die Freude über den hohen Verkaufspreis gross war. Und die beiden Grossaktionäre Georg von Opel und Walter Fust müssen sich die Frage gefallen lassen, ob da nicht viel Blauäugigkeit mit im Spiel war. Ein Fremdfinanzierungsgrad von 84 Prozent und eine Luxemburger Holding als Käuferin - da müssten die Alarmglocken läuten. Müssten.
Romeo Regenass, TA 12/2007


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