Vier iranische Raketentests seit Jahresbeginn

Die Islamische Republik Iran hat nach Angaben von Mitarbeitern westlicher Sicherheitsdienste seit Jahresbeginn vier erfolgreiche Raketentests unternommen. Wie die Nachrichtenagentur ddp aus diesen Sicherheitskreisen in Berlin erfuhr, wurden in den vergangenen Wochen eine Flugabwehrrakete, eine Panzerabwehrrakete, eine Cruise Missile und eine modifizierte Mittelstreckenrakete getestet. «Und das ist nur die Spitze eines Eisberges. Iran ist derzeit bei Raketentests sehr aktiv», sagte ein Beobachter.

Nach diesen Angaben handelt es sich bei der Flugabwehrrakete um den iranischen Nachbau einer russischen Rakete. Der getestete Cruise-Missile-Lenkflugkörper soll der iranische Nachbau einer chinesischen HY-2 Silkworm-Rakete sein. Bei dem Test sei sie etwa 150 Kilometer weit geflogen. Damit könnte sie Ziele im Persischen Golf und dem Arabischen Meer erreichen. Während des irakisch-iranischen Krieges hätten die Iraner im Oktober 1987 mit Raketen des Typs HY-2 Silkworm einen amerikanischen und einen kuweitischen Öltanker im Golf versenkt. Seither sei die Waffe von Teheran erheblich weiter entwickelt worden.

Auch die modifizierte Mittelstreckenrakete des Typs Shahab-3 sei in den vergangenen Wochen abermals auf eine Entfernung von rund 900 Kilometer getestet worden. Raketen des Typs Shahab-3 seien kürzlich in die Nähe der Städte Kermanshah und Hamad an der Westgrenze Irans verlegt worden, hieß es. Von dort aus könnten sie Ziele in Israel erreichen. Die Entfernung von Kermanshah bis Tel Aviv beträgt rund 850 Kilometer.

Derzeit versuchten die Iraner nach Angaben der Sicherheitskreise unter Hochdruck Komponenten zum Bau von Motoren für die Cruise Missiles auf verdecktem Wege aus Deutschland und der Schweiz zu beschaffen. Als Käufer träten in der Dschebel-Ali-Freihandelszone in den Vereinigten Arabischen Emiraten registrierte iranische Tarnfirmen auf. Bei Beschaffungsmaßnahmen für Militärelektronik sei vor allem die europäische Unternehmensgruppe Thales im Visier verdeckter iranischer Beschaffungsbemühungen.

Laut Sicherheitsexperten gibt es auch Hinweise darauf, dass Teheran in Europa Komponenten zu beschaffen versucht, mit denen die Shahab-3 mit einem Nuklearsprengkopf bestückt werden könnte. «Derartige Beschaffungsmaßnahmen sind nicht von der Hand zu weisen», sagte ein Beobachter.

Die Shahab-3 ist der iranische Nachbau einer aus nordkoreanischer Produktion stammenden Rakete des Typs Nodong-1. Sie ist 14,90 Meter lang und hat einen Durchmesser von 1,20 Meter. Mit russischer Hilfe hatte Iran seit 1998 die Reichweite dieser Raketen deutlich erhöht. Theoretisch hat die Shahab-3 eine Reichweite von mindestens 1300 Kilometern, eine präzise Zielerfassung soll derzeit jedoch nur bis zu einer Reichweite von rund 900 Kilometern möglich sein.
Neben konventionellen Sprengköpfen kann der Raketensprengkopf der Shahab («Sternschnuppe») auch mit chemischen und biologischen Waffen bestückt werden. Die «Sternschnuppen» werden mit Flüssigtreibstoff angetrieben. Über wie viele Raketen dieses Typs Teheran verfügt, ist westlichen Nachrichtendiensten nicht bekannt. Zugleich arbeitet die Islamische Republik Iran nach Mitteilung aus Sicherheitskreisen unter Hochdruck an der Shahab-4, die auch Ziele in Europa erreichen könnte.
Quelle: ddp


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