"Du-Et"

Gemeinsame jüdisch-arabische Zeitung

Die Herausgeber von „Du-Et“ haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Zeitung binnen zwei Jahre überflüssig zu machen. Du-Et („Zwei Stifte“) ist Israels einzige Zeitung, die von jüdischen und arabischen Journalisten gemeinsam geschrieben wird. Die israelische Presse spiegelt die Trennung wider, die zwischen den jüdischen und arabischen Staatsbürgern Israels besteht, erklärt Rebecca Zeffert, International Public Relations Coordinator vom Citizens Accord Forum (http://www.caf.org.il), dem Gründer von Du-Et. „Israels Araber haben keine Stimme in der etablierten Presse“, weiß Zeffert zu berichten, „Arabische gesellschaftliche oder kulturelle Themen werden in der hebräischen Presse fast nicht besprochen. Stattdessen hört man nur von Krisen, Gewalt, Armut, Terror und Angst. Dies verursacht negative Einstellungen von Seiten der hebräischen Presse gegenüber der arabischen Kultur. Dasselbe passiert auf der anderen Seite. Beide Bevölkerungsgruppen beziehen sich nicht aufeinander“, meint Zeffert.

Zum ersten Mal erschien Du-Et 2003. Finanziert wurde das Projekt von der EU, UNESCO, dem deutschen Auswärtigen Amt, Richard and Rhoda Goldman Fund und Beracha Foundation. Zunächst hatte das Blatt zwölf Seiten. Heute ist es 32 Seiten stark. Pro Ausgabe erscheinen 200.000 bis 300.000 Exemplare als Beilage in Haaretz, Maariv, Kul al-Arab, As’sennara und Panorama. Die Leserschaft nähert sich der Millionengrenze an, behaupten die Herausgeber. Kürzlich erschien Du-Et als Online-Ausgabe der Nachrichtenseite „Nana“, einer Internetseite, die sich vor allem an junge Leser in Israel wendet. Geplant ist jetzt eine englische Online-Version in Zusammenarbeit mit einer der großen Tageszeitungen.

Heute kann sich die Zeitung vor Angeboten kaum retten, sagt Zeffert. Zu den Autoren gehören: Moti Shaklar (Siedler und Generaldirektor Channel 2 TV), Eeta Prince-Gibson (Jerusalem Post), Rafik Halabi (Channel 2 TV), Danny Rubinstein (Haaretz), Rubik Rosenthal (Maariv), Gideon Eshet (Yedioth Aharonoth), Nazir Majali (Al-Sharq Al-Awsat) und Salem Jubran (Al.-Ahaly).

Die Korrespondenten schreiben zu allen Kontroversen: Terroranschläge, arabisch-jüdische Beziehungen, Tendenzen in der hebräischen Presse oder die Denkbarkeit einer Intifada der Beduinen. Andere Themen sind Frauenzeitschriften in der israelisch-arabischen Gesellschaft, das Nachtleben der Jugendlichen von Nazareth, Identitätsfindung der Beduinen oder von christlichen Geistlichen in Israel.

Zu den Rennern gehört das Feature „Crossing the Lines“: Zoheir Andrawous, Herausgeber von der arabischen Zeitung „Kul al-Arab“ musste ein israelisches Kibbuz, das Jerusalemer ultra-orthodoxe Stadtviertel „Mea Shearim“ besuchen und sich mit Hanan Porat von der Siedlerbewegung „Gush Etzion“ treffen. Im Gegenzug ließ sich Dani Zilbershlag, Herausgeber der ultra-orthodoxen Zeitung „BaKehila“ in Beduinendörfer in die Negev-Wüste schicken, die von der Regierung nicht anerkannt werden. Oder er traf Dozentinnen und Studentinnen in der islamischen Hochschule der arabischen Stadt Baka al-Garbiyya.

Ich bin ein Star, holt mich hier raus! Die Prominenten beschreiben ihre Eindrücke und Erfahrungen und veröffentlichen sie in Du-Et. Selten entspricht das Ergebnis den Erwartungen der Leser. Eine weitere Kategorie bringt Fotos aus dem Blickwinkel jüdischer und arabischer Fotografen. „Wir sind politisch ungebunden“, meint Zeffert. „Unsere Autoren und Leser kommen aus allen Sparten der israelischen Gesellschaft – Christen, Muslime und Juden, Religiöse wie Säkulare“.

Neben Du-Et initiierten die Herausgeber Treffen für arabische Journalisten mit Staatspräsident Moshe Katsav oder Verteidigungsminister Shaul Mofaz. David Horovitz, Herausgeber der Jerusalem Post, gehört zu den Teilnehmern der Hintergrundgespräche.

Citizens Accord Forum wurde im Jahr 2000 von Rabbiner Michael Melchior, Mitglied der israelischen Regierung, ins Leben gerufen. 2002 gründete die Organisation den jüdisch-arabischen Presse-Club. Mittlerweile ist die Berichterstattung zu arabischen Themen in den meisten hebräischen Medien gestiegen, und arabische Journalisten sind stärker vertreten. “Keshet Television Network” gründete jetzt gemeinsam mit Du-Et ein Studien-Projekt mit Stipendien für sechs junge aufstrebende arabische Journalisten.

Für 2006 will die Zeitung einen weiteren Schwerpunkt setzen und 20 Prozent israelisch-palästinensischen Themen widmen. Wenn es so weit ist, soll Du-Et auch als Beilage in der palästinensischen Zeitung „Al-Quds“, die im Westjordanland erscheint, verbreitet werden. „Es ist eine große Herausforderung“, sagte Zeffert, „aber das ist unser Ziel.“

Quelle: http://www.israel21c.org


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