Abbas kritisiert Israels

Der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas, hat die Warnung Israels kritisiert, den Rückzugsplan im Falle eines Wahlsieges der radikal-islamischen Hamas zu stoppen. Er stellte Israels Willen zur Demokratie in Frage.

Israels Außenminister Silvan Schalom hatte am Montag gewarnt, dass ein Sieg der Hamas bei den Wahlen zum palästinensischen Legislativrat (PLC) den Rückzug aus dem Gazastreifen unmöglich mache. Dadurch werde ein "Hamastan" geschaffen, so Schalom.

Abbas kritisierte auf dem Gipfeltreffen süd-amerikanischer und arabischer Führer in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia die Entscheidung von Premier Ariel Scharon, den Beginn der Evakuierung um drei Wochen zu verschieben. "Schlimmer noch als das aber ist, dass Scharons Außenminister gesagt hat, es könne keinen Rückzug aus dem Gazastreifen oder irgendeiner anderen Stadt geben, wenn die Hamas-Bewegung die Wahlen gewinnt." Die PLC-Wahlen sollen am 17. Juli durchgeführt werden.

Abbas fragte: "Was für eine Demokratie soll das sein? An welche Demokratie glauben die Israelis?" Die Palästinenser glaubten an eine Demokratie, welche die notwendigen Voraussetzungen für Frieden im Nahen Osten schaffe.

Die Äußerung Schaloms hatten Scharon und Verteidigungsminister Schaul Mofas am Dienstag zurückgewiesen. Sie betonten, dass der Rückzug ungeachtet des Ausgangs der PLC-Wahl stattfinde.


Qrea: "Araber lassen Palästinenser im Stich"

Der palästinensische Premier Ahmed Qrea hat die Führer der arabischen Welt kritisiert. Die restlichen Araber ließen die Palästinenser beim Kampf um Ostjerusalem allein, sagte er bei einem Kongress in Ramallah.

"Jerusalem ist in Gefahr, und die arabische Welt sagt nichts", so Qrea. "Extremistische Juden rufen jeden Tag dazu auf, die Al-Aksa-Moschee zu zerstören. Die arabischen Staaten reagieren mit einem schwachen Murmeln, ohne Unterstützung für die Palästinenser auszudrücken."

Qrea äußerte sich auch zum Plan der israelischen Regierung, die jüdischen Ortschaften im Gazastreifen zu räumen. Dadurch wolle Israel seine Position im Westjordanland verbessern. "Die Israelis werden vier Siedlungen in der Gegend von Dschenin räumen, um ihre Basis in Jerusalem zu stärken und dort 3.500 neue Wohneinheiten zu bauen", fügte der Premier hinzu.


"Ich werde unser kleines Stück Land beschützen"

Israels Premierminister Ariel Scharon hat den Israelis versprochen, ihr kleines Land zu beschützen und sich weiter für Frieden einzusetzen. Anlässlich des Gedenktages für die gefallenen Soldaten wandte er sich am Mittwoch an hinterbliebene Familien.

"Heute ist der Tag des Gedenkens und der Einheit", sagte Scharon. "Ein Tag, um über die alltäglichen Spaltungen erhaben zu sein", indem man "die Tugend unserer Helden und der in unseren Kriegen Gefallenen" ehre.

Während die Hinterbliebenen auf dem Weg zu den Friedhöfen seien, hoffe er, sie mit zwei Versprechen zu begleiten, so Scharon: "unser kleines Land weiter mit all unserer Kraft zu beschützen und alles zu tun, was in unserer Macht steht, um so schnell wie möglich Frieden zu bringen." Seit der Staatsgründung vor 57 Jahren haben 20.368 Menschen im Kampf um Israel ihr Leben gelassen.

Verteidigungsminister Schaul Mofas drückte seine Trauer darüber aus, dass "wir gezwungen sind, unsere Freiheit um solch einen unerträglichen Preis zu kaufen. Die Reihe der Gefallenen in Israels Kriegen ist sehr lang, aber die Reihe der Hinterbliebenen ist siebenmal länger, weil jeder Gefallene eine liebende Familie und ein warmes Heim zurücklässt - Eltern, Verwandte, Ehefrauen und Kinder, alle voller Kummer."

Einem Bericht der Tageszeitung "Ha´aretz" zufolge warf Mofas jedoch auch einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft: "Ich denke, unsere Sicherheitslage wird sich ab dem Tag nach dem Rückzug mit der Zeit verbessern. Ich hoffe auch, dass sich die Zahl der zivilen und militärischen Verluste auf ein Minimum reduzieren wird. Dies muss als Prozess betrachtet werden, und nicht als ein Zeitpunkt direkt nach dem Rückzug." Wenn Israel den Gazastreifen verlasse, werde es dadurch Sicherheit "um einen viel niedrigeren Preis" erlangen.
© israelnetz.de


Letzte Änderung am Sonntag, 6. Juli 2008 um 14:20:59 Uhr.


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