Gemischte Gefühle in Jerusalem |
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Mahmoud Abbas (l.) und Tony Blair Ein Handschlag, der für die Palästinenser 1,25 Milliarden Dollar wert ist |
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An der Londoner Nahostkonferenz verpflichteten sich die Spendernationen am Dienstag, den Palästinensern mit insgesamt 1,25 Milliarden Dollar finanziell unter die Arme zu greifen. Jerusalems Führung dagegen, die an der Konferenz durch Abwesenheit glänzte, startete gleichzeitig in wichtigen Hauptstädten des Westens eine diplomatische Initiative mit dem Ziel, die Unterstützung Syriens für den Terrorismus an den Pranger zu stellen und den internationalen Druck auf das durch die Ereignisse in Beirut ohnehin schon in die Defensive gedrängte Regime Assads zu erhöhen. In Israel akkreditierten Botschaftern legte Ron Prosor, Generaldirektor des Jerusalemer Aussenministeriums, Beweise dafür vor, dass der durch ein Mitglied des Islamischen Jihad verübte Selbstmordanschlag vom letzten Freitagabend – der erste derartige Akt seit fast vier Monaten –, bei dem am Eingang zu einer Diskothek in Tel Aviv fünf Menschen starben und rund 50 verletzt wurden, von der Kommandozentrale des Islamischen Jihad in Damaskus aus gesteuert worden ist. Am Rande der Londoner Konferenz liess US-Aussenministerin Condoleezza Rice kaum Zweifel an der Richtigkeit der israelischen Position hinsichtlich des Standorts der Drahtzieher des Tel Aviver Attentats offen. Zwar kenne man das Ausmass der Verwicklung Syriens nicht genau, meinte die Politikern gegenüber der TV-Station ABC, doch das, was sich in und um Damaskus zutrage, sei ganz klar eine Bedrohung für «den neuen Nahen Osten, den wir aufbauen wollen». Trotzdem sei die Erteilung des grünen Lichts für eine israelische Militäraktion gegen Syrien «keine Option». Auch Grossbritanniens Premierminister Tony Blair betonte, Syrien müsse verschiedenen Fragen Rede und Antwort stehen. Präsident Bashar Assad seinerseits scheint sich zusehends unwohl in seiner Haut zu fühlen, erklärte er doch diese Woche gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Time», er würde seine Truppen «innert weniger Monate» aus dem Libanon abziehen. Verzögerungen seien einzig auf «technische Gründe» zurück zu führen. |
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London beharrt weiter
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Trotz der klaren Kritik an der Rolle Syriens, die an der Londoner Konferenz zum Ausdruck gebracht wurde, beurteilt Israel die Ergebnisse des Anlasses eher mit gemischten Gefühlen. Britische Kreise liessen nämlich durchblicken, dass man Premier Sharons Haltung ablehne, wonach die Palästinenser eine Reihe von Verpflichtungen zu erfüllen hätten, bevor man sich anschicken könne, den «Marschplan» in die Tat umzusetzen. Generell wollen die Briten offenbar nichts von der von Jerusalem vertretenen Position wissen, wonach die Palästinenser ihre Zusagen in die Tat umzusetzen hätten, und Israel erst anschliessend «zur Kasse gebeten» würde. London besteht auf einer Einfrierung der Siedlungstätigkeit und einer Räumung der illegalen Aussenposten, und zwar ungeachtet des Verhaltens der palästinensischen Seite. Auch das Einstehen der USA und Grossbritanniens an der von 23 Nationen und sechs internationalen Organisationen beschickten Konferenz für einen Palästinenserstaat mit «territorialem Zusammenhang» – eine indirekte Befürwortung einer Landverbindung zwischen Westbank und Gazastreifen durch den Negev hindurch – wurde in Israel mit wenig Begeisterung aufgenommen. Dessen ungeachtet verharrt Jerusalem bei seiner Haltung, wonach die Eindämmung des palästinensischen Terrorismus eine notwendige Vorbedingung für politische Fortschritte sei. Die Ergebnisse der Londoner Konferenz würden die Palästinenser, so wird in Israel argumentiert, von der Notwendigkeit befreien, den Terrorismus wirksam zu bekämpfen. |
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Verschärftes Gesetz gegen Hetzer
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Ein akutes Problem für die Entscheidungsträger in Israel ist die zunehmende Verrohung des Umgangstones. Die Drohungen der Entflechtungsgegner gegen Mitglieder des politischen Establishments, vor allem gegen Ariel Sharon, nehmen immer offenere und unverblümtere Formen an, wie eine kleine Auswahl der vom Shabak-Geheimdienst gesammelten Slogans aus der Rechtsszene beweist: «Yigal Amir lebt, Rabin ist tot, Sharon wird sterben» oder: «Sharon ist gefährlicher als Arafat» oder: «Wir müssen für den Tod des Regierungschefs beten, denn so würde der politische Prozess gestoppt.» Den Vogel abgeschossen haben aber zweifellos extremistische Rabbiner, die letzte Woche an einer Grossveranstaltung in Tel Aviv Sharon nichts mehr und nichts weniger vorgeworfen haben als «eine neue Schoah über das jüdische Volk» zu bringen. Das von Tzippi Livni geleitete Justizministerium weist mit wachsender Dringlichkeit darauf hin, dass die geltende Gesetzgebung gegen Hass- und Hetzpropaganda ungenügend sei. Heute kann nämlich nur jemand vor Gericht gebracht werden, wenn sich ein direkter Zusammenhang zwischen seinen Äusserungen und Gewalttaten nachweisen lässt. Ministerin Livni arbeitet fieberhaft daran, die gesetzlichen Kompetenzen derart zu ändern, dass für die Verhaftung und Belangung eines Hetzers dieser direkte Zusammenhang nicht mehr notwendig sein muss. |
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Letzte Änderung am Sonntag, 6. Juli 2008 um 14:21:11 Uhr. |
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