Islamischer Dschihad lehnt Abbas Politik ab

"Ein jüdischer Staat in Palästina ist für uns nicht akzeptabel"

von Eva Eusterhus
Artikel erschienen in Die Welt am Donnerstag, 13. Januar 2005

Gaza-Stadt - Ob der neue Palästinenserpräsident einen Wandel im Nahen Osten herbeiführen kann, wird maßgeblich von den Extremisten auf Seiten der Palästinenser abhängen. Mit Khaled El Batsh, 45, Sprecher des Palästinensischen Islamischen Dschihads in Gaza, sprach Eva Eusterhus:

Die Welt: Sind Sie ein Terrorist?
Khaled El Batsh: Nein, im Gegenteil. Ich bin ein Anti-Terrorist. Das ist etwas ganz anderes. Ein Terrorist ist jemand, der Unehrenwertes tut. Jemand, der unschuldige Menschen tötet, jemand, der Menschen entführt, der sie quält, sie benutzt.

Die Welt: Der Palästinensische Islamische Dschihad, tötet israelische Männer, Frauen, Kinder, Babys. Das ist Terrorismus.
El Batsh: Nennen Sie das, was wir tun, wie Sie wollen. Für uns ist das, was wir tun Widerstand. Widerstand gegen die Besatzung.

Die Welt: Machmud Abbas hat zur Beendigung der "militärischen Intifada" aufgerufen. Ein Aufruf, der auch ihrer Organisation galt.
El Batsh: Ob Abu Mazen zu einem Ende der militärischen Intifada aufruft, oder nicht, das betrifft uns nicht. Der Widerstand des palästinensischen Volkes muß weitergehen. Solange die Okkupation Palästinas nicht beendet wird.

Die Welt: Was meinen Sie, wenn Sie sagen, Israel muß die Besatzung beenden. Fordern Sie einen Rückzug Israels hinter die Grenzen von vor ´67 oder einen Rückzug Israels aus ganz Palästina, vom Mittelmeer bis zum Jordan?
El Batsh: Letzteres natürlich. Wir akzeptieren den israelischen Staat, als fait accompli, als etwas, das wir einzig aufgrund seiner militärischen Stärke akzeptieren müssen. Niemals werden wir Moslems Israel als einen jüdischen Staat respektieren. Kein Moslem kann einen jüdischen Staat respektieren. Die Juden sind im Gegensatz zu uns Moslems unrein, weil sie Alkohol trinken, weil sie rauchen, weil sie Mischehen eingehen, weil sie der Fleischeslust verfallen sind. Abraham war der erste Moslim, denn er war der erste Mensch, der an den einen Gott, an Allah geglaubt hat. Die Juden haben die heilige Botschaft, die ihnen Allah als Ersten offenbart hat gefälscht,

Die Welt: Ist der Konflikt ein religiöser oder ein nationaler?
El Batsh: Die Juden sind Anhänger eines Glaubens. Sie sind kein Volk, keine Nation.

Die Welt: Das heißt, selbst eine Zwei-Staaten-Lösung würde den Terror von ihrer Seite aus nicht beenden?
El Batsh: Ein jüdischer Staat im historischen Palästina ist für das palästinensische Volk wie für die Gemeinschaft der Muslime unter keinen Umständen zu akzeptieren. Aber nochmals, Sie wollen mich nicht verstehen: Wir sind keine Terroristen. Wir leisten Widerstand. Genauso wie Charles de Gaulle und alle Franzosen Widerstand gegen die Besetzung ihres Landes durch Sie, die Deutschen, geleistet haben. Wollen ausgerechnet Sie als Deutsche dem Palästinensischen Volk das Recht auf Widerstand absprechen? Oder sind Sie Jüdin?

Die Welt: Der Palästinensische Islamische Dschihad wird vom Iran mit Geld versorgt...
El Batsh: ... auf der staatlichen Ebene begrenzt sich die Unterstützung auf die politische, die ideologische. Auf der Ebene der karikativen, religiösen Spenden erfreuen wir uns über ausgesprochen großzügige Summen.

Die Welt: Wohin fließen diese Gelder?
Batsh: An Not leidende in Palästina.

Die Welt: Ist ein Dschihad-Kämpfer Not leidend, wenn er keine Waffen, keinen Sprengstoff mehr hat?
Batsh: Dazu sage ich nichts. Ich müßte sonst lügen.

Die Welt: Es gilt als unbestritten, daß auch die libanesische Hisbollah ihre Organisation mit Waffen, mit Sprengstoff ausrüstet.
El Batsh: Wir nehmen jede Hilfe unserer kämpfenden Brüder an. Natürlich tun wir das.

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