Nun, da es eine brüchige Feuerpause im Libanon gibt, kehren israelische und libanesische Zivilisten in ihre Häuser zurück und ein Teil des Nebels, der den Krieg umgab, lichtet sich. Dies schafft die Möglichkeit, neue Beweise zu sammeln und die Berichte der vielen so genannten unvoreingenommenen Untersuchungen zu überprüfen, die von Menschenrechtsorganisationen während des Krieges durchgeführt wurden und die Israel wegen angeblich „willkürlicher“ Bombenangriffe auf libanesische Zivilisten an den Pranger stellten.
In mindestens einem Fall ist die neue Beweisführung erdrückend. Am 16. August berichtete Hassan Fattah in der New York Times über die Rückkehr libanesischer Zivilisten in das Dorf Srifa (von der Times Sreifa buchstabiert). Die folgenden Sätze sind besonders bemerkenswert: „Hussein Kamaleldin, ein örtlicher Funktionsträger […] schätzte, dass bis zu zwei Drittel der Häuser und Gebäude der Stadt zerstört wurden und mehr als 43 Menschen unter den Trümmern begraben liegen. Die Mehrzahl von ihnen waren Kämpfer, die zur Hisbollah und deren verbündeten Amal-Partei gehörten, sagten Bewohner.“
Dies widerspricht den Behauptungen von Human Rights Watch (HRW), nach denen Israel keine legitimen militärischen Ziele in Srifa hatte und nur libanesische Zivilisten tötete – eine Behauptung, die während des einmonatigen Krieges im Libanon eine Vorreiterrolle bei den Verbalangriffen von HRW auf den Staat Israel einnahm.
Am 3. August veröffentlichte HRW einen 50seitigen Bericht und Begleitworte, worin Israel des Kriegsverbrechens anklagt wird, dass es „bei Militäreinsätzen gegen die Hisbollah im Libanon systematisch bei der Unterscheidung zwischen Kombattanten und Zivilisten versagt hat“. Kenneth Roth, der leitende Direktor von HRW, wird mit seinem Verbalangriff auf Israels „Besorgnis erregende Missachtung des Lebens libanesischer Zivilisten“ zitiert.
HRW gründete den Bericht auf das, was angeblich eine ausführliche Untersuchung inklusive Besuchen in Srifa und drei anderen Ortschaften war und auf „Interviews mit Zeugen und Überlebenden von israelischen Angriffen innerhalb Libanons, auf die Sammlung detaillierter Zeugenaussagen dieser Personen, auf deren sorgfältige Bestätigung, auf die Nachprüfung der Berichte durch Arbeiter internationaler Hilfswerke, durch internationale und lokale Journalisten, medizinisches Personal, lokale Funktionsträger und durch Informationen der israelischen Verteidigungsarmee (IDF)“.
Bezüglich Srifa sagt die „Untersuchung“ von HRW: „Während Besuchen vor Ort in Srifa fand Human Rights Watch keine Beweise dafür, dass in der Gegend, die von der IDF angegriffen wurden, kurz vor den Angriffen oder während der Angriffe Militäraktionen der Hisbollah stattfanden: keine verbrauchte Munition, keine liegen gelassenen Waffen oder Militärausrüstung, keine Schützengräben, keine toten oder verwundeten Kämpfer.“
Der Bericht fügt hinzu: „Internationale und lokale Journalisten, Rettungshelfer und internationale Beobachter lieferten auch keine Beweise, die den Aussagen der Zeugen, die für diesen Bericht befragt wurden, widersprachen.“
HRWs Bericht beinhaltete eine plastische Beschreibung der schlimmen Ergebnisse von israelischen Bombenangriffen in Srifa und konzentrierte sich dabei auf Kinder, die „vor Angst zitterten“, auf „Familienmitglieder […] von Trümmern bedeckt“, auf „verängstigte Bürger“, auf Dorfbewohner in „einem Zustand von Panik“ nachdem sie „durch starke israelische Bombardierungen […] eingeschlossen“ waren.
Zusätzlich zitierte HRW ausgiebig mehrere Dorfbewohner, die nicht nur beteuerten, dass „keine Hisbollah in der Nähe war […] weil wir 40 km entfernt und […] kein strategischer Ort sind“, sondern auch, dass „außer einer Person, die nicht einmal zur Hisbollah gehörte, niemand in der Gegend wusste, wie man Waffen bedient“.
Was geschah zwischen der umfangreichen HRW-„Untersuchung“ und dem Bericht in der Times? Wie wurden aus mehreren Dutzend „Zivilisten“, die nicht einmal wussten, wie man Waffen bedient, rückwirkend Hisbollah- und Amal-Kämpfer?
Ich muss zugeben, dass ich persönlich Srifa nicht besucht habe und auch keine Primärbeweise über die Militärschläge gegen das Dorf gesammelt habe. Die New York Times hat sich in der Vergangenheit geirrt, und es mag sein, dass auch hier die Fakten durch den Nebel, der den Krieg umgab, getrübt sind. Und obwohl ich während des Krieges im Libanon war und gesehen habe, dass zivile Häuser direkt über Hisbollah-Bunkern gebaut waren, und dass Hisbollah-Kämpfer in ziviler Kleidung ohne Waffen von einer Kampfposition zur nächsten gelaufen sind, habe ich keine persönlichen Kenntnisse über Srifa und kann deshalb keine Hisbollah-Stationierung oder –aktivität in diesem Ort bezeugen.
Nichtsdestotrotz ist es einfach unmöglich sich vorzustellen, dass keiner der Toten ein Hisbollah-Kämpfer war, wie HRW schrieb. Auch andere Zeitungen berichten über die Anwesenheit von Hisbollah-Kämpfern in dem Dorf. Am 19. Juli, etwa zwei Wochen vor Veröffentlichung des HRW-Berichtes, berichtete Nasser Nasser von der Nachrichtenagentur AP, dass Hisbollah-Kämpfer in Srifa nach Schutz suchten, als ein israelisches Flugzeug über ihnen erschien.
Selbst der langjährige anti-israelische Propagandist Robert Fisk zitierte am 15. August im Independent einen Bewohner von Srifa, der zugab: „Wir leugnen nicht, dass der Widerstand in Srifa war.“
Ich selbst sollte zugeben, dass ich ein persönliches Interesse an dieser Sache habe. In Erwiderung auf eine frühere Kritik von mir schrieb Kenneth Roth am 31. Juli in der New York Sun, ich hätte die Frechheit besessen, über Human Rights Watchs anti-israelische Voreingenommenheit zu schreiben, dabei einen „Nichts-Böses-sehen“-Ansatz bezüglich der schlimmsten israelischen Missbräuche wie den Angriff auf das Dorf Srifa (10 Häuser zerstört, 42 Zivilisten getötet) angewandt und dadurch „mehr solche Gemetzel unterstützt“.
Doch es scheint offensichtlich, dass es kein Gemetzel in Srifa gab und auch kein israelisches Kriegsverbrechen. HRWs „Untersuchung“ war nichts anderes als eine Schaufensterdekoration für vorherbestimmte anti-israelische Schlussfolgerungen. Und die HRW-Untersuchung zeugt entweder von inkompetenter Professionalität oder von einer kompletten Erfindung.
Die Hisbollah ist eine Terrororganisation. Ihre gesamte Art zu kämpfen – das Zielen mit Raketen auf Zivilisten auf der einen Seite einer internationalen Grenze während man sich auf der anderen Seite dieser Grenze hinter Zivilisten versteckt - basiert auf der Ausübung von Kriegsverbrechen, die unweigerlich zum Tod von Unschuldigen auf beiden Seiten der Grenze führen.
Das Beharren von Human Rights Watch, Israel auf Grund von zweifelhaften oder erfundenen Beweisen auf die Anklagebank zu setzen, erzeugt bestenfalls die unverschämte Situation, in der eine gesetzestreue Armee in gleichem Maße wie eine Organisation von Kriegsverbrechern und Banditen angeklagt wird, und schlimmstenfalls bewirkt es, dass die nach dem Gesetz Handelnden als Banditen und die Kriminellen als unschuldige Opfer betrachtet werden.
Human Rights Watchs voreingenommenes und unprofessionelles Verhalten vermehrt nicht den Respekt für Menschenrechte und internationales Recht. Eher wird beides durch den Kreuzzug dieser Organisation gegen Israel untergraben.
Von Avi Bell, The Jerusalem Post
* Der Autor ist Gastprofessor an der Fordham Law School und Mitglied der juristischen Fakultät der Bar-Ilan-Universität. Er ist außerdem Oberfeldwebel in einer Reserveeinheit der Fallschirmjäger. (jpost.com, 22.8.)
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