Gemeinsamer Forschungsfonds
Deutschland und Israel haben sich auf einen gemeinsamen Fonds zur Forschungsförderung verständigt. Der israelische Vizeregierungschef und Handelsminister Ehud Olmert sagte am Donnerstag in Berlin, ein solcher Fonds für den Bereich der Hochtechnologie könne erhebliche Wirkung entfalten. Es komme dabei nicht auf ein hohes Stiftungsvolumen an. Für den Anfang könne ein geschickt gesteuerter Einsatz von zehn Millionen Euro reichen.
Mit den Vereinigten Staaten unterhält Israel laut Olmert einen entsprechenden Fonds bereits seit 25 Jahren. In dieser Zeit seien nur 125 Millionen Dollar in verschiedene Forschungsfelder investiert worden, die zuvor von einem gemeinsamen Steuerungskomitee festgelegt worden seien. Die dadurch ausgelösten Impulse hätten Israel zu den führenden Ländern der Hochtechnologie vor allem in den Bereichen Informations-, Telekommunikations- und Biotechnologie gemacht.
Weitere solche Fonds unterhält Israel nach den Worten Olmerts mit Großbritannien, Kanada und Südkorea. Zur Errichtung des Fonds mit Deutschland sollen kommende Woche Absichtserklärungen mit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement ausgetauscht werden.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, erklärte, Israel sei mit seinem Engagement in Forschung und Entwicklung Vorbild. Das Land im Nahen Osten gebe 4,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts dafür aus, Deutschland nur 2,5 Prozent. Der europäische Durchschnitt liege sogar bei nur 1,9 Prozent. Mit 140 Ingenieuren auf 10.000 Einwohner liege Israel an der Weltspitze. Konzerne wie Siemens, SAP, DeutscheAerospace, Motorola, IBM, Microsoft und Cisco unterhielten Forschungszentren in Israel, das deutsche Softwareunternehmen SAP alleine mit 500 Mitarbeitern.
Clement erklärte, Israel sei mit 3,7 Milliarden Euro Volumen 2004 der viertgrößte Handelspartner Deutschlands in der Region gewesen. Im ersten Halbjahr 2005 allerdings seien die deutschen Exporte nach Israel um 6,5 Prozent und die israelischen Importe in Deutschland um 1,4 Prozent zurückgegangen. Vor Israel lägen im Handelsvolumen nur die erdöl- und erdgasproduzierenden Länder Saudi Arabien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate. Im Gegensatz dazu sei Israel von der Größe Hessens mit 6,5 Millionen Einwohnern wasser- und rohstoffarm und verfüge nur über eine kleine Volkswirtschaft.
Olmert hält sich aus Anlass des «Wirtschaftstages Israel» und des 40. Jahrestages der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in Berlin auf. Mit Clement rief er am Mittwoch einen deutsch-israelischen Handelsrat ins Leben, der von Wirtschaftsvertretern beider Länder besiegelt wurde. Das neue Forum, das von der Nordafrika-Mittelost-Initiative der Deutschen Wirtschaft und dem Israelischen Wirtschaftsverband getragen wird, soll die bereits jetzt engen und guten Wirtschaftsbeziehungen weiter fördern.
Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:41:01 Uhr.
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