So legt man Terrornetzwerke lahm

Physiker aus Deutschland und Israel

Deutsche und israelische Physiker haben eine Methode entwickelt, wie man effektiv Terror-Netzwerke lahm legen kann. Sie benutzen dabei ein mathematisches Modell für so genannte "skalenfreie Netzwerke".

Armin Bunde vom Institut für Theoretische Physik der Universität Gießen, Schlomo Havlin und Reuven Cohen von der Bar-Ilan Universität in Ramat-Gan sowie zwei Wissenschaftler des Physikalischen Instituts der Universität Thessaloniki haben sich die Frage gestellt: wie viel muss man über ein Netzwerk und seine Knoten wissen, um es zu zerstören? Bezogen auf ein Terror-Netzwerk würde dies heißen: Über wie viel Informationen über ein Terror-Netzwerk muss die Polizei verfügen, um es lahmzulegen?

Wie die Wissenschaftszeitung "Bild der Wissenschaft" berichtet, untersuchten die Physiker dafür so genannte "skalenfreie Netzwerke". Dies sind Netzwerke, die keine typische Anzahl von Verbindungen pro Knoten aufweisen. Ein Beispiel für Netzwerke sind die Menschen mit ihren sozialen Kontakten. Jeder Mensch ist in diesem Netzwerk ein "Knoten", von dem Verbindungen zu anderen Menschen ausgehen. Während ein Busfahrer etwa pro Tag Hunderte von Menschen trifft, bleiben Mönche eher unter sich. "Skalenfrei" heißt ein Netzwerk, wenn es mehr Knoten mit wenigen Verbindungen als Knoten mit vielen Verbindungen gibt.

Die Wissenschaftler aus Deutschland, Israel und Griechenland untersuchten die Robustheit solcher Netzwerke und wie diese von der Anzahl seiner Verbindungen abhängt. In Mafia-artigen oder terroristischen Netzwerken werden die Anführer sehr viel besser geschützt als die gewöhnlichen Mitglieder. Daher können solche Netzwerke sehr leicht lahmgelegt werden, wenn man deren Anführer ausschaltet.

Die Voraussetzung dafür sind exakte Insiderkenntnisse über das jeweilige Netzwerk. Das Ergebnis der Forscher: Kennt man mit einer Trefferquote von nur 20 Prozent etwas über ein Prozent der Knoten mit den meisten Verbindungen (also die Anführer), dann müssen 25 Prozent der Knoten ausgeschaltet werden, um das gesamte Netzwerk lahm zu legen. Kann dieses eine Prozent jedoch mit Sicherheit identifiziert werden, sind es nur noch sieben Prozent der Knoten, die zerstört werden müssen.

Eine andere Anwendung dieses Ergebnisses bezieht sich auf den Ausbruch einer ansteckenden Krankheit: Man muss nicht die gesamte Bevölkerung impfen, sondern kann sich bei entsprechendem Wissen über die Menschen mit den meisten Sozialkontakten auf 25 beziehungsweise sieben Prozent der Bevölkerung beschränken.
© israelnetz.de

Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:41:09 Uhr.

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