Gemeinsames Diskutieren und Zuhören
«ein ganz gewöhnlicher jude» Ben Becker in Charles Lewinskys Zweipersonenstück
Der diesjährige Jom Ijun beschäftigt sich mit dem Thema «Gut und böse/Bilder des Anderen».
Auch dieses Jahr findet wieder ein Jom Ijun statt und bereits zum zweiten Mal in Zürich. Ziel des Lerntages ist es, Leute mit ganz unterschiedlichem Hintergrund und Vorwissen zu gemeinsamem Lernen rund um jüdische Themen zusammenzubringen. Austausch wird grossgeschrieben und entsprechend sind auch die jeweiligen Leitthemen gewählt.
Gut und böse
Letztes Jahr stand der Jom Ijun im Zeichen des Dialogs. Das diesjährige Thema ist «Gut und böse/Bilder des Anderen» und ist gewissermassen eine Fortsetzung des letzten Jahres, wie Mitorganisatorin Miriam Victory Spiegel ausführt: «Wir mussten feststellen, dass Dialog nicht einfach herzustellen ist. Und so geht es dieses Jahr auch darum, was alles Dialog verhindern kann.» Es geht also um die Auseinandersetzung mit dem Gegenüber, mit dem «Anderen», der allzu oft als böse wahrgenommen wird, und auch darum, sich selbst als anderen wahrzunehmen. Das sei ein allgemeines Problem, ob es nun um Israeli und Palästinenser oder um liberale und orthodoxe Gemeinden in der Schweiz ginge, meint Spiegel. Der Eröffnungsvortrag von Monique Eckmann ist für sie deshalb geradezu programmatisch: Unter dem Titel «Von Polarisierung zu Ambivalenz» spricht Monique Eckmann darüber, wie man der Dichotomie wir/andere entkommen kann.
Breites Programm
Ganz im Sinne des grenzüberschreitenden Ansatzes ist das Programm weit gefächert und reicht von klassischen Talmudproblemen über die Frage, inwieweit stereotype Bilder des «Anderen» unsere Wahrnehmung prägen, bis zur aktuellen Nahostpolitik. Michael Goldberger beschäftigt sich beispielsweise mit einem Thema, das regelmässig für hitzige Diskussionen sorgt: Wie steht der Talmud zu Übertritten, also der Aufnahme von «anderen» ins Judentum? Michel Bollag dagegen setzt sich damit auseinander, wie die alljährlich wiederholte Aufforderung, Amalek zu vernichten, zu verstehen ist. Auch die Frage, wie der «andere» in der Literatur dargestellt wird, wird in mehreren Vorträgen und Workshops erörtert. Dabei wird unter anderem Charles Lewinskys Zweipersonenstück «Ein ganz gewöhnlicher Jude» diskutiert, das letztes Jahr mit Ben Becker in der Hauptrolle verfilmt wurde. Martin Dreyfus geht der wenig untersuchten Frage nach, wie denn jüdische Autoren Christen in ihren Texten darstellen. Von grosser Aktualität sind die Workshops von Mario Erdheim und Roni Hammermann, in denen es um Entstehung und Wirkung von Feindbildern geht. Den Schlussvortrag zum Thema «The Others Within Us» hält Dan Bar-On, emeritierter Professor für Psychologie und Co-Direktor des Peace Research Institute in the Middle East. Gleichzeitig findet im Kindertheater PurPur ein Kinderprogramm statt.
Simon Spiegel
Jom Ijun, 18. November, Haus der jüdischen Jugend, Grütlistrasse 68, Zürich. Eine schriftliche Anmeldung per Internet Fax oder Postist obligatorisch.
jns, 21.Oktober 2007
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