Tora-Rolle zurück in Kölner Synagoge
Kölner Synagogengemeinde erhält restaurierte Tora-Rolle zurück
In einer Feierstunde erhält die Kölner Synagogengemeinde am 9. November eine in der Reichspogrom-Nacht schwerbeschädigte Tora-Rolle zurück. Kölns Kardinal Joachim Meisner unterstützte mit Mitteln des Erzbistums die Restaurierung der durch Rauch und Brandspuren angegriffenen Schrift. «Diese Geste der Katholischen Kirche bedeutet sehr viel für uns», sagte Abraham Lehrer, Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde am Montag in Köln.
Einem katholischen Geistlichen sei es zu verdanken, dass die Tora in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 nicht vollständig zerstört wurde. Prälat Gustav Meinertz (1873 - 1959) rettete sie unter Lebensgefahr aus dem brennenden Gebäude und gab sie kurz nach Kriegsende der Jüdischen Gemeinde Köln zurück. Als Motiv für sein Handeln nannte Meinertz später: «Hier wurde nicht nur die Bibel der Juden zerstört, sondern auch die der Christen.»
Wegen ihrer Beschädigungen durfte die 1903 geschriebene Tora allerdings nicht mehr im Gottesdienst verwendet werden und sollte gemäß den religiösen Vorschriften eigentlich auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt werden. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Geschichte wurde das Buch stattdessen über Jahrzehnte in einer historischen Ausstellung der Synagogengemeinde gezeigt.
«Erst seit einigen Jahren ist die Restaurationstechnik so weit, dass eine Aufarbeitung der Rolle möglich wurde», erläuterte Abraham Lehrer. Dazu wurde sie an ein spezialisiertes Institut nach Israel geschickt. Die Kosten der Restaurierung wurden auf etwa 12 000 Euro geschätzt. Sie werden auf Initiative von Kardinal Meisner zum großen Teil vom Erzbistum Köln übernommen. «Allein hätte das die Synagogengemeinde nicht stemmen können», sagte Lehrer. Die Unterstützung des Kardinals unterstreiche das gute Verhältnis zwischen der jüdischen und der katholischen Gemeinde in Köln.
Zu der Feierstunde am 9. November erwartet die Synagogen-Gemeinde neben Meisner die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU). Auch die beiden Oberrabbiner von Israel, Schlomo Moshe Amar und Yona Metzger haben ihre Teilnahme zugesagt. «Der Besuch der Oberrabbiner ist von höchster religiöser und politischer Bedeutung für die jüdische Gemeinde in Deutschland», hob Lehrer hervor. In diesem Jahr werde der 9. November deshalb zum Tag des Gedenkens der Reichspogromnacht und gleichzeitig zum großen Freudenfest.
Denn immer, wenn eine Tora-Rolle in die Synagoge eingeführt wird, sei das ein Anlass für eine ausgelassene Feier, betonte Rabbiner Netanel Teitelbaum und verwies auf die herausragende Bedeutung der Tora für den jüdischen Glauben: «Erst wenn die festlich geschmückte Tora in ein Gebäude gebracht ist, wird dieses Haus zur Synagoge».
Quelle; jns und Agenturen
1. Oktober 2007
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