Angriff auf Rabbiner war antisemitisch motiviert

Phantombilds des Messerstechers

Nach der Messer-Attacke auf einen Rabbiner in Frankfurt am Main tappen die Ermittler bei der Suche nach dem Täter weiter im Dunkeln. Trotz Veröffentlichung eines Phantombilds des Messerstechers gingen bei der Polizei zunächst keine keine Hinweise auf den Mann ein, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Auch die beiden Begleiterinnen des Täters meldeten sich zunächst nicht. Die Frauen gelten als wichtige Zeuginnen in dem Fall. "Wir warten und hoffen, vielleicht gehen ja doch noch Hinweise ein", sagte eine Sprecherin der Behörde.

Der Unbekannte hatte dem 42-jährigen Rabbiner am Freitagabend auf offener Strasse einen Messerstich in den Bauch versetzt. Die Attacke war nach Erkenntnissen der Polizei antisemitisch motiviert. Die Ermittler gehen allerdings davon aus, dass es sich um eine spontane Tat handelte und nicht um einen gezielten Anschlag. Zeugen beschrieben den von den beiden Frauen begleiteten Täter als Südländer, der womöglich arabischer Herkunft sein könnte.

Der Rabbiner war nach der Tat in einem Krankenhaus operiert worden. Lebensgefahr bestand nach Polizeiangaben nicht.
Derweil zeigte sich der Interkulturelle Rat bestürzt über den Anschlag. Der Ratsvorsitzende Jürgen Micksch verwies in Darmstadt darauf, dass sich in den vergangenen Jahren in Deutschland "viele gute Ansätze von Kooperationen mit jüdischen und muslismischen Menschen" entwickelt hätten. "Diese Arbeit darf nun nicht gefährdet werden."

Micksch nannte in diesem Zusammenhang das so genannte "Abrahamische Forum" des Interkulturellen Rates, der für einen Dialog zwischen den Kulturen eintritt. Bei Veranstaltungen des Forums hätten jüdische, christliche und muslimische Experten insbesondere an Schulen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Religionen informiert. "Solche Ansätze sollten als Antwort auf das schreckliche Geschehen in Frankfurt erweitert werden", mahnte Micksch.


Der Berliner Rabbiner Walter Rothschild warnte davor, einen Zusammenhang zwischen der Messer-Attacke und dem Nahostkonflikt herzustellen. Wenn ein Palästinenser, der vielleicht selbst gelitten habe, Israelis hasse, sei das eine Sache, sagte Rothschild im RBB-Sender Radiomultikulti. "Aber wenn ein junger Mann, der in Berlin oder Frankfurt wohnt, sagt ich hasse alle Juden, das hat dann nichts mit Israel und Israelpolitik zu tun. Dann geht es um Juden und deshalb um Antisemitismus", fügte er hinzu.

"Ich warne davor, diese Dynamik zu unterschätzen" Sagte der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Michel Friedman, zu dem Überfall auf einen Rabbiner in Frankfurt. "Wir wissen, dass auch Neonazis in ihrer ideologischen fanatischen Haltung immer mehr auch mit Islamisten zusammenarbeitent, das gilt übrigens auch umgekehrt. Die Grenzen sind fließend geworden. Was sie eint, ist der gemeinsame Feind und der Hass auf Juden und auf den Staat Israel", sagte Friedman.

Er warnte davor, diese Dynamik zu unterschätzen und befürchtet, "dass in den kommenden Monaten und Jahren diese Zusammenarbeit intensiviert wird." " Die Antwort dürfe aber nicht Angst sein: "Gerade die jüdische Gemeinschaft in Frankfurt war immer eine emanzipierte, bewusste jüdische Gemeinschaft, die sich mitten in das Leben der Stadt Frankfurt integriert hat als ein Bestandteil des Ganzen aber mit der Teilidentität des Jüdischen. Das war so, das ist so und das wird auch so bleiben. Angst wird uns nicht verändern."


Quelle: jns und Agenturen
10. September 2007

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