PA-Terroristen entführen mehrere Ausländer
Nach dem gewaltsamen Eindringen der israelischen Armee in das Gefängnis von Jericho haben radikale Palästinenser aus Protest mehrere Ausländer entführt und zwei britische Kulturzentren gestürmt. Soldaten drangen nach israelischen Angaben in das Gefängnis im Westjordanland ein, um den wegen Mordes an einem israelischen Minister verurteilten Extremistenchef Ahmed Saadat festzunehmen. Den Einsatz habe Übergangsregierungschef Ehud Olmert angeordnet. Bei einer Schießerei wurden zwei Palästinenser getötet.
Nur wenige Minuten nach dem Abzug von britischen Beobachtern aus dem Gefängnis umstellten die israelischen Truppen die Anlage mit Panzern und Dutzenden Geländewagen. Bei anschließenden Schusswechseln wurden nach palästinensischen Angaben zwei Sicherheitsmänner getötet und 23 weitere verletzt. Per Lautsprecher wurde der Chef der radikalen Organisation Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), Saadat, aufgerufen, sich zu ergeben.
Saadat und vier weitere PFLP-Mitglieder sitzen wegen des Mordes an dem israelischen Tourismusminister Rechavam Seevi im Oktober 2001 ein. Seit 2002 sind sie dort unter US-britischer Aufsicht. Laut dem israelischen Rundfunk hatte es Informationen gegeben, wonach Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Saadat freilassen wollte. Ein Militärsprecher sprach von 180 Festnahmen, darunter sei keiner der Gesuchten. Großbritannien verteidigte den Abzug der britischen Wächter aus dem Gefängnis. Dieser sei aus Sorge um ihre Sicherheit erfolgt, erklärte Außenminister Jack Straw.
Nach dem Militäreinsatz entführten bewaffnete Unbekannte den örtlichen Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) im südlichen Gazastreifen. Der Schweizer wurde nach IKRK-Angaben aus seinem Büro in Chan Junis verschleppt. Aus der US-Arabischen Universität in Dschenin wurde ein US-Lehrer entführt. Bewaffnete Anhänger der PFLP entführten zudem zwei französische Mitarbeiterinnen von Ärzte der Welt (Médecins du Monde) im Gazastreifen, wie die Organisation in Paris bestätigte.
Aus einem Hotel in Gaza verschleppten Bewaffnete vier Menschen, darunter drei Ausländer, wie ein AFP-Reporter berichtete. Laut Zeugen handelte es sich um zwei koreanische Journalisten und ihren Dolmetscher.
Hunderte Palästinenser stürmten das britische Kulturzentrum in Gaza und steckten das Gebäude in Brand. Auch in Ramallah nahmen Demonstranten das dortige britische Kulturzentrum ein.
Reisewarnung für Palästinensergebiete
Nach der Entführung mehrerer Ausländer und der Stürmung von zwei britischen Kulturzentren in den Palästinensergebieten hat Großbritannien seine Bürger vor Reisen in die Region gewarnt. Wegen "ersthafter Bedrohungen" gegen britische und US-Bürger werde von Reisen in die Palästinensergebiete abgeraten, sagte eine Konsulatssprecherin am Dienstag. Zudem stürmten hunderte Palästinenser das britische Kulturzentrum in Gaza und steckten das Gebäude in Brand. Auch in Ramallah im Westjordanland nahmen Demonstranten das dortige britische Kulturzentrum ein; ein Brandsatz wurde von Sicherheitskräften gelöscht.
Chaos nach israelischem Sturm auf Gefängnis
Die Gewalt im Nahen Osten ist am Dienstag nach einem israelischen Militäreinsatz gegen das palästinensische Gefängnis in Jericho dramatisch eskaliert.
Aus Protest gegen den Einsatz der Armee und einen Abzug internationaler Beobachter aus der Haftanstalt verschleppten militante Palästinenser mindestens neun Ausländer und attackierten europäische Büros im Gazastreifen. Israelische Soldaten wollten in Jericho den inhaftierten Palästinenserführer Ahmed Saadat und weitere Männer wegen des Mordes an dem israelischen Tourismusministers Rechwam Seewi im Jahr 2001 festnehmen, wie die israelische Armee mitteilte.
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, verurteilte die israelische Militäraktion scharf. Gleichzeitig erhob er schwere Vorwürfe gegen die USA und Großbritannien. «Der Abzug der internationalen Beobachter vor der Operation wirft die Frage auf, ob da nicht vorab eine Abstimmung zur Vorbereitung dieser Aggression stattgefunden hat», erklärte Mussa in Kairo. Der neue palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija rief die Armee auf, den Einsatz zu beenden.
Unterdessen begann im besetzten Westjordanland mit Bauarbeiten für ein international umstrittenes Siedlungsprojekt. Um Jerusalem mit der jüdischen Siedlung Maale Adumim zu verbinden, werde in einem ersten Schritt eine Polizeistation errichtet, berichteten israelische Medien. Das Projekt war kritisiert worden, weil es eine Landverbindung zwischen dem Süden und Norden des Westjordanlandes, das von den Palästinensern für einen künftigen Staat beansprucht wird, unterbricht.
Die israelische Regierung beabsichtigt, dort in den kommenden Jahren 3500 Wohnungen zu bauen. Die «Jerusalem Post» berichtete, das Polizeihauptquartier sei nun als Einzelprojekt ausgegliedert worden, weil es als Sicherheitsmaßnahme ohne scharfe internationale Kritik verfolgt werden könne. «Dies wird nicht als Siedlungsbau bewertet. Deswegen gehen wir davon aus, dass die USA nicht dagegen sind», zitierte die Zeitung einen israelischen Diplomaten.
Schießbefehl zum Schutz von Ausländern
Palästinensische Polizisten können künftig zum Schutz von ausländischen Einrichtungen die Schusswaffe einsetzen. Der Schießbefehl sei am Dienstag erteilt worden, teilte der Sprecher des palästinensischen Innenministeriums, Taufic Abu Chussa, in Gaza mit. Geschossen werden solle bei Angriffen auf öffentliche Einrichtungen, Büros internationaler Organisationen, diplomatische Vertretungen sowie bei Attacken gegen die Polizei und Gebäude der Sicherheitskräfte.
Video:
Palästinenser stürmen EU-Vertretung in Gaza
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