Iran verhängt Boykott
Wegen Mohammed-Karikaturen
Der Iran hat einen Wirtschaftsboykott aller Länder angeordnet, in denen die umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht wurden. Auch deutsche Zeitungen hatten die Bilder veröffentlicht. In Gaza stürmten Demonstranten die deutsche Vertretung und verbrannten eine deutsche Flagge. In Damaskus setzten Demonstranten die dänische Botschaft in Brand. Die UNO und der Vatikan riefen die islamische Welt auf, die Entschuldigung der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" anzunehmen.
Die Wirtschaftsverträge mit den Ländern, in denen die Zeichnungen erschienen sind, müssten annulliert werden, sagte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Die Veröffentlichtung der Karikaturen in westlichen Medien zeige den Hass auf den Islam und die Moslems, den die in diesen Ländern regierenden "Zionisten" hegten.
Die Abbildungen des Propheten Mohammed waren bereits im September zuerst in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" erschienen. Mindestens ein Dutzend europäische Zeitungen druckten die Karikaturen nach, darunter Blätter in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und der Schweiz. In den vergangenen Tagen war es zu Massenprotesten in der islamischen Welt gekommen.
Auch am Samstag kam es zu gewaltsamen Protesten. In Gaza stürmten Demonstranten das Gelände der deutschen Vertretung im Gazastreifen. Jugendliche Demonstranten griffen auch die Vertretung der Europäischen Union an. Das Auswärtige Amt verurteilte den Angriff.
In der syrischen Hauptstadt Damaskus drangen Demonstranten in die dänische Botschaft ein und legten Feuer. Mehrere dutzend Demonstranten hätten das Gebäude gestürmt und dann in Brand gesetzt.
In Nazareth, Hebron und anderen Städten demonstrierten tausende Palästinenser. In London demonstrierten rund 400 Menschen vor der dänischen Botschaft. In Dänemark gingen rechtsgerichtete Demonstranten auf die Straße, um gegen die "Schändung" der dänischen Flagge zu protestieren. In den vergangenen Tagen waren zahlreiche dänische Fahnen in der islamischen Welt verbrannt worden.
UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte in New York, er teile zwar die Gefühle der Moslems, die die Bilder als verletzend empfänden, dennoch rufe er zur Vergebung auf. Es sei wichtig, dass "Jyllands-Posten" sich entschuldigt habe. Der Vatikan erklärte, die Proteste in der islamischen Welt seien "bedauerlich" und rief zu gegenseitigem Respekt auf. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sagte, Toleranz und Respekt seien ebenso wichtig wie Meinungsfreiheit.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte auf der Münchner Sicherheitskonferenz, sowohl Presse- als auch Religionsfreiheit seien hohe Güter.
Jordanische Zeitung veröffentlichte Karikaturen
Die Empörung über die Muhammad-Karikaturen in der arabischen Öffentlichkeit geht weiter und dominierte heute auch die Presse. Dabei dürfte kaum jemand in der Region die Bilder bisher zu Gesicht bekommen haben. Vor diesem Hintergrund unternahm die Redaktion der jordanischen Wochenzeitung Shihan in ihrer gestrigen Ausgabe einen bemerkenswerten Schritt und veröffentlichte einige der in der arabischen Welt weitgehend einhellig als beleidigend und als Angriff auf den Islam und die Muslime interpretierten Bilder.
Darauf hin schritten die Herausgeber der Zeitung, die Firma Taba´un Al-Arab, ein. Sie legten die Website ihrer eigenen Zeitung still – nur die folgende Presserklärung erschien auf der deren Startseite:
„Presseerklärung“
„Die Herausgeber der Wochenzeitung Shihan wurden am heutigen Donnerstag überrascht vom Nachdruck der schändlichen Karikaturen des Propheten Muhammad und verurteilen in aller Schärfe dieses unverantwortliche Verhalten seitens der Redaktion.
Es wurde beschlossen:
- alle Ausgaben der Zeitschrift vom Markt zu nehmen;
- eine Untersuchung darüber einzuleiten, wer im Verlag für dieses schändliche Verhalten verantwortlich ist. Die Firma wird strenge Maßnahmen gegen jeden ergreifen, der mit dieser Tat in Verbindung steht.
- Der Vorstandsvorsitzende des Verlags Taba´un Al-Arab beschloss, den Chefredakteur ab dem 2.2.2006 von seinen Aufgaben zu entbinden [...].
Die Taba´un Al-Arab bekräftigen noch einmal ihre scharfe Verurteilung dieses unverantwortlichen und schändlichen Verhaltens seitens der Redaktion.“ (http://www.shihanweekly.com/)
Mittlerweile hat sowohl die jordanische Regierung als auch der jordanische Journalistenverband die Aktion der Shihan-Redaktion scharf verurteilt. Sie forderten, dass sich die Zeitung für ihren „schweren Fehler“ entschuldigt und kündigten rechtliche Schritte an, weil die Veröffentlichung der Bilder gegen die jordanischen Pressegesetze verstießen und nicht unter die Meinungsfreiheit fielen. Ausdrücklich lobte der Journalistenverband das Einschreiten der Verleger und forderte alle offiziellen Stellen der arabischen Staaten auf, sich entschieden gegen diesen „Angriff des Auslands auf das Symbol des Islams“ einzusetzen.
Erklärung des Chefredakteurs
In einer Erklärung distanzierte sich jetzt auch der Chefredakteur von Shihan, Jihad Momani, von der Veröffentlichung der Karikaturen durch seine Zeitung:
„Im Namen Gottes. Oh Gott, tadele uns nicht dafür, was wir vergessen haben und für die Fehler, die wir begangen haben [.... ]. Erbarme dich unser und gib uns Kraft, die Ungläubigen zu besiegen [1].
Ich erkläre hier vor allen Menschen mein größtes Bedauern und mein tiefes Schuldgefühl angesichts des schweren Fehlers, den wir ohne es zu wollen gemacht haben. Wir begingen diesen Fehler in dem Eifer, unseren Glauben und unseren Propheten zu verteidigen. Der Abdruck [der Bilder] erfolgte in dem Bemühen, das Ausmaß der Beleidigung deutlich zu machen, mit der die unsägliche dänische Zeitung unser aller Gefühle verletzt hat. Zur Dokumentation haben wir einige Zeichnungen abgedruckt, die lediglich einen Bericht auf der selben Seite [der Zeitung] stützen sollten, der sich mit den zornigen Reaktionen auf diese Zeitung und auf die Welle der Islamfeindschaft beschäftigte. Unser Bericht machte ganz deutlich, dass wir mit im Schützengraben zur Verteidigung unseres wahren Glaubens und des Propheten Muhammad [...] liegen.
Ich erkläre hiermit meine und unsere Entschuldigung dafür, dass wir [die Zeichnungen] veröffentlicht haben und gestehe den Fehler ein, den wir bei unseren Bemühungen gemacht haben. Wir bitten vor allem Gott inständig um Vergebung, und bitten all jene um Nachsicht, die uns als entschiedene Verteidiger der Sache der arabischen und islamischen Gemeinschaft kennen. Wir hoffen, dass sie unsere Entschuldigung und unser stärkstes Bedauern annehmen können.
Wir bitten Gott, dass er uns das Richtige tun lässt und uns nicht für unsere Fehler tadelt, denn Gott ist ein barmherziger Vergeber.“
[1] Formelhafte Bittgebete als Anrufung Gottes, die üblicherweise zum Abschluss der Predigt vor dem rituellen Freitagsgebet gesprochen werden.
Quelle: Agenturen, Memri
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