Iran fordert Verlegung Israels nach Europa

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat den Staat Israel mit einem "Krebsgeschwür" verglichen und seine Verlegung nach Europa gefordert: Deutschland und Österreich sollten "eine, zwei oder egal wieviele ihrer Provinzen" abgeben, damit dort ein jüdischer Staat entstehen könne, sagte Ahmadinedschad im iranischen Fernsehsender El Alam. Damit werde das Problem des Nahost-Konflikts "an der Wurzel gepackt". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wies die Äußerungen scharf zurück.

Ahmadinedschad stellte einen Zusammenhang zwischen der europäischen Unterstützung des Staates Israel und dem Holocaust her. Er fragte, warum die Palästinenser für die Verfolgung und Ermordung der Juden im Zweiten Weltkrieg "den Preis zahlen" sollten. Die Juden seien in Europa "unterdrückt" worden, daher müsse ihnen "ein Teil Europas" gegeben werden, damit sie dort ihren Staat einrichten könnten.

Der Staat Israel sei wie ein "Tumor", der im Nahen Osten fortwährend für "Spannung und Konflikt" sorge, sagte Ahmadinedschad. Die Politik der europäischen Staaten sei vom Schuldbewusstsein wegen des Holocaust geprägt. Daher werde die "Besatzung" Jerusalems "unterstützt". Jerusalem ist eine der heiligen Städte des Islam. Wenn die Ermordung von sechs Millionen Juden in Europa in Frage gestellt werde, werde darauf mit harten Strafen reagiert, sagte der iranische Präsident. Der Holocaust wird in iranischen Medien häufig in Frage gestellt.

Steinmeier sagte am Rande des NATO-Rats in Brüssel, durch die jüngsten Äußerungen von Ahmadinedschad würden die Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm "nicht einfacher". Wenn der iranische Staatschef derartige Lösungsvorschläge für das Nahost-Problem mache, dann zeige dies, "mit wie wenig Ernsthaftigkeit oder mit wieviel Zynismus die dortige Situation von der iranischen Regierung gegenwärtig beurteilt wird". Er gehe davon aus, dass Teheran wisse, "dass die Geduld der internationalen Staatengemeinschaft nicht mehr sehr dauerhaft ist", sagte Steinmeier mit Blick auf die Atomverhandlungen.
Im Oktober hatte Ahmadinedschad mit der Forderung Empörung ausgelöst, Israel "von der Landkarte zu tilgen". Der UN-Sicherheitsrat hatte die Äußerungen verurteilt.

Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:59:09 Uhr.

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