Waffenruhe in Nahost vorbei
Nach einer Serie palästinensischer Angriffe aus dem Gazastreifen hat Israel am Freitag sieben Mitglieder der radikal-islamischen Hamas-Bewegung mit Hubschrauberangriffen gezielt getötet. Eine israelische Armeesprecherin bestätigte, die Luftwaffe habe bei zwei getrennten Angriffen Raketen auf ein Auto in Salfit sowie ein Fahrzeug in der Stadt Gaza abgefeuert.
Bei beiden Angriffen wurden nach Angaben von Hamas jeweils drei seiner Mitglieder sofort getötet. Ein weiteres Mitglied starb später an seinen Verletzungen. Damit nahm Israel die Liquidierungen militanter Palästinenser, deren Stopp beide Seiten im Februar bei dem Friedensgipfel von Scharm el Scheich im Rahmen einer Waffenruhe vereinbart hatten, wieder auf.
Hamas gegen PA-Polizei
Zur gleichen Zeit verbrannten Hamas-Terroristen in Gaza einen palästinensischen Polizeiwagen. Dabei kam es zu Ausschreitungen zwischen Hamas-Terroristen und palästinensischen Sicherheitskräften, wodurch 3 Palästinenser von ihren eigenen Leuten getötet und 30 verwundet wurden. Autonomiechef Abbas warnte vor einem Bürgerkrieg und will hart gegen die Hamas und andere Terroristen vorgehen.
Beschuss Israels am Schabbat
Am Schabbat schossen Palästinenser auf die jüdischen Siedlungen im Gazastreifen über 100 Kassam-Raketen und Mörsergranaten. Dadurch wurden Wohnungen beschädigt und drei Israelis verletzt. Ehe Israel jedoch militärisch dagegen einschreiten will, will Ministerpräsident Scharon der palästinensischen Autonomieregierung noch eine letzte Chance geben, im Gazastreifen für Ruhe und Ordnung zu sorgen, denn es scheint absurd, dass wenige Tage vor Israels Räumung des Gazastreifens die Palästinenser so aggressiv sind. Viele Israelis fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass die Terroristen Israels Abzug aus dem Gazastreifen verhindern wollen, weil ihnen dadurch die Begründung für ihren zukünftigen Terror gegen Israel genommen wird.
Einen Tag nach den israelischen Luftangriffen im Gazastreifen und im Westjordanland haben palästinensische Extremisten Raketen auf israelisches Territorium abgefeuert. Bei dem Einschlag der beiden Sprengkörper in der südisraelischen Stadt Sderot am Samstagmorgen entstand leichter Sachschaden, wie das Militär mitteilte. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen. Die Raketen seien im Gazastreifen abgefeuert worden.
Israelischer Vizeminister droht mit Bodenoffensive
Der israelische Vizeverteidigungsminister Seev Boim hat den Palästinensern mit einer unmittelbar bevorstehenden Bodenoffensive gedroht. Sollte der Beschuss israelischen Staatsgebiets mit Raketen von palästinensischem Territorium nicht sofort aufhören, werde Israel "in den nächsten Stunden" eine Bodenoffensive einleiten, sagte Boim am Sonntagmorgen im Rundfunk. "Wir sehen einer Operation großen Ausmaßes entgegen. Die Streitkräfte sind bereit, und die Operationspläne sind fertig." Der Vizeminister fügte hinzu, Israel könne "diesen Regen von Raketen nicht tolerieren".
Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas hat die Armee angesichts der jüngsten Eskalation der Gewalt zu Vorbereitungen auf eine mögliche Offensive im Gazastreifen angewiesen. Israelische Medien berichteten am Freitag, Mofas habe die Anweisung bei einem Dringlichkeitstreffen mit ranghohen Militärs und Sicherheitsexperten gegeben.
Gleichzeitig hieß, die Armee müsse noch auf einen endgültigen Einsatzbefehl warten. Mofas wolle der Palästinensischen Autonomiebehörde noch Gelegenheit zum energischen Vorgehen gegen die militanten Organisationen geben. Palästinensische Extremisten hatten in den vergangenen Tagen Dutzende von Kleinraketen und Mörsergranaten auf israelische Ziele im Gazastreifen und im israelischen Grenzgebiet abgefeuert.
Scharon: Freie Hand gegen Angriffe aus Gaza
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat dem Militär erneut freie Hand für Einsätze gegen militante Palästinenser im Gazastreifen gegeben. Man sei sehr an einer diplomatischen Lösung interessiert. Es sei aber völlig klar, dass dies unmöglich ist, solange es diesen Terrorismus gebe, sagte Scharon in Jerusalem bei einer Kabinettssitzung. Er habe im Gespräch mit Armeevertretern bekräftigt, "dass es keine Beschränkungen gibt bei Operationen, die Angriffe auf israelische Städte beenden", sagte Scharon am Sonntag vor Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung. "Wir werden die Fortführung der Angriffe gegen unsere Ortschaften inner- oder außerhalb des Gazastreifens unter keinen Umständen dulden." Auch bei der gezielten Tötung palästinensischer Extremisten durch die Armee gebe es "keine Begrenzung", sagte Scharon.
Militärschlag laut PA vorerst abgewendet
Die Palästinenserführung hat nach eigenen Angaben einen angedrohten israelischen Militärschlag im Gazastreifen vorerst abgewendet. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, es habe Verhandlungen und diplomatische Kontakte gegeben. Israel werde danach «im Prinzip» auf einen aggressiven Militäreinsatz verzichten. Noch heute werde eine ägyptische Delegation eine Vermittlungsmission beginnen. Die radikalislamische Hamas-Organisation solle davon abgehalten werden, weiter Raketen auf Ziele in Israel abzufeuern.
Legitimes Recht Israels
UN-Generalsekreträr Kofi Annan hat Israelis und Palästinenser zu einem Ende der Gewalt aufgerufen. Die Tötung von israelischen Zivilisten sei "schockierend und verurteilungswürdig", erklärte Annan am Samstag in New York. Die Aktionen müssten "dringend aufhören." Israel seinerseits habe ein "legitimes Recht zur Selbstverteidigung". Es bestehe weiter ein Schimmer der Hoffnung, dass zwei Staaten Seite an Seite existieren könnten. Alle, die an eine Verhandlungslösung glaubten, müssten deshalb ihren Blick weiter auf dieses Ziel richten.
Angesichts der neuen Eskalation der Gewalt kommt US- Außenministerin Condoleezza Rice Ende der kommenden Woche in die Region. Sie will beide Seiten zur Mäßigung aufrufen.Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia drängt inzwischen auf eine Einhaltung der Waffenruhe. Aus der Hamas hieß es, man sei ungeachtet der neuen Gewalt an einer Rückkehr zur Waffenruhe mit Israel interessiert.
Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:59:33 Uhr.
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