Israelisch-arabischer Internetdialog

„Eine Botschaft vom libyschen Nachrichtendienst, bitte lesen“, lautete ein E-Mail, welche von 20 Libyern unterzeichnet wurde. „Wir sind libysche Armeeoffiziere, die eine Kooperation mit Israels Verteidigungsministerium suchen. Wir sind zu diesem Schritt bereit und hoffen auf eine schnelle Rückmeldung, da wir uns als Kollaborateure in Gefahr bringen. Wir wollen Freiheit für das libysche Volk und warten dringend auf eure E-Mail.“

Dies ist nicht die einzige E-Mail, die die arabische Webseite des israelischen Außenministeriums www.altawasul.net aus arabischen Ländern erhält.

Ein Internetsurfer aus dem Jemen fragte in seiner nach Jerusalem verschickten E-Mail nach präzisen Konvertierungsmöglichkeiten und ob auch er selbst konvertieren könne.

Ein Palästinenser beschwerte sich in seiner E-Mail über einen drusischen Soldaten in Israels Armee, der ihn an einem Checkposten beschimpfte. Aus Marokko kondolierte ein Surfer per Digitalbrief israelischen Familien, die durch palästinensische Terroranschläge betroffen sind. Ein Algerier wiederum suchte per elektronischer Post nach einer israelischen Frau und ein Libanese rief die amerikanische Armee auf, die Hisbollah aus dem Libanon zu verjagen. Aus Mossul im Irak fragte ein Bürger, wann Israel endlich seine Botschaft im Irak eröffnen würde.

All diese E-Mails wurden in den vergangenen Wochen an Israels arabische Webseite geschickt, die übersetzt den Namen Interaktiv innehat und in diesem Jahr eingerichtet wurde. Der arabischen Bevölkerung im Nahen Osten werden mithilfe dieser Webseite mehr Informationen über die Regierung und das Leben in Israel nahe gebracht, ohne dabei von der arabischen Presse zensiert zu werden. Darüber hinaus wird ihnen zum ersten Mal aus erster Hand die Geschichte Israels vorgestellt und mehr über Israels Wirtschaft, Akademien und soziales Leben in arabischer Sprache übermittelt. Die Idee dazu hatte der ehemalige Sprecher der israelischen Botschaft in Amman, Amir Weissbrod. „Die arabische Bevölkerung hat einfach falsche Vorstellungen von Israel und solch eine Webseite kann vielen Arabern die Augen öffnen“, erklärte er. Weissbrod erinnert sich noch ganz deutlich daran, wie bereits in den ersten Tagen Araber auf Israels arabische Webseite reagierten. „Aus Ägypten suchte jemand per E-Mail eine Musikkassette des israelischen Sängers Dudu Yasmin und ein anderer Ägypter bat den israelischen Außenminister Silvan Schalom per elektronischer Post, Israels arabische Radiofrequenzen im Nahen Osten zu verstärken, denn in den letzten zwei Jahren sei der Empfang schlechter geworden. Israels arabische Radiosendungen werden in der arabischen Welt geschätzt.“ Aber auch in Israels arabische Webseite klicken sich nun täglich Hunderte arabische Internetsurfer ein.

„Die arabische Bevölkerung dürstet nach Informationen aus Israel“, sagte der Webmaster Dov Lior. „Wir bieten einen Dialog mit arabischen Bürgern, mit normalen Menschen und nicht mit arabischen Administrationen. Darüber hinaus bleibt auch alles relativ diskret.“ Ferner erzählte Lior von ägyptischen Bürgern, die E-Mails schickten, da sie sich nicht in die israelische Botschaft in Kairo trauten. „Am nächsten Tag werden sie dann nämlich vom ägyptischen Sicherheitsdienst verhört. Mit unserer arabischen Webseite können sie die Infos direkt von uns bekommen.“

Aus Marokko versuchte ein Christ beispielsweise per Computer Israelis kennenzulernen und auch aus Hamburg schickte ein moslemischer Journalist eine E-Mail nach Jerusalem. „Ich glaube meine Großmutter war Jüdin, denn ihr Name war Samiha Hano, Tochter einer der bekanntesten Familien in Basra. Meine Großmutter ist während des Golfkrieges 1991 in meinen Armen gestorben. Ihre letzten Worte waren: ´Suche nach meinen Schwestern und Brüdern`. Bitte helft mir, Informationen über meine Familie zu bekommen.“

Auch wenn es auf der politischen Bühne zu keinem Dialog zwischen Israel und den arabischen Nachbarn kommt, so floriert doch ein Dialog zischen Juden und Arabern im Internet. Das fehlende Element der Angst gibt Arabern die Freiheit, mit ihren israelischen Nachbarn per E-Mail zu kommunizieren.

zum Seitenanfang

Weitere Berichte:

zum Seitenanfang
Druckbare Version
Israel und PA warnen vor Terrorzellen
Israels Haltung zu den Wahlen in der PA