600 Millionen Dollar
Von Arafats Konto an PA überwiesen
Jasser Arafats Finanzberater, Muhammad Raschid, hat offenbar rund 600 Millionen Dollar an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) überwiesen. Dies teilte der Vorsitzende der Fatah-Partei, Faruk Kadumi, am Donnerstag bei einem Kongress in der jordanischen Hauptstadt Amman mit.
Nach Arafats Tod habe der palästinensische Finanzminister Salam Fajjad das Geld von einem Konto des früheren PLO-Chefs erhalten, so Kadumi. Wie die libanesische Zeitung "Al-Mustakbal" berichtet, kündigte der Fatah-Vorsitzende eine weitere Zahlung an, deren Höhe noch nicht feststehe. An dem Kongress nahmen etwa 80 Mitglieder des palästinensischen Nationalrates sowie jordanische Persönlichkeiten teil.
Kadumi warf auch die Frage nach der Ursache für Arafats Tod wieder auf. Er erklärte, warum seiner Ansicht nach die Palästinenser nicht mehr offen den Verdacht aussprechen, Israel habe den ehemaligen PA-Vorsitzenden vergiftet: "Die palästinensischen Führer reden nicht über Arafats Vergiftung, weil sie Drohungen von israelischer Seite ausgesetzt sind", sagte Kadumi. "Einem palästinensischen Führer, der über Arafats Vergiftung sprach, wurde von den Israelis gedroht."
Kurz vor dem Tod des PLO-Chefs habe er versucht, internationalen Druck auf Israel auszuüben. Dies sei jedoch vergeblich gewesen. "Ich habe mit mehreren arabischen Führern telefoniert und sie gebeten, sich an die USA zu wenden", berichtete Kadumi. "Diese sollten Israel auffordern, das Gegengift herzugeben, das für Arafats Heilung von der Vergiftung nötig war. Aber sie haben mir geantwortet: 'Wir können nichts tun, weil die USA unserer Bitte nicht entsprechen werden'."
Der Fatah-Vorsitzende fügte hinzu: "Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass das Gift in den Medikamenten verborgen war, die Arafat einnahm, oder in den Speisen, die er aß."
Die für den 9. Januar geplanten PA-Wahlen erwähnte Kadumi nur am Rande. Er kritisierte Marwan Barghuti, weil er sich neben PLO-Chef Mahmud Abbas für den PA-Vorsitz beworben hat. "Barghuti hat nicht das Recht, für die Präsidentschaft zu kandidieren, so wie er nicht das Recht hat, Bedingungen für den Rückzug seiner Kandidatur zu stellen", kommentierte Kadumi das Verhalten des Fatah-Chefs im Westjordanland, der wegen mehrfachen Mordes in einem israelischen Gefängnis inhaftiert ist. "Jeder, der sich aus der Vereinbarung der Fatah-Bewegung herauslöst, wird als unabhängiger Kandidat angesehen."
Nobelpreis-Juror: Arafat unwürdiger Preisträger
Der verstorbene Palästinenserführer Jasser Arafat hat den Nobelpreis zu Unrecht erhalten - diese Meinung bekräftigte am Donnerstag das ehemalige Mitglied des norwegischen Nobelpreis-Komitees, Kaare Kristiansen. Heute vor zehn Jahren erhielt Arafat zusammen mit Jitzhak Rabin und Schimon Peres in Oslo den Friedensnobelpreis in Oslo.
Die anderen Mitglieder des Komitees sind nach wie vor der Meinung, damals die richtige Wahl getroffen zu haben. Auf Anfrage der Tageszeitung "Jerusalem Post" erklärten sie, das Attentat auf Jitzhak Rabin sei der wesentliche Grund für das Ende des Oslo-Friedensprozesses gewesen, und nicht der Terrorismus.
Am Vorabend der diesjährigen Verleihung des Friedensnobelpreises erklärten dies vier der fünf norwegischen Mitglieder des Komitees, einschließlich des Vorsitzenden und seines Stellvertreters. Das fünfte Mitglied war nicht erreichbar, doch sind von ihm keine kritischen Äußerungen gegenüber Arafat bekannt; zudem hatte es sich vor kurzem enttäuscht darüber gezeigt, dass Peres nach 1994 die Politik von Scharon unterstützt habe.
Traditionell wird der Nobelpreis am 10. Dezember verliehen, am Todestag von Alfred Nobel, dem Stifter des Preises.
Kaare Kristiansen, der damals aus dem Komitee ausgetreten war, um gegen die Entscheidung zu protestieren, Arafat mit dem Preis zu ehren, sagte: "Ich bin mehr als je zuvor davon überzeugt, dass ich das Richtige getan habe". Im Hinblick auf seine ehemaligen Kollegen fügte er hinzu: "In ihren Herzen wissen sie, dass sie es nicht taten".
Das Komitee habe zudem gegen die Regeln verstoßen, da Alfred Nobel festgelegt habe, dass die Entscheidung über die Preisträger einstimmig sein müsse. Der Sekretär des Komitees, Geir Lundestad, dementierte dies, und betonte, kein Mitglied habe ein Veto-Recht.
Kristiansen sagte weiter, ursprünglich habe das Komitee Peres nicht als Preisträger vorgesehen. "Während des Prozesses war klar, dass Rabin und Arafat die erste Wahl waren". Doch sei dann die Überlegung aufgekommen, auch die "Techniker" hinter dem Oslo-Prozess ehren zu wollen. Kristiansen, der an allen Sitzungen außer der letzten teilnahm, sagte: "Die Komitee-Mitglieder von der norwegischen Arbeitspartei beharrten darauf, das Peres die Hauptperson der Oslo-Verhandlungen war".
Vertraute von Peres bezeichneten die Ansichten von Kristiansen als "lächerlich". Ihrer Meinung nach sollte Peres zunächst allein den Preis erhalten, doch später wurden Rabin und Arafat hinzugefügt.
Kaare Kristiansen hat bereits mehrfach gegen die Verleihung des Nobelpreises an Arafat protestiert. "Die Entwicklungen nach 1994 lassen keine Zweifel daran, daß Arafat den Preis nicht verdient hat", so Kristiansen vor drei Jahren. Er habe weder etwas zum Frieden beigetragen, noch irgendetwas anderes getan, was den Preis rechtfertigt.
Hamas: "Anschläge gehen weiter"
Die radikal-islamische Hamas zieht im Augenblick keine Feuerpause in Betracht. Die Anschläge gegen Israelis würden fortgesetzt, sagte der stellvertretende politische Führer der Terrorgruppe, Mussa Abu Marsuk, am Donnerstagabend in Damaskus gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Vor einigen Tagen hatte sich der politische Hamas-Führer, Chaled Maschal, in der syrischen Hauptstadt mit dem PLO-Chef Mahmud Abbas (Abu Masen) getroffen. Auch nach diesem Gespräch will die Hamas die palästinensischen Wahlen am 9. Januar boykottieren. Dies könne sich nur ändern, wenn es im Zusammenhang mit den Wahlen keine Abmachung zwischen Israel und den Palästinensern gebe.
"Wir warten auf praktische Schritte, um optimistisch sein zu können", so Abu Marsuk. "Wir haben Abu Masen unsere Forderungen vorgestellt, und je mehr er sich unseren Standpunkten annähert, umso besser. Mit einem Dialog kann man alles erreichen."
Bezüglich der Gründung eines palästinensischen Staates sagte Abu Marsuk: "Es ist das Recht des palästinensischen Volkes, einen Staat im Westjordanland, im Gazastreifen und in Jerusalem zu haben." Die Hamas werde es nicht akzeptieren, wenn im Gegenzug zur Staatsgründung palästinensische Rechte aufgegeben würden. Die Terrorgruppe strebt generell einen Palästinenserstaat auf dem gesamten israelischen und palästinensischen Gebiet an - "vom Meer bis zum Fluss".
Abu Marsuk warnte davor, dass kein Israeli sicher sein werde, bis die israelische Regierung nachgebe. "Ihr habt alle Methoden ausprobiert, von denen ihr dachtet und immer noch denkt, dass sie euch Sicherheit und Frieden bringen würden, aber ihr seit gescheitert", wandte sich der Terrorführer an die Israelis. Es gebe keine andere Möglichkeit für Frieden, als dass Israel dem palästinensischen Volk sein Heimatland und die Al-Aksa-Moschee anerkenne.
Die Hamas werde weiter Anschläge in Israel, im Westjordanland und im Gazastreifen verüben. Die Welt müsse ihr Recht auf Widerstand achten.
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