Arafat, seine Großmutter & Jerusalem

Auf die Frage des israelischen Journalisten Akiva Eldar an Arafat, ob er bei einer palästinensischen Hoheit über Ostjerusalem Juden das Beten an der Klagemauer gestatten würde, antwortete der Palästinenserchef nicht, sondern meinte ausweichend: „Bis heute habt Ihr bei den archäologischen Ausgrabungen auf Eurem Tempelberg nichts von Salomos Tempel entdeckt. Ihr habt nur Überreste des Tempels von Herodes gefunden.“ „Aber auch in diesem Tempel haben Juden vor 2000 Jahren gebetet. Ist das für Sie kein historischer Beweis?“, bohrte Akiva Eldar weiter. Aber auch hierauf gab Arafat keine Antwort.

Der Historiker Prof. Schlomo Ben Ami, der während der Barak-Regierung Israels Außenminister war und ein Buch über die Verhandlungen mit den Palästinensern in dieser Zeit verfasst hat, ist bei seinen Recherchen immer wieder auf ein und dasselbe Hindernis gestoßen: Jassir Arafat und die Palästinenser wollen Israels historisches Anrecht auf das Land und die Beziehung des jüdischen Volkes zum Tempel in Jerusalem nicht anerkennen und versuchen deshalb zu verhindern, dass jegliche Verbindung des jüdischen Volkes zu ihrem Heiligtum vertraglich festgehalten wird. In Eldars jüngstem Interview mit Arafat brachte Eldar das Gespräch gezielt auf Ben Amis Behauptung und erhielt von Arafat die Antwort: „Josef, dessen Vater und dessen Brüder lebten in Schechem (Nablus). Ist das historisch gesehen richtig oder falsch!?“

„Das steht so in der Bibel“, antwortete Eldar. „Nein, das steht so in unserem Koran – die heilige Geschichte von Josef, bevor er nach Ägypten zog. In unserem Koran! Deshalb können wir behaupten, dass es keine Verbindung zwischen den Juden und dem Land gibt?! Haben Sie vergessen, dass wir Euch als Onkel bezeichnen? Eldar, Sie sind mein Verwandter. Ich bin ein Nachkomme Abrahams und Hagars. Meine Großmutter war Hagar und Ihre Großmutter Sara.“ Eldar stimmte Arafat zu und fragte ihn weiter, ob er dies auch wirklich glaube. „Natürlich! Abraham ist mein und Ihr Großvater. Sie sind aber ein Nachkomme Isaaks und Jakobs. Das ist historisch gesehen richtig.“

Nablus ist aber nicht das Problem, sondern Jerusalem. „Sehen Sie keine historische Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und Jerusalem?“, richtete Eldar erneut seine Frage an Arafat. „Jerusalem ist das Problem; ich meine Salem. Der damalige König von Salem hatte Abraham und Lot freundlich empfangen, oder etwa nicht?“, fragte Arafat seinen israelischen Gesprächspartner, womit er plötzlich seine Abstammung auf Salem, wie Jerusalem zur Zeit Abrahams hieß, zurückführte. „In der Bibel heißt dieser König Melchizedek“, fügte Eldar hinzu. „Aber Sie hatten doch zuerst behauptet, dass Sie von Abraham und Ismael abstammen würden und nun sprechen Sie vom König von Salem als Ihrem Vorfahren?“ „Ja, ja, wir und Ihr waren früher Onkels“, bekräftigt Arafat. „Also Abrahams N a c h k o m m e n ? “ „Abraham, ja! Aber wir wurden zu Bürgern dieses Landes, denn wir sind in diesem Land geblieben und ihr nicht! Ihr seid nach Ägypten gezogen!“

Anstatt über Jerusalem zu sprechen, redete Arafat lediglich darum herum. „Als Sarah starb, kaufte Abraham in Hebron eine Höhle und begrub sie dort. Noch immer existiert zwischen uns (Moslems und Juden) ein Abkommen, wonach Juden das Recht haben, die Abraham- Moschee in Hebron zu besuchen.“

Die historischen Rechte des jüdischen Volkes in Jerusalem interessieren Arafat und die palästinensische Bevölkerung nicht. Aus diesem Grund ist es für Israel schwer, irgendwelche Fortschritte in den Friedensverhandlungen mit den Palästinensern zu machen. Die biblische Vergangenheit wird von den Moslems durch die koranische Vergangenheit ersetzt. „Und wenn Arafat über Geschichte spricht, dann entsteht eine dritte Version, die sowohl der biblischen als auch der koranischen Geschichtsschreibung fremd ist“, meinte ein israelischer Historiker aus Jerusalem, der es vorzog, anonym zu bleiben.

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