PA verurteilt Kollaborateur zum Tode durch Strick

Ein 31-jähriger Palästinenser ist am Samstag in Gaza gehängt worden, nachdem das Zivilgericht der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) ihn der "Kollaboration mit Israel" für schuldig befunden hatte. Drei weitere Angeklagte erhielten langjährige Haftstrafen wegen ähnlicher Taten.

Jusef Hassan Sinwar aus Chan Junis im Gazastreifen soll der israelischen Armee geholfen haben, einen gesuchten Aktivisten zu finden und zu töten. Zu dieser Überzeugung ist das Zivilgericht von Gaza gekommen, berichtet die "Jerusalem Post".

Das Todesurteil war das erste nach zweieinhalb Jahren, das die Richter der PA offiziell aussprachen. In dem Urteil bemerkten die Richter: "Der Verurteilte hat die Widerstandskräfte des palästinensischen Volkes unterwandert, indem er als Kollaborateur mit dem Feind zusammengearbeitet hat". Sinwar war im Oktober 2001 von der palästinensischen Spionageabwehr im Gazastreifen festgenommen worden.

Es ist das erste Mal, dass ein Palästinenser offiziell wegen Kollaboration mit Israel zum Tode durch den Strang verurteilt worden ist. Sonst vollstrecken Todes-Kommandos die Todesurteile außergerichtlich.

Der Schuldspruch bedarf der Zustimmung von Palästinenserpräsident Jasser Arafat. Dieser hatte sich in den letzten drei Jahren mit dem Unterzeichnen von Todesurteilen zurückgehalten, nachdem Menschenrechtsorganisationen Kritik an den Todesurteilen geübt hatten.

Neben Sinwar standen drei weitere Angeklagte vor Gericht in Gaza. Muhammad Al-Hasanat, 29, aus dem Dschabalija-Flüchtlingslager wurde zu zehn Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet etwa 1.800 Euro verurteilt. Auch er soll mit Israel kollaboriert haben. Das Gericht sah es als strafmildernd an, dass Hasanats Hilfe nicht zur Tötung eines Menschen geführt habe.

Der 39-jährige Amer Abu Ajschech aus der Nähe von Gaza-Stadt erhielt fünf Jahre Haft und dieselbe Geldstrafe. Der vierte Verurteilte, der 20-jährige Jasser Abdel Samad Al-Masri aus dem Flüchtlingslager Nusseirat, wurde zu drei Jahren Haft und zur selben Geldstrafe verurteilt. Auch er habe Israel Informationen gegeben, so das Gericht, doch sei er bereits 24 Stunden nach seiner Rekrutierung durch den israelischen Geheimdienst festgenommen worden.

Obwohl die PA in den vergangenen drei Jahren offiziell Abstand von der Durchführung von Exekutionen genommen hat, wurden viele Insassen wahrscheinlich von Anhängern der Fatah oder der Hamas erschossen. Die letzte derartige außergerichtliche Hinrichtung fand am 7. Oktober in Ramalla statt: Bewaffnete der Fatah stürmten in ein Krankenhaus und entführten den 51-jährigen Sami Burnat. Sein von Kugeln durchlöcherter Körper fand sich wenige Stunden später in der Nähe des Flüchtlingslagers Al-Amari. Burnat saß eine Gefängnisstrafe ab, weil er 20 Jahre zuvor Land an Juden verkauft haben soll. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, nachdem er bei einer Befragung schwere Verletzungen erlitten hatte.

Ein Informant aus Gaza-Stadt sagte gegenüber der "Jerusalem Post", es warteten mindestens 60 weitere "Kollaborateure" auf ein Urteil, weil sie Informationen über gesuchte Aktivisten an Israel preisgegeben hätten.

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