UNRWA-Chef: "Wir beschäftigen Hamas-Aktivisten"
Weiter Streit um Video
Der Direktor der UN-Organisation für die Hilfe von Palästinensern (UNRWA), Peter Hansen, hat am Montag zugegeben, dass seine Organisation auch Hamas-Aktivisten bezahlt. Der Streit um das Armee-Video über einen angeblichen Transport einer Rakete in einem UN-Krankenwagen hält unterdessen an.
In einem Interview mit der kanadischen Rundfunkanstalt CBC sagte Hansen am Montag: "Ich bin sicher, dass Hamas-Mitglieder auf der Lohnliste der UNRWA stehen, und ich sehe darin kein Verbrechen". Die Hamas sei eine "politische Organisation", so der UN-Gesandte, und "nicht jedes Mitglied ist automatisch ein Terrorist oder sollte zurückgewiesen werden wegen seiner politischen Ansichten". Die UNRWA verlange von ihren Mitarbeitern, "egal, welcher politischen Überzeugung sie sind", sich gemäß den UN-Richtlinien der Neutralität zu verhalten.
Das kanadische Außenministerium reagierte skeptisch auf die Äußerungen Hansens: "Wenn sich herausstellt, dass Hansens Worte nicht aus dem Kontext gerissen wurden und die Position der UNRWA wiedergeben, sind wir tief besorgt und fordern eine Aufklärung von Herrn Hansen und den Vereinten Nationen". Kanada zahlt jährlich 10 Millionen Dollar an die UNRWA. Im November 2002 setzte es die Hamas - sowohl den politischen als auch den militärischen Flügel - auf die Liste der Terror-Organisationen. Dadurch ist jede Unterstützung dieser Gruppe strafbar.
Israels UN-Botschafter Dan Gillerman kommentierte Hansens Äußerung mit den Worten: "Dieser Mann gibt im Fernsehen zu, Geld an Hamas-Mitglieder zu zahlen. Das schreit zum Himmel und verlangt nach einer Untersuchung durch die UN." In einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan schrieb er, die Äußerung Hansens sei "absolut inakzeptabel". "Die Hamas wurde von zahlreichen Staaten offiziell als Terror-Organisation eingestuft, ohne irgendeine Unterscheidung zwischen ihren Flügeln."
Annans Sprecher, Fred Eckhard, erwiderte: "Wir stellen keine Terroristen ein."
Israel hat es inzwischen abgelehnt, sich für die Behauptungen zu entschuldigen, ein UN-Krankenwagen habe eine Kassam-Rakete transportiert. Eine unbemannte Drohne hatte vergangene Woche Luftaufnahmen gemacht, denen zufolge Palästinenser ein mit dem UN-Zeichen beschriftetes Auto mit einem länglichen Gegenstand beluden. Die Armee hat jedoch laut der Tageszeitung "Jerusalem Post" am Dienstag fünf dieser Videos von ihrer Web-Seite genommen. Die Aufnahmen sind von schlechter Qualität und sie könnten die Vorwürfe nicht endgültig beweisen. Die Armee verwies jedoch auf frühere Fälle, wo Krankenwagen der UNRWA für terroristische Zwecke verwendet worden waren. Ein entsprechendes Video ist derzeit noch auf der Homepage der israelischen Armee zu sehen: http://www1.idf.il/SIP_STORAGE/DOVER/files/0/34150.wmv
"Wir sind absolut sicher, dass das Objekt, das in die Ambulanz geladen wurde, keine Rakete war. Es war eine Trage," sagte indes Hansen. Das Objekt sei so leicht, dass eine der Personen es mit einer Hand tragen könne.
Die UNRWA ist eine unabhängige Behörde der UN. Sie wurde 1950 gegründet, um den palästinensischen Flüchtlingen in den arabischen Ländern zu helfen. Sie ist wahrscheinlich die größte Initiative der UN im Nahen Osten und der größte Arbeitgeber in den Palästinensergebieten nach der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Nach eigenen Aussagen beschäftigt sie 24.324 Mitarbeiter, 99 Prozent davon seien Palästinenser. Der Däne Hansen arbeitet sei 1996 bei UNRWA. Seien Amtszeit endet im Dezember, danach arbeitet er wieder in Kopenhagen im akademischen Bereich.
05.10.2004
Armee gibt zu: Keine Kassam-Rakete in Ambulanz
Bei dem Gegenstand in einem UN-Krankenwagen, den die israelische Armee als Kassam-Rakete bezeichnet hatte, handelte es sich um eine Krankenliege. Dies bestätigte ein Armee-Vertreter am Mittwoch.
Bereits vor einer Woche waren erste Zweifel aufgekommen an der Behauptung, auf einem Armee-Video sei zu sehen, wie ein UN-Krankenwagen mit einer Kassam-Rakete beladen werde. Die israelische Armee ließ das Video von verschiedenen Experten prüfen und gab nun offiziell bekannt, dass das Objekt auf dem Film eine Trage sei. Dies hatten zuvor auch die betreffenden Sanitäter der UN-Hilfsorganisation für Palästinenser, UNRWA, behauptet. Armee-Sprecherin General Ruth Jaron sagte am Dienstag gegenüber Knesset-Vertretern: "In dem UNRWA-Krankenwagen wurde keine Rakete transportiert."
UNRWA-Direktor Peter Hansen gab bislang keinen Kommentar zu dem Eingeständnis ab. Vor einigen Tagen hatte er jedoch gegenüber der "Jerusalem Post" gesagt: "Ich war von Anfang an, als ich den Film sah, davon überzeugt, dass das Objekt keine Kassam-Rakete war".
Der UN-Krankenwagen habe tagelang in Dschablija in der Nähe von militanten Palästinensern geparkt, die gegen israelische Soldaten kämpften, verteidigte Jaron die Vermutung der Armee. Unter anderem trugen die Terroristen auch Waffen und Sprengstoff umher. "Es war nicht eindeutig, welche Rolle der Krankenwagen dabei spielte", so die Generalin.
Ein Regierungsvertreter lobte das Eingeständnis als Zeichen des Mutes: "Unsere Stärke ist, dass die IDF offen eingestehen können, dass sie einen Fehler gemacht haben". Er fügte hinzu, dass die Vergangenheit der UNRWA, in der sie von Terror-Organisationen benutzt wurde, die Armee zu den falschen Verdächtigungen verleitet habe.
Auch die Armee und das Außenministerium betonten, auch wenn es sich in diesem Fall um einen Irrtum gehandelt habe, so gebe es andere Hinweise darauf, dass einige Terroristen die UNRWA ausnutzten. Die Armee hatte vor kurzem entsprechende Hinweise an UN-Vertreter weitergegeben. Zudem nahm sie 13 UN-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Unterstützung von Terroristen fest.
13.10.2004
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