Flugblatt fordert Absetzung Arafats

Ein Flugblatt hat am Wochenende in den Palästinensergebieten die Absetzung von PLO-Chef Jasser Arafat und einiger seiner Berater gefordert. Die Autoren, die sich "Fatah - der Weg der Reformisten" nennen, fordern zudem die Auswechslung der palästinensischen Führung.

Wie die Tageszeitung "Jerusalem Post" berichtet, ist die Gruppe bisher unbekannt. Auch sei unklar, wer hinter dem Flugblatt stecke. Doch Beamte der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) gehen davon aus, dass der ehemalige Sicherheitschef, Mohammed Dahlan, etwas damit zu tun hat. Denn der Zeitpunkt sei "verdächtig": Vergangene Woche hatten Dahlan und Arafat eigentlich ein Treffen beschlossen. Es wäre das erste zwischen beiden gewesen, seit Arafat-Vertraute Dahlan bezichtigten, die PA-Führung an sich reißen zu wollen.

Als Arafat das Flugblatt las, habe er das geplante Treffen sofort abgesagt. Dahlan hingegen bestreitet, etwas damit zu tun zu haben. Er geht davon aus, es sei ein neuer Versuch seiner Rivalen, einen Keil zwischen ihn und Arafat zu treiben. Aus PA-Kreisen hieß es: "Offensichtlich versuchen die Flugblatt-Autoren, eine Versöhnung zwischen Arafat und Dahlan zu verhindern". Nichtsdestotrotz sei Arafat weiterhin an einem Treffen mit Dahlan interessiert.

Es war das erste Mal, dass ein Flugblatt von einer Fatah-nahen Gruppe zu einem Ende Arafats aufgerufen hat. Die meisten Fatah-Führer, die Reformen und ein Kampf gegen die Korruption fordern, lehnten es stets ab, Arafat persönlich anzugreifen.

Das Flugblatt beschuldigt zahlreiche Fatah-Führer und PA-Beamte, Gelder veruntreut zu haben und bezichtigt sie der Lüge sowie der Kollaboration mit Israel. Namentlich erwähnt werden neben Arafat etwa der Außenminister Nabil Scha´ath, Innenminister Hakam Balawi, Premierminister Ahmed Qrea, die Mitglieder des Zentralkomitees der Fatah, Hani al-Hassan, Abbas Sakarija al-Agha, und Sacher Habasch, sowie der vorherige Premierminister Mahmud Abbas.

"Sie alle sind Hindernisse für eine Entwicklung und eine Last für die Fatah", heißt es in dem Schreiben. "Sie müssen alle fortgehen, bevor sie getötet werden. Und wir meinen, was wir sagen". Zudem wird die Auflösung des Fatah-Zentralkomitees gefordert, das von alten Arafat-Getreuen dominiert wird.

Einer der beschuldigten Fatah-Führer, die namentlich erwähnt werden, verdächtigte gegenüber der "Jerusalem Post" Israel und die USA als Urheber der Aktion: "Israel und Washington spielen ein schmutziges Spiel mit uns. Unglücklicherweise haben sie einige palästinensische Puppen gefunden, die sie unterstützen."

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