16.08.2004

IRANISCHER JUDOKA BOYKOTTIERT ISRAELI (II)

Ein iranischer Judoka hat sich "aus Sympathie mit dem palästinensischen Volk" geweigert, bei den Olympischen Spielen gegen einen Israeli anzutreten. Um diesem Kampf zu entgehen, sorgte er dafür, dass er disqualifiziert wurde - wegen Übergewichts.

Wie die Tageszeitung "Ha´aretz" berichtet, hatte der iranische Weltmeister Arasch Miresmaeili gehofft, während des Wettbewerbs nicht auf den Israeli Ehud Vaks zu stoßen. Doch die Auslosung am Donnerstag ergab, dass der iranische und der israelische Judoka bereits in der ersten Runde am Sonntag gegeneinander antreten mussten.

Darauf beschloss die Regierung in Teheran, dass dieser Kampf nicht stattfinden sollte. Um einer Bestrafung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu entgehen, sagte Miresmaeili nicht direkt ab. Doch als er am Samstagvormittag gewogen wurde, überstieg sein Gewicht das Höchstmaß seiner Klasse (Halbleichtgewicht) um zwei Kilogramm. Damit wollte er gegen das "Feindbild Israel" demonstrieren.

Die iranischen Fans waren schockiert. Lob kam hingegen vom iranischen Staatspräsidenten Mohammed Chatami: "Wir anerkennen das Opfer dieses Helden. Er wird mit Ehre und Ruhm in die iranische Geschichte eingehen." Als Entschädigung wird der Judoka 115.000 Dollar erhalten - die Belohnung, die ihm die Regierung für den Gewinn der Goldmedaille in Athen versprochen hatte.

Auch iranische Medien wiesen auf den politischen Hintergrund der Disqualifizierung hin. Das Iranische Olympische Komitee kommentierte den Vorfall: "Die iranische Politik ist es, Wettkämpfe mit Athleten aus dem zionistischen Gebilde (Israel) zu vermeiden. Miresmaeili hat entsprechend dieser Politik gehandelt."

Michel Brousse vom Judo-Weltverband (IJF) sagte, dieser sei sehr überrascht, dass ausgerechnet ein Sportler aus dieser Klasse mit Übergewicht zum Wiegen komme. "Wir haben gerade bei der Eröffnungsfeier vom IOC-Präsidenten viel über olympischen Geist, Fairness und Moral gehört", fügte er hinzu. Dies werde bei der Diskussion des Falles eine Rolle spielen. Bei der Eröffnung der Olympischen Spiele hatte Miresmaeili die iranische Flagge ins Stadion getragen.

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