Interview mit Vize-MP Peres
Israels stellv. MP Peres versichert in einem ZDF-heute-journal-Interview, er sehe "keinerlei Probleme" angesichts des UNIFIL-Einsatzes der Bundeswehr vor der libanesischen Küste. Israel habe sein Ziel, den Krieg gegen die Hisbollah zu gewinnen, erreicht, wenn auch "nicht im Sinne eines militärischen Sieges". Mit Blick auf die die Hisbollah fragt Peres: "Und wo stehen sie heute?" Die Hisbollah sei die "wahre Gefahr" für den Libanon, weil sie einen "iranischen Libanon" wolle. Israel wolle sich konstruktiv am Wiederaufbau des Libanon beteiligen und sich weiterhin um Frieden mit seinen Nachbarn in der Region bemühen.
Interview mit: Shimon Peres, stellv. Ministerpräsident u. Minister für die Entwicklung des Negev u. des Galil
Frage: Nun befinden sich deutsche Kriegsschiffe in unmittelbarer Nähe des Staates Israel. Löst das bei Ihnen gar keine unguten Gefühle aus?
Antwort: Nein, ich glaube das nicht. Wir wissen ja, warum die deutsche Marine dort ist: in einer Friedensmission. Sie wird dazu beitragen, einen Krieg zu verhindern; sie wird den Libanesen dabei helfen, zu sich selbst zurückzufinden. Und ich glaube schon, dass das nur positive Dinge sind und ich sehe da keinerlei Probleme.
Frage: Die deutsche Marine patrouilliert ja vor der Küste Libanons, um Waffenschmuggel an die Hisbollah zu unterbinden. Ist das aber nicht so, dass die Hisbollah ihre Waffen vor allem über Luft- und Landwege bekommt und gar nicht über den Seeweg? Was bringt also dieser Einsatz der deutschen Marine militärisch gesehen?
Antwort: Nun, sie bekommen auch Waffen auf dem Seeweg, die Hisbollah. Vor wenigen Tagen wurde ein Raketen transportierendes Schiff in Zypern aufgebracht. Und dieses Schiff sollte ganz eindeutig die Hisbollah mit Waffen versorgen.
Frage: Nun hatten Sie in den ersten Kriegstagen dieses Libanon-Krieges gesagt: "Wir müssen diesen Krieg gewinnen, sonst wird er ewig weitergehen." Hat Israel ihn denn bisher gewonnen?
Antwort: Ich glaube ja, aber nicht im Sinne eines militärischen Sieges. Denn es war ja auch keine Auseinandersetzung zwischen bewaffneten Streitkräften. Aber fragen wir uns doch lieber: Warum hat Hisbollah überhaupt mit diesen Angriffen begonnen? Welches waren ihre Motive? Welche Ziele wollte Hisbollah erreichen? Sie haben da keine guten Antworten auf diese Fragen. Vielleicht haben sie gemeint, mit ihren 12.000 Raketen könnten sie Israel zerstören. Aber das ist nicht passiert.
Das war eine schwierige Zeit für die Menschen in Israel, die wieder hinunter mussten in die Bunker, in einem sehr heißen, schwierigen Sommer. Das war nicht einfach für Invaliden, Frauen, Kinder, für die Familien. Aber Israel hat schon sechs Kriege durchgemacht und überstanden und keiner von denen war leicht zu ertragen. Jeder war kostspielig und forderte Menschenopfer. Aber Hisbollah hat nichts erreicht dadurch: Sie haben jede Menge ihrer Kämpfer verloren, es wurde sehr viel Zerstörung angerichtet im Libanon, ohne jede Not. Und wo stehen sie heute?
Frage: Öffnet dieser Waffenstillstand denn jetzt ein Fenster für eine echte, politische Friedenslösung? Welche Erwartungen verbinden Sie da mit der Friedensmission von Condoleezza Rice?
Antwort: Nun, ich glaube, Außenministerin Rice versucht Wirtschaftshilfe für den Libanon zu organisieren nach diesem Krieg. Wir sind alle dafür. Wir werden alle versuchen, so konstruktiv wie möglich daran mitzuwirken. Wir sind für den Wiederaufbau des Libanons und engagieren uns. Wir haben keine Forderungen gegen den Libanon und nichts gegen die Libanesische Bevölkerung. Die wahre Gefahr für das Land ist die Hisbollah - sie zerstört das Land. Und sie will nicht einen libanesischen Libanon, sondern einen iranischen Libanon. Die meisten Libanesen sind dagegen. Nehmen Sie die Palästinenser auf der anderen Seite: Da ergeben sich gute Öffnungen, wir hoffen darauf - politisch und wirtschaftlich. Und wir hoffen, dass es eine solche Öffnung gibt.
Frage: Sie sagten eben: "Israel hat schon so viele Kriege ertragen müssen." Vor zwölf Jahren haben Sie den Friedensnobelpreis bekommen zusammen mit Yitzhak Rabin und Yasser Arafat. Damals waren die Hoffnungen ja sehr groß und nichts ist daraus geworden: Der Nahe Osten ist kein bisschen friedlicher geworden. Was macht Sie so optimistisch, dass es jemals eine Lösung geben wird?
Antwort: Ich bin mir nicht sicher, ob man die Frage so stellen darf. Denn seitdem hat es ja den Frieden mit Jordanien gegeben. Das ist eine wichtige Errungenschaft. Mit zwei Ländern haben wir einen vollwertigen Frieden geschlossen: mit Jordanien und Ägypten. Wir haben das nicht geschafft mit den Palästinensern und dem Libanon. Und da müssen Sie fragen: Warum? Wo lagen da die Unterschiede? Die Antwort ist einfach: Jordanien und Ägypten haben eine Regierung, eine Armee, eine Politik. Die Libanesen haben mehr als eine Armee - wenn sie das Armee nennen -, mehr als eine Regierung - wenn sie eine Regierung haben. Und so ist es bei den Palästinensern: Sie sind zerrissen, gespalten. Aber wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Und in Oslo ist durchaus einiges erreicht worden.
(Hinweis: Antworten in Übersetzung des Senders)
Bericht von: Marietta Slomka
Quelle: ZDF / Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
Sendung: heute-journal
Erscheinungsdatum: 04.10.2006 / 22:00
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