Analyse: Atompoker löst in Israel Besorgnis aus

Die Entwicklung des iranischen Atomprogramms löst in Israel wachsende Sorge aus. Einen eigenen Militärschlag gegen den verfeindeten Staat schließen führende Politiker Israels vorerst aber aus. «Als derjenige, der die Entscheidung zu treffen hat, glaube ich wirklich nicht, dass Israel in diesem Krieg in vorderster Reihe stehen sollte.»

Das sagt der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert in einem Interview. Israelische Militärexperten warnen aber davor, dass die Zeit für eine politische Eindämmung der Bedrohung abläuft, nachdem Iran mit der Urananreicherung begonnen hat. Binnen drei Jahren könne der Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangen und damit im Nahen und Mittleren Osten eine Rüstungsspirale in Gang setzten. Auch Ägypten und Saudi-Arabien könnten dann nach Atomwaffen streben.

Bisher gilt Israel international als einzige nukleare Militärmacht in der Region. Nach Einschätzung internationaler Experten hält das Land 200 Atomsprengköpfe versteckt. Keine der israelischen Regierungen hat dies jemals bestätigt. Auch dies aber gilt als Teil der israelischen Abschreckungsstrategie. Mit einem atomar bewaffneten Iran würde sich die Kräfteverhältnisse dramatisch verschieben - zumal das Land auch den Bau von weit reichenden Raketen vorantreibt.
«Wenn Iran die Anstrengungen zur Entwicklung von Atomwaffen fortsetzt, ist ein Militäreinsatz (...) unvermeidbar. Er würde dann im Laufe des Jahres 2007 ausgeführt», schreibt die Zeitung «Jediot Achronot» unter Berufung auf Experten aus den USA und Israel. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wird als religiös verblendet beschrieben, als ein Mann, der eine Konfrontation mit dem Westen und sunnitischen Muslimen sucht und Israel zerstören will.

Nach den Worten des Chefs des israelischen Militärgeheimdienstes, Amos Jadlin, will die iranische Führung mit der jüngsten Erklärung allerdings vor allem ihre Verhandlungsposition stärken. «Die Iraner haben gestern der Welt erklärt, dass sie die Forschung und Entwicklung für Zentrifugen abgeschlossen, die Technologie im Griff haben und über erste Fähigkeiten zur Anreicherung verfügen. Aus ihrer Sicht gibt es nun keinen Grund mehr, über Kompromisse bei der Urananreicherung zu verhandeln, wie einen Betrieb auf russischem Boden.»

Dies bedeute aber noch nicht, dass die Atombombe für Iran nun schon in greifbarer Nähe sei. «Es ist eine bedeutende Entwicklung», sagt der israelische Geheimdienstchef. «Aber nur weil jemand Fahrrad fahren kann, heißt es nicht, dass er 80 Kilometer in der Stunde fahren kann ohne herunterzufallen.»

Entschlossenes Handeln des Sicherheitsrates

Im Atom-Streit mit dem Iran hat US- Außenministerin Condoleezza Rice den Weltsicherheitsrat zu einem entschlossenen Handeln aufgefordert. Damit müsse die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft aufrechterhalten werden, sagte Rice in Washington. Kritik am Atomprogramm kam auch aus Deutschland, Russland und Israel. Auch China äußerte sich besorgt. Nach der Bekanntgabe der erfolgreichen Urananreicherung kündigte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Ausbau des Atomprogramms an.

Weltweite Kritik an Iran

Nach den USA hat auch Russland den Beginn der Urananreicherung im Iran kritisiert. Die Führung in Teheran solle davon absehen, gegen die Resolution des UN- Sicherheitsrates zu verstoßen, meinte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau am Mittwoch.

Russland erwarte, dass der Iran die internationalen Appelle berücksichtige und die Urananreicherung einstelle. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte am Dienstag erklärt, dass seinem Land die Anreicherung von Uran auf die für Kernkraftwerke nötige Konzentration von 3,5 Prozent gelungen sei.
Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohammed el Baradei, fliegt an diesem Mittwochabend nach Teheran. Er will nach IAEO-Angaben einige noch offene Fragen im Zusammenhang mit dem jahrzehntelang geheimen Atomprogramm des Irans klären und versuchen, Teheran im Atomstreit mit den Vereinten Nationen vielleicht doch noch zum Einlenken zu bewegen. El Baradei soll dem UN-Sicherheitsrat bis zum 28. April darüber berichten, ob der Iran sein Programm zur Urananreicherung gestoppt hat.

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