Likud verlässt israelische Regierung
Drei Minister der Likud-Partei haben am Donnerstag das Kabinett des amtierenden israelischen Regierungschefs Ehud Olmert verlassen, wie Rundfunksender meldeten. Der neue Likud-Vorsitzende Benjamin Netanjahu hatte den Rückzug vergangene Woche angekündigt, wegen der schweren Krankheit von Ministerpräsident Ariel Scharon aber verschoben. Der 77-Jährige befand sich nach Auskunft seiner Ärzte weiter in einem kritischen, aber stabilen Zustand.
Außenminister Silvan Schalom, der ebenfalls dem Likud-Block angehört, blieb zunächst im Amt, wird aber vermutlich bei der nächsten Kabinettssitzung am Sonntag zurücktreten. Es wurde erwartet, dass Olmert in den nächsten Tagen neue Minister aus der von Scharon gegründeten Kadima-Partei ernennt. Bis zur Wahl am 28. März solle Friedensnobelpreisträger Schimon Peres das Außenministerium übernehmen, berichteten israelische Medien.
Erstmals seit dem schweren Schlaganfalls Scharons telefonierten Olmert und US-Präsident George W. Bush am Donnerstag, wie Olmerts Büro mitteilte. Aus Regierungskreisen in Jerusalem verlautete, der amtierende Ministerpräsident könnte schon bald eine Einladung nach Washington erhalten. Die US-Botschaft in Tel Aviv erklärte, sie habe keine Informationen darüber. Olmert hat mit seinen Bemühungen um Stabilität und Kontinuität nach der Erkrankung Scharons politisches Gewicht gewonnen und gilt derzeit als Favorit für die Parlamentswahl Ende März.
Das Likud-Zentralkomitee wollte am Donnerstag die Kandidatenliste für die Parlamentswahl aufstellen. Umfragen zufolge könnte die Partei nach dem Austritt Scharons mehr als die Hälfte ihrer Mandate verlieren.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia versicherte nach Angaben der italienischen Zeitung «Il Giornale», der Dialog werde fortgesetzt, egal wer die israelische Regierung führe.
Scharon befand sich unterdessen den achten Tag in Folge im Koma. Sein Zustand sei weiter kritisch, aber stabil, teilte das Hadassah-Krankenhaus am Nachmittag mit. Zur Vermeidung von Infektionen sollte ein Katheter ersetzt werden, mit dem Flüssigkeit aus dem Gehirn entfernt werden kann.
Der Herzschlag Scharons sei regelmäßig, teilte die Klinik am Morgen mit. Am Abend solle der Ministerpräsident routinemäßig einer weiteren Computertomographie unterzogen werden. Das Krankenhaus wollte nicht Stellung nehmen zu einen Bericht der Zeitung «Maariv», wonach Scharons Herz unregelmäßig geschlagen habe, als die Ärzte die Narkosemittel reduzierten. Kliniksprecher Ron Krumer sagte, es sei unklar, wann die Mittel vollständig abgesetzt würden.
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