Wenn die Kartoffel Königin ist

Kartoffel-Latkes; Für viele der kulinarische Höhepunkt des Chanukka-Festes

Für viele Juden sind Kartoffel-Latkes (Pfannkuchen) ein integraler Bestandteil von Chanukka. Parallel dazu gilt der während des Lichterfestes servierte heisse Punsch als unbestrittener König der acht Tage.


Von Daniel Rogov

Infolge der Besonderheiten des hebräischen Kalenders fällt der erste Abend des Chanukka-Festes dieses Jahr erstmals seit mehr als 100 Jahren wieder auf den 25. Dezember, den Abend des Weihnachtstages. Ungeachtet des Datums aber wissen Juden in aller Welt, dass das achttägige Fest an die Wiedereinweihung des Tempels zu Jerusalem durch die Makkabäer im Jahre 165 v.d.Z. erinnert. Drei Jahre zuvor hatte der syrische König Antiochus den Tempel geschändet. Nicht weniger bekannt ist die Tatsache, dass die Makkabäer einen Vorrat an Öl gefunden hatten, der eigentlich nur für einen Tag hätte reichen sollen, effektiv aber acht Tage brannte (bis neues Öl zubereitet wurde). Vielerorts wird dies als Wunder gefeiert. In Israel ist Chanukka zudem, vielleicht mehr als in anderen Ländern, die Zeit der fröhlichen Partys, der Festessen und des mässigen Trinkens.

Chanukka ist aber auch der Feiertag, an dem die bescheidene Kartoffel königlichen Status erlangt, werden doch in fast jedem israelischen Haushalt Unmengen an Kartoffelpfannkuchen serviert. Diese Pfannkuchen, auf Jiddisch «Latkes» und auf Hebräisch «Levivot» genannt, sind die wahren Stars des Festes.

An diesen speziellen Pfannkuchen ist nichts Ausgeklügeltes oder Raffiniertes, doch werden sie seit dem 15. Jahrhundert mit viel Liebe zubereitet und werden eben mit Chanukka in Verbindung gebracht. Mit viel Salz, manchmal auch mit Pfeffer und Zwiebeln versehen, und in viel Öl gebraten, reissen diese kulinarischen Leckereien vielleicht nicht jeden vom Stuhl, doch auf den Magen machen sie bestimmt einen bleibenden Eindruck. Zusammen mit reichlich Weinpunsch genossen, sorgen die Latkes bestimmt für einen vergnüglichen Abend.

Rezept für Kartoffel-Latkes

Mit einem sauberen Tuch presse man so viel Flüssigkeit wie möglich aus den Kartoffeln (je mehr Flüssigkeit entnommen werden kann, desto besser werden die Latkes). Auf gleiche Weise entnehme man den Zwiebeln die Flüssigkeit. Alle Zutaten, das Öl ausgenommen, werden dann von Hand gut vermischt. Grosszügig mit Salz und Pfeffer würzen. In einer schweren Bratpfanne wird viel Öl erhitzt (mindestens 2,5 Zentimeter). Von Hand einzelne Pfannkuchen bilden, und sobald das Öl heiss genug ist, gibt man so viele Latkes in die Pfanne, dass diese einerseits fast voll wird, während andrerseits darauf geachtet wird, dass die einzelnen Exemplare durch Zwischenräume getrennt bleiben. Sind die Latkes auf der einen Seite schön braun, werden sie gewendet und so lange gebraten, bis sie auf beiden Seiten gebräunt und am Rand knusprig sind. Mit einem gelöcherten Löffel aus der Pfanne nehmen, auf ein Papier legen und abtropfen lassen. Sofort servieren oder in einem schwach geheizten Ofen warm halten. Nature oder mit Sauerrahm, Apfelmus oder Zucker auf den Tisch bringen (Rezept ist für 4 bis 6 Personen berechnet).

Variation: Um polnische «Ratzelech» zu machen, füge man zwei grosse geschälte und zerriebene Äpfel hinzu und brate die Pfannkuchen in einer grossen Pfanne in einer rund 2,5 Zentimeter tiefen Schicht heissen Hühnerfetts.

Chanukka-Punsch

Sind die Kartoffelpuffer die Königinnen des Festes, dann ist der an den acht Tagen servierte heisse Punsch ohne jeden Zweifel der König. Auch wenn es sich hier um ein traditionelles Chanukka-Getränk handelt, spricht nichts dagegen, es an jedem sonstigen kalten Winterabend Gästen zu servieren. Ein Tipp: Da der in diesem Rezept verwendete Wein gekocht werden muss, wäre es dumm, für den Punsch den besten Rotwein zu benutzen, der sich im Hause finden lässt. Das Getränk lässt sich problemlos auch mit billigeren Tropfen herstellen.

Alle Zutaten in einer grossen Emailschüssel vermengen. Zum Kochen bringen und während 3 bis 4 Minuten ohne Deckel und ohne zu rühren kochen lassen. Dann das Feuer auf die niedrigste Flamme reduzieren, die Schüssel zudecken und während 30 Minuten ziehen lassen. Anschliessend vor dem Servieren 3 bis 4 Stunden lang an einen warmen Ort stellen. Kurz vor dem Servieren erneut erhitzen, bis es kochend heiss ist, in Becher oder Weingläser abfüllen und jedes Glas mit ein paar Rosinen garnieren. Das Rezept ist für ungefähr 32 Punschbecher berechnet.
Quelle: Tachles

Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:55:28 Uhr.

zum Seitenanfang

Weitere Berichte:

zum Seitenanfang
Druckbare Version
Weintrauben aus erster Hand
Wer sich mit Raketen schlafen legt…