Sechs Tote bei Terroranschlag

Bei einem Selbstmordanschlag auf den Eingang des "Sharon"-Einkaufszentrums in Netanya sind am Morgen (11:30 Uhr) mindestens fünf Personen getötet worden. Mindestens 30 wurden verletzt, vier davon schweben noch in Lebensgefahr (Fotos: Außenministerium Jerusalem). Zunächst übernahmen die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden, eine Untergruppe der palästinensischen Fatah-Bewegung, die Verantwortung. Kurz darauf zog die Gruppe die Mitteilung zurück, und die Terrororganisation "Islamischer Jihad" bekannte sich zu dem Anschlag. Bei dem Attentäter handle es sich um den Palästinenser Lutfi Amin Abu Salem (21) aus Kafr Rai (Westbank), teilte die radikalislamische Organisation in einem Bekennervideo mit.

Das Einkaufszentrum "Sharon" in Netanya trägt den Namen der gleichnamigen israelischen Küstenebene, die schon seit biblischen Zeiten so heißt.

Der 21-jährige Attentäter zündete nach Augenzeugenberichten am Eingang der Kaufhalle eine Bombe, die er in einer Tasche bei sich trug.
Dabei riss er fünf Menschen mit in den Tod. Mindestens 50 weitere wurden verletzt. Es war der dritte Anschlag auf das Einkaufszentrum innerhalb von viereinhalb Jahren. Erst im Juli waren dort bereits fünf Menschen einem ähnlichen Attentat zum Opfer gefallen waren.

Zu der Tat bekannte sich die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad, der Täter stamme aus einem Dorf bei Tulkarem im nördlichen Westjordanland. Ein Bekenneranruf im Namen des militärischen Fatah-Arms Al-Aksa-Brigaden bei einer Radiostation in Gaza wurde von beiden Seiten als unglaubwürdig eingestuft. Die Palästinenserführung verurteilte den Anschlag, Israel warf ihr jedoch Tatenlosigkeit im Kampf gegen die Extremistenorganisationen vor.

Verteidigungsminister Schaul Mofas rief die Militärspitze zu Beratungen über das weitere Vorgehen zusammen. Er hatte schon Stunden vor der Explosion eine Fortsetzung der umstrittenen gezielten Tötungen militanter Palästinenser gebilligt. Die Entscheidung folgte auf neue Angriffe mit palästinensischen Kassam-Raketen aus dem Gazastreifen am Wochenende. Regierungschef Ariel Scharon setzte für den Abend eine Dringlichkeitssitzung seines Sicherheitskabinetts an.

Israelische Medien berichteten, Augenzeugen seien kurz vor der Explosion auf einen verdächtig wirkenden Mann mit einer großen schwarzen Tasche aufmerksam geworden und hätten Wachleute alarmiert. Diese hätten den Mann zwar daran hindern können, in die Kaufhalle einzudringen, dann sei der Sprengsatz jedoch explodiert.

Abbas verurteilt terroristischen Anschlag

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat den Selbstmordanschlag eines radikalen Palästinensers in der israelischen Stadt Netanja als "terroristisch" verurteilt. Die Aufftraggeber würden vor Gericht gestellt, versprach Abbas am Montag kurz nach dem Attentat. Der Attentäter sprengte sich vor einem Einkaufszentrum in Netanaja in die Luft und riss mindestens vier Menschen mit in den Tod. Dutzende weitere wurden verletzt. Zu dem Attentat bekannte sich die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad.

Schalom wirft PA nach Anschlag Taten vor

Der israelische Außenminister Silvan Schalom hat den Selbstmordanschlag in Netanja als Beweis für den mangelnden Anti-Terror-Einsatz der Palästinenserführung bezeichnet. "Dieses Attentat beweist, dass die palästinensische Autonomiebehörde nichts gegen die Terroristen unternimmt", sagte Schalom am Montag im israelischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bei dem Anschlag vor einem Einkaufszentrum in Netanja hatte ein palästinensischer Selbstmordattentäter am Morgen mindestens vier Israelis mit in den Tod gerissen. Mehrere dutzend Menschen wurden verletzt. Zu dem Attentat bekannte sich die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad.

Israel will gezielte Tötungen fortsetzen

Gestern Nachmittag schlugen drei palästinensische Qassam-Raketen in dem Moshaw Shuva in der Nähe von Netivot ein. Es gab weder Verletzte, noch Sachschaden. Später wurde eine weitere Rakete auf offenem Gelände in der Nähe des Moshaws gefunden. Auch im Gebiet von Lachish gab es Raketen-Alarm. Durch die Angriffe zerbrachen in einem Haus die Fensterscheiben, drei Frauen erlitten einen Schock.

In Reaktion flog die Luftwaffe in der Nacht drei Angriffe gegen Abschussrampen für Qassam-Raketen im Norden des Gazastreifens. Ein Gebäude, das in Gaza-Stadt als Büro für Terroraktionen dient, wurde zerstört. Verteidigungsminister Shaul Mofaz wies die Armee an, auf jeden Beschuss durch Qassam-Raketen oder Mörsergranaten aus dem Gazastreifen heraus auf israelisches Gebiet mit aller Kraft zu reagieren. Mofaz wandte sich auch mit einer Botschaft an die palästinensische Regierung und verlangte, den Beschuss zu verhindern.

Gestern Abend berieten die Sicherheitsbehörden über eine angemessene Reaktion auf den zunehmenden Beschuss Israels durch Qassam-Raketen. Die Sicherheitsbehörden nehmen den Beschuss sehr ernst, doch zurzeit wird von einer Verstärkung der Armeekräfte um den Gazastreifen herum abgesehen. Im Gegensatz dazu könnte die Armee zu den Präventivtötungen zurückkehren, um die Qassam-Kommandos zu stoppen. Eine entsprechende Anordnung billigte Verteidigungsminister Mofaz am Montag.

Außerdem erklärten die Sicherheitsbehörden gestern Abend, dass Israel nicht beabsichtige, offensive Maßnahmen zu ergreifen, solange Ruhe in Israel herrsche. Unter den gegebenen Umständen jedoch, d.h. bei Fortdauer der Angriffe auf den westlichen Negev, wird die Armee den Artilleriebeschuss fortführen und die Luftwaffe könnte nicht nur Gebäude, Kommandozentralen, Brücken, Straßen und Abschussrampen angreifen, sondern auch Terroristen, die aus dem Gazastreifen heraus agieren.

Im Verteidigungsministerium zeigte man sich besorgt über den gestrigen Angriff auf den Moshaw Shuva in der Nähe von Netivot. Der Ort liegt knapp 10 km vom Gazastreifen entfernt. Den Sicherheitsbehörden liegen jedoch keine Informationen über eine verbesserte Reichweite der palästinensischen Raketen vor. Man geht eher davon aus, dass der Wahlkampf in der Autonomiebehörde Hintergrund für den zunehmenden Beschuss in den letzten Tagen ist.

Das Verteidigungsministerium reagierte auch auf politischer Ebene und wandte sich über die Amerikaner mit einer Botschaft an den Vorsitzenden der Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas: „Wenn die Angriffe andauern, wird Israel alle (möglichen) Maßnahmen ergreifen. Sie müssen den Beschuss ziviler Ortschaften sofort einstellen.“

Die Sicherheitsbehörden erklärten, dass man parallel zu den Maßnahmen gegen die Terroristen nach wie vor zwischen Terroristen und der palästinensischen Bevölkerung, die nicht am Terror beteiligt ist, unterscheiden wird. So ist es auch gestern geschehen, als weitere Arbeitsgenehmigungen für Palästinenser in Israel ausgestellt wurden.

Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:55:17 Uhr.

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Sharon auf dem Weg nach New York