38 Jahren Militärverwaltung
Armee verliess heute den Gazastreifen
Mit der Schließung des Tores am Grenzübergang Kissufim hat die israelische Armee heute Morgen den Rückzug ihrer Truppen aus allen Teilen des Gazastreifens abgeschlossen. 3.000 Soldaten verließen den Gazastreifen fast gänzlich ohne gewaltsame Zwischenfälle.
Am Grenzübergang Kissufim wurde eine Zeremonie zur Markierung der neuen Grenze veranstaltet. Der Leiter der Süd-Kommandantur, Dan Harel, sagte: „Die Aufgabe wurde dank den Tausenden Soldaten und Soldatinnen, Polizisten und Polizistinnen und den Truppen des Grenzschutzes, die an der Operation im Gazastreifen teilgenommen haben, sowie aufgrund der Professionalität, des Mutes und des Aufopferung der Soldaten der Gaza-Division, die hier jahrelang gekämpft haben, erfolgreich durchgeführt.“
Der Kommandant der Gaza-Division, Brigade-General Aviv Kohavi, sagte: „Die Aufgabe ist vollendet“, und fügte hinzu: „die Verantwortung für das, was im Gazastreifen getan wird, obliegt der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die Verantwortung für die Sicherheit der Bürger des Staates wird weiterhin vollständig bei der israelischen Armee liegen.“
Die israelische Armee räumte heute Morgen auch den schwer bewachten Grenzstreifen zwischen dem südlichen Gazastreifen und Ägypten ("Philadelphi-Route"). Sie fuhren mit vereinzelten Fahrzeugen, die noch übrig waren, entlang der Grenze in Richtung Kerem Shalom, und ließen den hohen Zaun, der dort errichtet wurde, hinter sich zurück.
Der Rückzug aus dem Gazastreifen verlief fast ohne Probleme. Lediglich ein gepanzertes Truppenfahrzeug der Armee war an der Kissufim-Straße während des Rückzugs hängen geblieben, und die Truppen waren dazu gezwungen, mehrmals massiv in die Luft zu feuern, um die Palästinenser so lange fernzuhalten, bis der Wagen geborgen war. An der Philadelphi-Route feuerten Palästinenser eine Handgranate auf israelische Truppen ab. Gegen Morgen schlug eine Qassam-Rakete auf offenem Gelände in der Nähe von Sderot ein. In keinem der Fälle gab es Verletzte.(Walla, 12.9.)
Synagogen im Gazastreifen in Brand
Bewaffnete Palästinenser sind in der Nacht in die Siedlung Newe Dekalim eingedrungen und haben auf dem Dach eines Gebäudes die Fatah-Flagge gehisst. In Netzarim übernahmen die „Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden“ der Fatah die Verantwortung für den Brand in der Synagoge der ehemaligen Siedlung.
In der Siedlung Kfar Darom setzte eine palästinensische Menschenmenge die „Haslat“-Fabrik im Industriegebiet in Brand. Die Flammen waren noch in großer Entfernung zu sehen.
„Die Israelis haben unsere Häuser und unsere Moscheen zerstört“, sagte einer der Randalierer, der sich als Abu Ahmad zu erkennen gab. „Heute sind wir an der Reihe, eure zu zerstören.“
Ein hochrangiger Offizier der Süd-Kommandantur sagte heute Nacht in Reaktion auf die Mitteilung: „Wenn das stimmt, dann ist das sehr schlimm. Wir haben erwartet, dass die Palästinenser die Synagogen schützen werden, so wie Israel die Moscheen und Kirchen schützt. Andererseits zeigt dies ihre hässliche Seite und dass sie nicht die Macht haben, die Synagogen zu schützen.“
Wenige Stunden vor Abschluss des israelischen Rückzugs aus dem Gazastreifen teilten Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde mit, dass sie die Synagogen in den Siedlungen selbst zerstören werden. Tawfiq Abu Hussa, Sprecher des palästinensischen Innenministeriums, teilte gestern Abend mit, dass alle in den geräumten Siedlungen verbleibenden Gebäude, außer den landwirtschaftlichen Gewächshäusern und den Bewässerungsanlagen, abgerissen werden.
Die Hamas drückte ihre Unterstützung für die Zerstörung der Synagogen aus. „Die weitere Existenz der Synagogen in den Siedlungen liefert Munition für eine weitere Besatzung und bietet den Siedlern einen Grund, in der Zukunft zurückzukommen und die geräumten Siedlungen zu besuchen.
Am Sonntag (11.9.) entschied die Regierung mit großer Mehrheit, die Synagogen im Gazastreifen nicht abzureißen. 14 Minister waren gegen den Abriss, nur zwei waren dafür. Ministerin Dalia Itzik enthielt sich. (Ma'ariv, 12.9.)
Rakete auf Sderot
Während des Abzugs der israelischen Armee aus dem Gazastreifen haben radikale Palästinenser eine Kassam-Rakete auf die israelische Grenzstadt Sderot gefeuert. Wie der öffentliche israelische Rundfunk am Montag meldete, richtete das Geschoss jedoch keinerlei Schaden an. Der für die Region zuständige Armeekommandant, General Dan Harel, rief die Palästinenserbehörde dazu auf, die für den Angriff Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Palästinenser boykottieren Zeremonie
Ursprünglich wollten die Israelis in einer abschließenden Zeremonie am Eres-Grenzübergang Landkarten vom Gazastreifen an die Palästinenser übergeben. Doch am Sonntag teilte die PA der israelischen Regierung mit, dass die Palästinenser nicht daran teilnehmen würden. Als Begründung sagte der Sprecher des Innenministeriums, Tawfik Abu Chussa, dem israelischen Rundfunk: "Wir weigern uns, die Entscheidung zu akzeptieren, die Synagogen nicht zu zerstören. Deshalb weigern wir uns, an der Zeremonie teilzunehmen."
Ein weiterer Grund sei Israels Vorhaben, den Rafah-Übergang zwischen dem Gazastreifen und Ägypten monatelang zu schließen. "Sie werfen uns diese beiden Probleme ins Gesicht, und das ist wirklich unfair", beschwerte sich Chef-Unterhändler Saeb Erekat.
Von israelischer Seite hieß es, es liege im palästinensischen Interesse, die Landkarten zu bekommen. Dort seien Infrastruktur, landwirtschaftliche Grundstücke, Elektrizität und Industriegebiete eingezeichnet. Die Palästinenser schafften extremistischen Gruppen Raum, die die von Israel geräumten Gebiete übernehmen wollten. Trotz der Absage blieben israelische Sicherheitsbeamte am Sonntagnachmittag an dem Übergang, falls es sich die Palästinenser doch noch anders überlegen sollten.
"Israel nicht loben, sondern Druck ausüben"
Nabil Scha´ath
Israel verdient für den Rückzug aus dem Gazastreifen noch kein Lob von den arabischen Staaten. Diese Ansicht äußerte der palästinensische Informationsminister Nabil Scha´ath bei einer Konferenz der Arabischen Liga in Kairo.
Nach dem Abzug aus Gaza ignoriere Israel weiter die Rechte der Palästinenser im Westjordanland und in Jerusalem, sagte Scha´ath, der auch stellvertretender Premierminister ist. Er kritisierte Pakistan, weil es sich beeile, die Beziehungen mit Israel zu normalisieren. Die arabischen Staaten rief der Minister auf, diesem Beispiel nicht zu folgen. Das berichtet die Zeitung "Hazofeh" am Montag.
Während der Tagung einigten sich die arabischen Staaten darauf, das Nahost-Quartett um Hilfe beim Wiederaufbau im Gazastreifen aufzurufen. Dieses setzt sich zusammen aus den Vereinten Nationen, der Europäischen Union, den USA und Russland.
Zudem wurden die arabischen Staaten gebeten, bei der bevorstehenden UN-Vollversammlung Anliegen der Palästinenser anzusprechen. Die Versammlung solle Druck auf Israel ausüben, damit es den Ausbau der Siedlungen im Westjordanland und den Bau der Sperranlage stoppe.
Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:54:32 Uhr.
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