Siedler kündigen passiven Widerstand an

Kurz vor Beginn des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen haben die jüdischen Siedler passiven Widerstand angekündigt. Bei einem Treffen in der Siedlung Neve Dekalim riefen Siedlerführer die Bewohner dazu auf, die für Montag erwartete Anordnung zum Verlassen des Gazastreifens zu ignorieren. Die israelische Polizei verschärfte ihre Sicherheitsmaßnahmen. Zahlreiche Straßensperren wurden errichtet, um den Zugang zu den jüdischen Siedlungen im Gazastreifen zu verhindern.

"Die Leute sollen ihr Leben so normal wie möglich weiterleben", sagte ein Teilnehmer des Siedlertreffens in Neve Dekalim. Die Siedler kündigten an, auf Gewalt verzichten zu wollen: "Die Soldaten sind nicht unsere Feinde." Die Siedlerführer hätten an die Bewohner appelliert, die Lage nicht eskalieren zu lassen, berichtete der Teilnehmer: "Wer entscheidet hierzubleiben, ist ein Held, aber wir rufen alle Hierbleibenden auf, sich an die Anordnungen ihrer örtlichen Anführer zu halten."

Auch in der Altstadt von Jerusalem bezogen tausende Polizisten Position. Wegen eines jüdischen Feiertags werden im Laufe des Tages zehntausende Gläubige an der Klagemauer am Fuße des Jerusalemer Tempelbergs erwartet. An dem Feiertag wird der Zerstörung der beiden jüdischen Tempel in Jerusalem gedacht. Die Behörden erwarteten eine äußerst angespannte Lage, da in der Nacht auf Montag die Frist für den freiwilligen Abzug der jüdischen Siedler aus dem Gazastreifen abläuft. Am Mittwoch will die Armee dann mit der Räumung der Gebiete beginnen.

Bis zu 4000 Gegner in Siedlungen

In den jüdischen Siedlungen im Gazastreifen halten sich vor dem geplanten Beginn des israelischen Abzugs bis zu 4000 Demonstranten illegal auf. Ein Protest werde die Räumung aber nicht verhindern, sagte der zuständige Befehlshaber der israelischen Armee, General Dan Harel, dem Armeeradio. Die israelische Regierung will morgen mit dem Abzug aus den 21 Siedlungen im Gazastreifen beginnen. Die palästinensische Autonomiebehörde hat unterdessen mehr als 7500 Polizisten positioniert.

Stunden vor Beginn des Abzugs haben israelische und palästinensische Sicherheitskräfte die jüdischen Siedlungen im Gazastreifen abgeriegelt. Zehntausende Polizisten und Soldaten sind in Alarmbereitschaft, um Störungen des für morgen geplanten Abzugs zu verhindern. Laut israelischer Armee soll von Mitternacht an jeglicher Zivilverkehr in die Siedlungen unterbunden werden. Die Palästinenser positionierten tausende Polizisten um die Siedlungen.

Israel leitet Abzug ein

Israel hat heute in der Nacht zu Montag offiziell den Abzug aus dem Gazastreifen eingeleitet. Um Mitternacht (Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ) trat eine gesetzliche Regelung in Kraft, derzufolge allen Israelis die Einreise in den Gazastreifen und der Aufenthalt dort verboten ist. Soldaten riegelten die Kissufim-Straße ab, eine wichtige Zufahrtsstraße in den Gazastreifen, wie eine Armeesprecherin mitteilte. In den frühen Morgenstunden wollen israelische Soldaten den Angaben zufolge damit beginnen, von Haus zu Haus zu gehen, um die verbliebenen jüdischen Siedler zur Evakuierung aufzufordern.

Peat Sade ein Geisterort

Die Siedlung Peat Sade ähnelt schon vor der Zwangsräumung der jüdischen Kolonien im Gazastreifen einem Geisterort. Die letzten der insgesamt etwa hundert Einwohner räumten ihre Häuser in der Nähe des Siedlungsblocks Gusch Katif schon an diesem Wochenende. Am Samstag gab es am Eingang der Siedlung bereits keine Militärkontrolle mehr; die Sicherheitsbarriere aus Metall stand vollkommen offen.

Fischer: Chance des Gaza-Abzugs nutzen

Kurz vor Beginn des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen hat Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) an Israelis und Palästinenser appelliert, einen friedlichen und reibungslosen Abzug zu ermöglichen. Es komme jetzt darauf an, die Chancen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und der Sicherheit sowie zur Fortsetzung des Nahost-Friedensprozesses zu nutzen, erklärte Fischer am Sonntag in Berlin. Für die Palästinenser heiße dies, Reformen voranzutreiben und die bestehende Waffenruhe einzuhalten.

 

Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:55:20 Uhr.

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