Israel nimmt 300 Gegner des Gaza-Rückzugs fest

Israelische Sicherheitskräfte haben rund 300 radikale Gegner des Gaza-Rückzugs festgenommen, die trotz eines Verbots in die größte jüdische Siedlung des Palästinensergebiets vorzudringen versuchten. Angesichts der Proteste der vergangenen Tage gegen den Rückzug erwägt die israelische Regierung, die für Mitte August geplante Räumung des Palästinensergebiets vorzuziehen. Auf diese Weise könnte sie weiteren Aktionen gegen die Räumung zuvorkommen, sagte ein Mitarbeiter von Ministerpräsident Ariel Scharon.

Einige der Festgenommenen seien bereits dabei gewesen, die Sperren zwischen Israel und dem Gazastreifen zu überwinden, sagte ein Polizeisprecher. Sie seien zur Vernehmung nach Beerscheba gebracht worden.

Stunden zuvor hatten tausende Gegner des Rückzugs ihre dreitägige Demonstration an der Grenze zum Gazastreifen beendet. Die Organisatoren kündigten jedoch an, ein harter Kern wolle weiterhin versuchen, zum Siedlungsblock Gusch Katif vorzudringen, um den Widerstand der Bewohner gegen ihre Evakuierung zu unterstützen.

Scharons Stellvertreter Schimon Peres und Ehud Olmert sprachen sich im öffentlichen Rundfunk ebenfalls dafür aus, mit der Räumung der 21 Siedlungen im Gazastreifen und vier weiteren im Westjordanland früher als geplant zu beginnen. Vom rechtlichen Gesichtspunkt aus könnte der Rückzug bereits am 22. Juli starten, sagte Olmert.

Scharon werde am Freitag mit US-Außenministerin Condoleezza Rice bei ihrem geplanten Treffen darüber beraten, ob der Gaza-Rückzug früher als geplant erfolgen könne, sagte ein Mitarbeiter des israelischen Ministerpräsidenten. Rice kommt am Abend zu einer neuen Nahost-Mission nach Israel und in die Palästinensergebiete. Bei den dreitägigen Gesprächen mit der Palästinenserführung und Vertretern der israelischen Regierung geht es vor allem um den bevorstehenden historischen Abzug Israels aus dem Gazastreifen.
Unterdessen untersagten die israelischen Behörden Dutzenden von europäischen Pazifisten die Einreise ins Westjordanland, wo sie an einer Demonstration gegen die israelische Sperranlage teilnehmen wollten. Eine Demonstrantin sagte, die Behörden hätten die "Karawane für Palästina" mit rund 150 Pazifisten aus Frankreich, Italien, Großbritannien, Irland und Deutschland seit Dienstagabend an der Grenze blockiert.

Großteil der Siedler verlässt Kfar Maimom

Im Zuge der Siedlerproteste gegen den Gaza-Abzugsplan hat ein Großteil der Demonstranten den südisraelischen Ort Kfar Maimom verlassen. Das verlautete in der Nacht zum Donnerstag aus Polizeikreisen. Der Vorsitzende des Siedlerrats für das Westjordanland und den Gazastreifen, Bentzi Liberman, sagte, die Demonstranten wollten den Siedlungsblock Gusch Katif im südlichen Gazastreifen nun nicht mehr durch einen Massenansturm auf Polizeisperren erreichen. "Wir werden in kleinen Gruppen in Gusch Katif eindringen und in zwei Wochen werden wir dort 10.000 sein", sagte Liberman. Dennoch sollten einige Demonstranten in Kfar Maimon bleiben, damit der Ort als Basis für künftige Protestaktionen dienen könne.

Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:54:53 Uhr.

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