Am Vorabend der 17. Maccabia
Ganz oben, Der israelische Stabhochspringer Alex Averbukh, hier an der 16. Maccabia
Mehr als 4500 Teilnehmer aus über 50 Staaten werden, zusätzlich zu den 2000 israelischen Sportlern, an der 17. Maccabia teilnehmen, die vom 10. bis zum 21. Juli über die Bühne geht. Offiziell wird die Maccabia als die «jüdische Olympiade» geführt. Sie ist weltweit das grösste jüdische Ereignis, und nach den Olympischen Spielen und den Commonwealth-Spielen der drittgrösste Sportanlass überhaupt.
Am Vorabend der 17. Auflage der Maccabia, die im Juli in Israel über die Bühne gehen wird, sagt Maccabia-Sprecherin Yonat Svedner: «Diese Spiele werden die grössten und besten sein, die je stattgefunden haben. An den Eröffnungs- und Schlusszeremonien wird es spektakuläre Einlagen geben, und erstmals werden Delegationen aus China, Mazedonien und Granada an den Spielen teilnehmen.» Nimmt man die weiteren 20000 Gäste hinzu, die zur Maccabia in Israel erwartet werden – Verwandte und Freunde von Sportlerinnen und Sportlern –, dann kann man davon ausgehen, dass die Spiele der sich langsam von der Intifada erholenden Tourismuskasse des Landes rund zehn Millionen Dollar zufliessen lassen werden. Die grösste Delegation stellt Israel selber. Zu ihr gehört der Windsurfer Gal Friedman, der Gewinner einer Goldmedaille an den Olympischen Spielen in Athen 2004, der Judoka Arik Zeevi, der mit einer Bronzemedaille von dort zurückgekehrt ist, und Alex Averbukh, der Europameister im Stabhochsprung. Auch wenn die Teilnehmerliste erst Ende Juni definitiv erstellt wird, weiss man heute schon, dass rund 35 Prozent des israelischen Teams Neueinwanderer aus den GUS-Staaten und aus Äthiopien sein werden. Lenny Krayzelburg, der an den Olympischen Spielen drei Goldmedaillen erschwommen hat, wird als Captain das US-Team (mit 1200 Personen Rekordgrösse) anführen. Diesem gehört auch der Schwimmer Scott Goldblatt an, der in Athen zwei Goldmedaillen errungen hat. Herb Brown schliesslich, der schon bei den Detroit Pistons und den Atlanta Hawks gecoacht hat, wird das amerikanische Basketballteam betreuen. «Es ist schon etwas Besonderes», sagte Krayzelburg, der schon 2001 Captain war, «der US-Delegation anzugehören und gleichzeitig Captain zu sein. Seit 2001 sind meine Kontakte zur Maccabi-Bewegung immer enger geworden. Für mich sind die Maccabia-Spiele ein lebensbestimmender Anlass, der viele Leute beeinflusst, und ich bin stolz, dazuzugehören.» Am 14. Juli wird Krayzelburg auch in die internationale Halle des jüdischen Sports im Wingate-Institut in Israel eingeführt werden.
Getrübte Maccabia 1997
Neben dem Schwimmen werden die Athleten in weiteren 26 Sportarten gegeneinander antreten, wobei Leichtathletik als Sammelsportart gilt. Die vertretenen Sportarten zeigen einen klaren angelsächsischen Trend mit Cricket, Rugby, Rasenbowling, Badminton, Squash, Bowling, Softball und Bridge. Weitere Wettkampfarten sind Beachvolleyball, Basketball, Fussball, Karate, Ringen etc. Eine erfolgreiche Abwicklung des Anlasses wird mithelfen, das angekratzte Image der Maccabia-Bewegung aufzupolieren. Die 16. Spiele im Jahre 2001 wären wegen der Sicherheitslage beinahe abgesagt worden, und als sie dann doch durchgeführt wurden, kamen nur 2200 Athleten aus 46 Ländern, zusätzlich zu den 1000 israelischen Teilnehmern. Vier Jahre zuvor hatte man eine Rekordteilnehmerzahl von 5500 Athleten registriert, doch wurde der Anlass durch den Einsturz einer Brücke über dem Yarkon-Fluss getrübt. Vier Mitglieder des australischen Teams starben, Dutzende weitere wurden verletzt. Dieses Jahr wollen die Australier mit einer Rekordbeteiligung von 550 Personen aufwarten, nachdem alle ausstehenden Punkte wie die Kompensationen für die Hinterbliebenen und Verletzten geregelt werden konnten. Allerdings kann die australische Maccabia-Bewegung nicht verstehen, dass möglicherweise der für die Organisation der Spiele von 1997 zuständig gewesene Yoram Eyal auch dieses Mal wieder anwesend sein wird, nachdem er im Zusammenhang mit dem Brückeneinsturz der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden worden war. Nicht auszuschliessen, dass das australische Team dagegen protestieren wird, dass Eyal bis heute Schlüsselpositionen in der Maccabia-Weltbewegung innehält.
Neben den über 400 Sportlerinnen und Sportlern aus Grossbritannien werden, wie Ricky Philip, Vorsitzende des britischen Maccabia-Organisationskomitees erklärte, rund 1100 Verwandte und Freunde mitkommen, um das Team zu unterstützen. «Wir investieren 1,8 Millionen Dollar in das Unternehmen. Die meisten der Teilnehmer sind jung und können die anfallenden Kosten nicht alleine tragen. Ohne unsere Sponsoren – KKL Grossbritannien und Pentland Sports – könnten wir gar nicht so viele Sportler nach Israel bringen.» Noch mehr, fast vier Millionen Dollar, mussten die Kanadier mobilisieren, um ihre 600 Teilnehmer nach Israel bringen zu können.
Während die Maccabia-Bewegungen in den wohlhabenden Staaten Westeuropas und Nordamerikas die finanziellen Lasten in der Regel selber tragen können, wird die Weltbewegung Delegationen aus den ärmeren Staaten Lateinamerikas, Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion kräftig subventionieren müssen.
Erste Maccabia 1932
Trotz den Problemen der jüngsten Vergangenheit bleibt die integrative Rolle unangetastet, welche die Maccabia in der zionistischen Bewegung spielt. Im Alter von erst 15 Jahren war Yosef Yekutieli so beeindruckt gewesen von den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm, dass sein Entschluss reifte, eine «jüdische Olympiade» in Erez Israel zu schaffen. Aber erst 1928 unterbreitete er seine Pläne dem KKL-Vorsitzenden Menachem Ussishkin, der begeistert war von der Idee. Die ersten Spiele fanden 1932 statt, als 390 Athleten aus 18 Staaten sich im eigens dafür errichteten Stadion in Tel Aviv einfanden. Weil man über kein Schwimmbecken verfügte, mussten die Schwimmwettbewerbe im Mittelmeer ausgetragen werden. Nach der Machtergreifung der Nazis beschlossen viele der 1250 Teilnehmer der zweiten Maccabia im Jahre 1935 klugerweise, nicht nach Europa zurückzukehren, sondern zogen es vor, als illegale Immigranten im Lande zu bleiben. Von denen, die doch nach Europa zurückreisten, starben viele im Holocaust. Die nächste Maccabia fand erst wieder 1950 statt – das waren die ersten Spiele im neu gegründeten Staat. Doch die Verbrechen der Nazis und die wirtschaftlichen Sparmassnahmen im Nachkriegseuropa führten dazu, dass sich nur 800 Athleten aus 20 Staaten zu den Spielen einfanden. Zur vierten Maccabia 1953 kamen 890 Sportler aus 22 Ländern, und seither fand die jüdische Olympiade alle vier Jahre statt. Zu Beginn der 17. Maccabia wird Olympia-Goldmedaillen-Gewinner Gal Friedman das Maccabia-Feuer entzünden.
Zusätzlich zu Israels Olympia-Medaillengewinner und den amerikanischen Schwimmern werden aus Russland drei Fechter antreten, die bei den Olympischen Spielen in Athen Medaillen gewonnen haben, sowie der Fechteuropameister Dimitri Ragin. Im Grossen und Ganzen aber werden die Wettkämpfe an der Maccabia weit entfernt vom olympischen Niveau sein. Weltrekorde wird es daher wohl kaum zu beklatschen geben, doch der Umstand, dass so viele Sportler und ihre Familien nach Israel kommen, wird sich für das ganze jüdische Volk als Gewinn erweisen.
Simon Griver
© 2001 - 2005 tachles Jüdisches Wochenmagazin
Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:54:34 Uhr.
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