Warum ausgerechnet Äquatorialguinea?

Die Finger davon lassen?

Beziehungen zwischen dem Präsidenten Äquatorialguineas Nguema Mbasogo, hier mit Jacques Chirac, und Israel stossen international sauer auf



Das Regime in Äquatorialguinea gilt als eines der korruptesten Afrikas. Nun soll die Präsidentengarde ausgerechnet dieses Landes von israelischen Experten ausgebildet werden.


von Yossi Melman

Israelische Waffenhändler und Sicherheitsfirmen verhandeln mit den zuständigen Stellen in Äquatorialguinea über einen Vertrag zur Ausbildung der Präsidentengarde des Landes. Darüber hinaus bemühen sich die involvierten israelischen Unternehmen und Händler, für Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo einen Besuch in Israel zu organisieren, in dessen Verlauf der Gast mit Staatspräsident Moshe Katsav und Premierminister Ariel Sharon zusammenkommen würde. Aus Kreisen des israelischen Aussenministeriums verlautete, man sei sich der Bemühungen um die Arrangierung eines Präsidentenbesuchs und der intensiven Aktivitäten israelischer Rüstungsfirmen in Äquatorialguinea bewusst. «Sogar wenn wir diesen Aktivitäten und den Versuchen, einen Besuch für Präsident Nguema Mbasogo in die Wege zu leiten, kritisch gegenüberstünden», erklärte das Aussenministerium der Zeitung «Haaretz», «könnten wir dem Oberhaupt eines Staates, mit dem wir diplomatische Beziehungen unterhalten, den Empfang nicht verweigern. Im Übrigen ist es schon früher vorgekommen, dass Visiten fremder Staatsoberhäupter von privater Seite organisiert worden sind, das ist nichts Ungewöhnliches.»

Stärkung der Tyrannherrschaft?

Sollten Israeli die Präsidentengarde Äquatorialguineas tatsächlich ausbilden, würde das nach Ansicht internationaler Menschenrechtsorganisationen einen der korruptesten und tyrannischsten Präsidenten Afrikas stärken. Diese Ausbildung würde, so fürchten die Organisationen, dem Präsidenten helfen, eine todbringende Kampagne gegen Rivalen und politische Oppositionelle durchzuführen.

Die Israelische Militärindustrien (IMI) haben vor einem Jahr Äquatorialguinea in israelischen Werften hergestellte schnelle Patrouillenboote des Typs «Shaldag» im Wert von rund zehn Millionen Dollar verkauft. Ein Sprecher von IMI lehnte es diese Woche allerdings ab, einen Kommentar zu diesem Geschäft abzugeben. IMI gehört zu den israelischen Firmen, die sich um den Ausbildungsvertrag für die Präsidentengarde bemühen.

Vor rund einem Jahr ist in Äquatorialguinea ein Putschversuch fehlgeschlagen. Bei den Drahtziehern handelte es sich um britische Geschäftsleute, unter ihnen Mark Thatcher, der Sohn der ehemaligen Regierungschefin Margaret Thatcher. Unterstützung gefunden hatten die Putschisten bei britischen, südafrikanischen, armenischen und deutschen Söldnern. Die meisten von ihnen sind in Äquatorialguinea, Südafrika und Simbabwe verhaftet und zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Nach dem Putschversucht gelangte Präsident Nguema Mbasogo an israelische Waffenhändler und Sicherheitsfirmen mit der Bitte um Hilfe.

Ehemalige spanische Kolonie

Neben IMI ist auch Aeronautics Defense Systems aktiv in Äquatorialguinea. Die Firma produziert unter anderem Dronen, also unbemannte Aufklärungsflugzeuge. Im Vorstand der Firma sitzen diverse hochrangige ehemalige IDF-Offiziere. Avi Leumi, der Vorsitzende der Aeronautics, wollte zu diesen Sachverhalten keine Stellung beziehen, doch ist bekannt, dass die Firma unlängst in der Elfenbeinküste, wo ein Bürgerkrieg tobt, in undurchsichtige Geschäfte verwickelt war. Auf Ersuchen Frankreichs hat das Tel Aviver Verteidigungsministerium alle israelischen Rüstungskontakte mit der Elfenbeinküste unterbunden.

Das in Westafrika zwischen Gabun und Kamerun gelegene Äquatorialguinea ist eine ehemalige spanische Kolonie. Bis vor wenigen Jahren galt das Land als einer der am wenigsten entwickelten Staaten des Kontinentes. Die Entdeckung und Förderung grosser Mengen Erdöls vor einigen Jahren hat das Land aber zu einem der wichtigsten Ölproduzenten Afrikas gemacht, und heute operieren dort amerikanische, britische, südafrikanische und malaysische Erdölkonzerne. Die Patrouillenboote von IMI sollen die Bohrtürme im Meer schützen.

Obiang Nguema Mbasogo gelangte 1979 an die Macht, nachdem er dem Vernehmen nach den damaligen Präsidenten, seinen Onkel, hat beseitigen lassen. Laut Angaben von Menschenrechtsgruppen verüben seine Sicherheitskräfte regelmässige Morde, führen Massenverhaftungen durch und foltern Gefangene.
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Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:55:27 Uhr.

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