Frieden ist das Schönste
Historische Bedeutung; Die beleuchtete Fassade des Menachem-Begin-Zentrums in Jerusalem
In Jerusalem steht seit einiger Zeit in der Nähe der Altstadtmauer das Menachem-Begin-Zentrum als Tribut an einen mutigen Mann voller Visionen.
Menachem Begin weinte nur selten. Er weinte weder als die Russen ihn inhaftierten und Zwangsarbeit verrichten liessen, noch als er als Jura-Student Hunger litt. In der Nacht jedoch, in der der Staat Israel verkündet wurde, vergoss er «Tränen der Trauer und der Freude ob der Erlösung des jüdischen Volkes».
«Die Feierlichkeit der Stunde überwältigten mich», schrieb Begin, damals Kommandant der Untergrundbewegung Ezel, in seinen Memoiren. «Während 2000 Jahren wanderte eine Nation auf dem Erdball, und jetzt, in der 71. Generation ihres Exils, ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt».
Das neue Menachem-Begin-Zentrum wird von Harry Hurwitz geleitet, einem engen Freund des ehemaligen Premierministers und früheren Chefredaktor des «South African Jewish Herald». Das Zentrum erhielt offizielle staatliche Anerkennung und Unterstützung, als die Knesset 1998 ein Gesetz für die Errichtung von Erinnerungszentren sowohl für Begin als auch für Rabin verabschiedete. Das Zentrum ist darauf ausgerichtet, Begins Hinterlassenschaft der Nachwelt zu vermitteln und kommenden Generationen die durch ihn personifizierten Werte näher zu bringen – vor allem «ahavat am Israel» und «ahavat erez Israel» («Liebe für das Volk und das Land Israel»). Das Zentrum beherbergt ein interaktives Museum, ein Forschungsinstitut, ein Archiv mit Dokumenten und Fotografien, Audio- und Videokassetten im Zusammenhang mit Begins Leben, Bücher aus seiner privaten Bibliothek, verschiedene Konferenzräume, einen Vorlesungssaal, eine kleine Synagoge und ein Restaurant.
Zur Förderung von Begins Demokratie-Gedanken führt das Zentrum zehnwöchige Kurse über parlamentarische Demokratie für Studenten aus über 200 Bildungseinrichtungen aus dem ganzen Land durch. Zum Abschluss eines jeden Kurses werden je zwei Schulen ins Zentrum eingeladen, wo sie in einem Auditorium – ähnlich der Knesset – an einer Debatte zu wichtigen aktuellen Themen teilnehmen.
Tour durch Begins Leben
Das vierte Stockwerk des Gebäudes beherbergt das Museum. Neben beeindruckenden akustischen und visuellen Präsentationen zeigt das Museum eine Nachstellung von Aliza und Menachem Begins kleiner Zwei-Zimmerwohnung in Tel Aviv, in der das Paar mit seinen drei Kindern während 29 Jahren lebte, bevor es sich in der Residenz des Premierministers in Jerusalem niederliess. Das Museum präsentiert dem Besucher eine abwechslungsreiche Mulit-Media-Reise voller Action an, welche die historischen Höhepunkte in Begins Leben aufzeigt und ihn als Redner, Kämpfer, Staats- und Friedensmann wie auch als Visionär darstellt. Die Tour beginnt im polnischen Brisk (heute Brest-Litovsk), wo Menachem Begin im August 1913 zur Welt kam. Über Warschau, wo er studierte, geht es weiter nach Vilna, wo er verhaftet und in ein sowjetisches Gefängnis gesperrt wurde. Als Jugendlicher stellte er sein Talent für öffentliche Auftritte unter Beweis, wodurch er 1939 den Weg an die Spitze der polnischen Betar-Jugendbewegung fand. Zeev Jabotinsky, der Gründer von Betar, setzte sich für die Rückkehr der Juden in ihre Heimat ein, für die Belebung des Hebräischen als gesprochene Sprache und für die Bildung einer jüdischen Armee.
Diese Ideen faszinierten Begin, der 1942 in dem unter britischem Mandat stehenden Palästina eintraf. Dort wurde er zum Kommandanten von «Irgun Zvai Leumi» (Nationale Militärische Organisation, Ezel genannt), der von Jabotinsky gegründeten Untergrundbewegung, welche die Juden und ihren Besitz schützen, den arabischen Terrorismus bekämpfen und die «illegale» Immigration aus Europa fördern sollte. In seiner Funktion dirigierte Begin die Operationen von Ezel gegen die Briten. Diese wiederum setzten für Informationen, die zu seiner Verhaftung führen würden, eine Belohnung von 10000 britischen Pfund aus.
Als Überlebender des Holocaust hat Begin nie vergessen, dass die Nazis seinen Bruder Herzl und seine Eltern – überzeugte Zionisten – ermordet haben. Seine Mutter war damals aus dem Krankenhausbett gezerrt und auf der Strasse erschossen worden; der Vater war mit 500 anderen Juden ertränkt worden, während das Schicksal des Bruders bis heute ungeklärt ist. Nur Begins Schwester überlebte.
Nach der Ausrufung des Staates Israel gedachte Begin der Vergangenheit in einer bewegenden Radiorede, die vom geheimen Ezel-Hauptquartier aus ausgestrahlt wurde: «Nach vielen Jahren des Untergrundkrieges, Jahren der Verfolgung und des moralischen und physischen Leidens, stehen die Rebellen gegen die Unterdrücker vor ihnen mit einem Segen des Danks auf ihren Lippen und einem Gebet in ihren Herzen. Heute ist ein wahrer Feiertag, ein heiliger Tag, und eine neue Frucht entwickelt sich vor unseren Augen. Die erste hebräische Revolte seit dem Aufstand der Hasmonäer hat mit einem Sieg geendet.» – Anschliessend gründete Begin die Cherut-Bewegung und führte bis zur zehnten Wahl im Jahre 1981 alle Listen der Partei in den Knessetwahlen an.
Nobelpreis für Israel und Ägypten
Besucher des Museums werden die vielen Ereignisse miterleben, welche den Staat Israel in den 29 Jahren geformt haben, die Begin an der Spitze der Opposition miterlebt und -gestaltet hat. Sie können auch an der Wahlveranstaltung des Likud von 1977 «teilnehmen» und Begins berühmte Ansprachen am Vorabend des Sieges seiner Partei hören. Das Ende der Tour bildet eine spektakuläre audio-visuelle Schau, die Menachem Begins Rolle als sechster Regierungschef Israels zusammenfasst.
Zu seinen herausragenden Erfolgen zählt seine 1977 ausgesprochene Einladung an den damaligen Präsidenten Ägyptens, Anwar Sadat, nach Jerusalem, ein Besuch, der den Friedensprozess zwischen den beiden Staaten einläutete. «Kein Krieg mehr, kein Blutvergiessen mehr», sagte Begin anlässlich der Unterzeichnung des Friedensvertrages auf dem Rasen des Weissen Hauses in Washington im Jahre 1979. Ein Jahr zuvor hatte er sich zusammen mit Sadat den Friedensnobelpreis geteilt.
Nicht einmal seine Frau hatte eine Ahnung von der schwierigen Entscheidung, die Begin mit strategischer Weitsicht traf, als er im Juni 1981 die Bombardierung eines irakischen Nuklearreaktors anordnete. Westliche Regierungen, die die Tat zuerst kritisiert hatten, waren bei Ausbruch des Golfkriegs 1991 voller Lob für Begin.
Begin sagte den Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums voraus und mobilisierte noch vor seiner Wahl zum Regierungschef die Aufmerksamkeit der Welt für den Kampf zu Gunsten der Sowjetjuden. Während seiner Amtszeit konnte er die erste Welle der russischen Alija in Israel begrüssen, rund 200000 Menschen. Auch bei der sogenannten Operation Salomon, die äthiopische Juden nach Israel brachte, war Begin hinter den Kulissen sehr aktiv. Zudem unterbreitete er dem israelischen Volk das Konzept «Project Renewal», ein urbanes Erneuerungsprojekt, von dem Einwohner von Entwicklungsstädten und benachteiligten Wohnvierteln in ganz Israel – zu einem grossen Teil ehemalige Immigranten und deren Kinder – profitierten können. Auch förderte er die Ausbildung von Führungskräften in diesen Gemeinschaften.
Poetische Vision im Zentrum
Vor dem Hintergrund des Todes seiner geliebten Frau Aliza und angesichts von Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Libanon-Krieg, der 1982 lancierten Invasion des nördlichen Nachbarlandes im Bestreben, die Israel bedrohende terroristische Infrastruktur zu zerstören, beschloss Menachem Begin, im September 1983 zurückzutreten.
Trotz seines Engagements in den Untiefen von Politik und Regierungstätigkeit hielt Menachem Begin an seiner poetischen Vision fest. An der Zeremonie zur Verleihung des Friedensnobelpreises sagte er im Dezember 1978 in Oslo: «Der Frieden ist das Schöne am Leben. Er ist sein Sonnenschein. Das Lachen eines Kindes, die Liebe einer Mutter, die Freude eines Vaters, der Zusammenhalt einer Familie. Der Frieden ist der Fortschritt der Menschheit, der Sieg einer gerechten Sache, der Triumph der Wahrheit. Frieden ist all das zusammen und noch viel mehr ...»
Sharon Kanon
© 2001 - 2005 tachles Jüdisches Wochenmagazin
Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:54:46 Uhr.
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