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Der
30jährige Tal Shahar lebt seit sechs
Jahren in Nissanit. Er ist mit der Räumung einverstanden.
„Wir möchten diesen Ort seit langem verlassen, vor allem,
seitdem vor fast einem Jahr eine Qassam-Rakete in unserem Haus
einschlug. Meine Nachbarn haben Verständnis für diesen Wunsch.
Ich hatte mir gerade vorgenommen, in den Raum zu gehen, in dem
die Rakete einschlug, um etwas zu bügeln. Der ganze Raum flog in
die Luft. Unser Sohn war 4 Monate alt. Wir haben es gerade noch
geschafft, ihn vom Sofa zu holen, bevor dieses von der Wucht des
Einschlags umgehauen wurde.“
„Ursprünglich waren wir wegen der finanziellen Vergünstigungen
hierher gekommen. Keiner von uns wäre in der Lage gewesen,
irgendwo anders Land in einer so malerischen Umgebung zum
gleichen Preis zu kaufen, zu dem wir das Angebot bekamen.
Deshalb kamen alle hierher, meine Eltern, meine Schwester, mein
Schwager. Wir sind alle bereit, diesen Ort hier zu verlassen.
Und wir sind nicht die einzigen. Es gibt etwa 400 Familien in
Nissanit, und 90% von ihnen sind für die Evakuierung bereit.“
„Wir investieren nichts mehr in das Haus und auch nicht in den
Garten. Ich habe Windspiele gekauft, werde sie jedoch nicht
aufhängen. Selbst die Unordnung im Haus beseitigen wir nicht
mehr vollständig. Meine Frau und ich arbeiten in einer
Textil-Fabrik im Industriepark Erez. Auch diese Arbeitsplätze
werden wir verlassen. Die Fabrik soll nach Sderot verlegt
werden. Doch wir wollen nicht in eine andere Siedlung ziehen,
und ganz bestimmt nicht hier in dieser Gegend. Ich würde gern in
einen Ort im nördlichen Negev ziehen, zum Beispiel nach Nehora."
(...)
Der
56jährige Shlomo Wasserteil (Bild: HTML-Ausgabe) lebt
seit 27 Jahren in Ganei Tal und wäre unter bestimmten
Bedingungen bereit, die Siedlung zu verlassen.
„Ich bin Landwirt. In meiner Gärtnerei produziere ich
Geranientriebe. Jedes Jahr exportiere ich Millionen davon. Ich
habe sechs Kinder. Außer einem Sohn, der nicht in Gush Katif
lebt, wohnen alle im Viertel Ganei Tal. Auch zwei Enkel habe ich
hier. Ich bin der Sohn von Shoah-Überlebenden. Nachdem mein
Vater überlebt hatte, bekam er Einreisegenehmigungen für vier
Länder. Er ging nach Israel, weil er sagte: 'Hier werde ich
nicht noch einmal entwurzelt.' Vielleicht würde er jetzt
bedauern, dass er nicht nach New York gegangen ist.“
„Im Prinzip bin ich mit der Evakuierung nicht einverstanden.
Deshalb ging ich zu Ausschusstreffen der Knesset, um mich für
die Veränderung der Räumungskonditionen einzusetzen. Doch nach
einigen Treffen konnte ich nicht mehr. Ich hielt es nicht aus,
wie sie dort meine Seele und meinen Körper zerteilten. Mir kam
es vor, als würde ich mich selbst verkaufen.“
„Ich vertrete sicher nicht jeden hier. Doch ich sage Ihnen, wenn
der Ministerpräsident nach Gush Katif gekommen wäre und uns
persönlich gesagt hätte: 'Schweren Herzens muss ich euch
mitteilen, dass es zum Wohl der Bürger und des Staates Israel
keine andere Möglichkeit gibt als euch zu evakuieren, doch ich
sage euch meine Hilfe für den Umzug zu' - dann hätte ich und
viele andere geantwortet: 'Unsere größte Sorge gilt dem Wohl des
Volkes und wir werden die Menschen nicht für das Land opfern.'
Doch der Ministerpräsident kam nicht zu uns. Eines Tages lasen
wir in der Zeitung, dass der Ministerpräsident bekannt gab, dass
wir evakuiert würden, und wir haben seither nichts als
Schmähungen von ihm erlitten – dass wir gewalttätig und
habgierig seien.“
„Vor einigen Wochen, es war Mitternacht, lag ich noch wach und
sagte mir: ‚Ich werde versuchen, ein Bild von der Wand zu
nehmen, um zu sehen, wie sein würde, einzupacken’. Ich konnte es
nicht tun. Sie werden keine Gewalt anwenden müssen, um mich von
hier wegzubringen. Wenn die Polizei kommt, werde ich leise
gehen. Aber ich bin nicht in der Lage, zu packen und alles hier
zu lassen, was ich alleine aufgebaut habe. Jetzt sagen sie mir,
‚Wenn du nicht alle deine Dinge fristgerecht eingepackt hast,
wird dein Eigentum konfisziert.’“
„Die Leute in Nissanit und Alei Sinai haben es einfacher. Sie
verdienen ihr Geld innerhalb der Grünen Linie und sie werden an
ihrem Arbeitsplatz bleiben. Doch die Leute in Ganei Tal sind
Landwirte. Ich habe Treibhäuser auf einer Fläche von 10 Ar. Wie
kann ich mit diesen Treibhäusern umziehen, und wohin? Womit
werde ich im kommenden Jahr meinen Lebensunterhalt verdienen?“
Die 47jährige Ayala Azran lebt seit 18 Jahren in Neveh
Dekalim und kämpft gegen die Siedlungsräumung.
„Ursprünglich arbeitete ich als Künstlerin, ich machte
Glasmalerei, doch während der letzten fünf Jahre, einige Monate
vor Beginn der Intifada, habe begonnen, im Sicherheitsbereich zu
arbeiten. (Azran leitet den von Siedlern gegründeten
Gush-Katif-Sicherheitsausschuss.) Die letzten Monate habe ich
ganz und gar dem Kampf gegen den Abkopplungsplan gewidmet. Ich
reise durch das ganze Land von Treffen zu Treffen. Manchmal gehe
ich erst schlafen, wenn mein Mann zum Morgengebet aufsteht.“
(...)
„Manchmal glaube ich, dass diese ganze Plage, die über uns
gekommen ist, vom Himmel geschickt wurde. Wir sind dazu
bestimmt, die Rolle zur Klärung unserer Identität zu übernehmen.
Diese Abkopplung, von der jeder redet, ist eigentlich eine
Abkopplung von unserer Geschichte und unserer Identität.“
„Zu Hause ‚leben' wir die Räumung nicht. Ein Freund aus Ra’anana
hat mich gefragt: ‚Was? Ihr gießt wirklich noch den Garten?’ Ja,
ich gieße den Garten und wir pflanzen weiter Setzlinge. Und das
nicht aus Messianismus, sondern weil wir in Kontakt stehen, mit
Israelis, die uns stärken. Wenn aber - der Himmel möge und davor
bewahren – das alles doch geschehen wird, werden wir noch genug
Zeit haben, alles dafür zu organisieren. Auch jemand, der aus
einer Wohnung in der Stadt auszieht, muss nicht sechs Monate im
voraus planen. (...)“ (Nach einem Bericht und mit Bildern von
Ya'ir Sheleg, Ha’aretz, 17.2.05)
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