Juden müssen vor rechte Tendenzen warnen

"Das Thema Rechtsextremismus, Antisemitismus ist schon längst nicht eine innenpolitische Sache eines Staates." Interview mit dem RBB InfoRadio vom 02.02.2005; von Ingo Kahle

Frage: Natürlich spielt auch das Thema „Rechtsextremismus in Deutschland“ bei dem Besuch (von Bundespräsident Köhler in Israel) eine Rolle. Moshe Katzav sagte: Ich habe volles Vertrauen in die deutsche Demokratie, ich bin überzeugt, dass die Demokratie in Deutschland Mittel und Wege finden wird, sich damit auseinander zu setzen. Ist es richtig, dass in Israel im Moment viel mehr mit sich selbst beschäftigt ist, als dass dieses Thema und dieser Besuch eine große Beachtung fänden in der israelischen Öffentlichkeit?

Shimon Stein: Zur Beachtung dieses Besuches, glaube ich, kann man wohl sagen, dass schon im Vorfeld des Besuches die großen israelischen Zeitungen große Interviews am Wochenende mit dem Bundespräsidenten geführt (haben). Insofern mussten alle Zeitungsleser in Israel das zur Kenntniss nehmen...(Soviel) zur Aufmerksamkeit des Besuches.
Selbstverständlich beschäftigt sich Israel mit seinen eigenen Sachen, genauso wie die Bundesrepublik momentan mit Wirtschaft und Extremismus. Aber bei uns ist das Beschäftigen mit sich selber gleichzeitig auch (das Aufnehmen des dessen), was die Welt über uns sagt und denkt. Insofern gibt es keine klare Trennung zwischen den beiden Sachen.

Lassen Sie mich kurz zum Thema Extremismus etwas sagen. Ich glaube, das Thema kam gestern sowohl beim Staatspräsidenten- als auch beim Ministerpräsidentengespräch auf. Die beiden haben sich besorgt über die letzten Ereignisse in Deutschland geäußert. Wissen Sie, das Thema Rechtsextremismus, Antisemitismus ist schon längst nicht (mehr) eine innenpolitische Sache eines Staates. Das gehört, um den Bundespräsidenten zu zitieren, zur Weltinnenpolitik, und die Juden, glaube ich, sollen auch als Frühwarnsystem funktionieren. Und wo immer sie merken, dass Dinge schief gehen könnten, sollen wir auch unsere Stimme erheben. Wir sind Opfer von Antisemitismus. Insofern, wenn wir merken, dass irgendwo etwas passiert, sollten wir auch diejenigen sein, die auch vor Entwicklungen warnen. Wir erinnern uns alle, wie es angefangen (hat), und deshalb, glaube ich, ist es nur berechtigt, dass wir auch, wenn es notwendig ist, unsere Stimme erheben.

Das vollständige Interview kann unter folgendem Internetlink heruntergeladen werden: http://www2.inforadio.de/

© Botschaft des Staates Israel / Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:55:01 Uhr.

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