Effi Eitam – vom Chef zum Spalter
Mit dem Vorschlag, seine National-Religiöse Partei mit der Nationalen Union zu vereinen, riskiert der Vorsitzende Effi Eitam, die ohnehin schon in sich zerstrittene Partei endgültig zu spalten.
Wahrscheinlich würde Yosef Burg, der vor einigen Jahren verstorbene Mitbegründer der National-Religiösen Partei (NRP), seine «Misrachi», wie die Partei im Volksmund genannt wird, kaum wiedererkennen, würde er ihr in diesen Tagen einen Blitzbesuch abstatten. Von ihrem ehemals gemässigten religiös-zionistischen Kurs ist die NRP, die heute als das ideologische Hinterland der Siedler gilt, schon seit langem abgekommen.
Unter dem vor allem vom ehemaligen Minister Itzhak Levy unterstützten Vorsitzenden Effi Eitam aber driftet die Partei in letzter Zeit immer weiter in ideologisch-politische Randzonen der Rechtsszene ab. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte dieser von vielen ehemaligen NRP-Sympathisanten als traurig und beschämend etikettierte Prozess nun mit Eitams Vorschlag, die NRP mit der Nationalen Union (NU) unter einen Hut zu bringen. Zu diesem Zweck unterzeichnete Eitam ein Dokument mit NU-Chef Zvi Hendel, der früher selber zu den National-Religiösen gehört hatte.
Gemäss diesem Dokument würden die beiden Parteien zu den nächsten Knessetwahlen mit einer gemeinsamen Liste antreten.
Sollte, was zu erwarten ist, die NRP-Zentrale, dem Abkommen ihre Zustimmung verweigern, dürften Eitam und Levy mit ihrem Anhang zur NU wechseln, womit die Spaltung der NRP Tatsache werden würde. Zevulun Orlev, bis zum Ausscheiden der NRP aus Sharons Koalition vor wenigen Wochen noch Minister für soziale Wohlfahrt, appellierte an die Parteimitglieder, am «Platz im Zentrum der politischen Landkarte Israels» festzuhalten. Er erinnerte auch daran, dass die NRP unter der Führung des ehemaligen Bildungsministers Zevulun Hammer mit zehn Abgeordneten in der Knesset sass, doppelt so vielen Mandaten wie heute unter Eitam und Levy.
Mathematisch gesehen sind Orlevs Äusserungen korrekt. Der Mann, der bei einem allfälligen Ausscheiden Eitams wahrscheinlich neuer NRP-Chef werden würde, übersieht aber, dass der forcierte Rechtsdrall bei der NRP lange vor dem Sprung Eitams aus der Armee und dem politischen Nichts an die Spitze der Partei eingesetzt hat.
Leute wie Shaul Yahalom, selber ein ehemaliger Minister, versuchen mit allen Mitteln die Streithähne dazu zu bewegen, wenigstens bis zu den kommenden Wahlen die Einheit der NRP zumindest nach aussen hin zu wahren. Wer allerdings die giftigen Wortwechsel mitverfolgt hat, welche sich die Exponenten der miteinander konkurrenzierenden Richtungen in der NRP-Fraktion diese Woche vor aufgepflanzten Kameras geliefert haben, sieht sich beinahe veranlasst, unter die lange Geschichte der National-Religiösen Partei schon jetzt einen definitiven Schlussstrich zu ziehen.
Jacques Ungar
© 2001 - 2005 tachles Jüdisches Wochenmagazin
Letzte Änderung am Samstag, 5. Juli 2008 um 21:54:42 Uhr.
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