Was Israel von Abu Mazen erwartet
Abu Mazen soll die Zügel in die Hand nehmen
Ministerpräsident Ariel Sharon und Verteidigungsminister Shaul Mofaz werden heute, am 18.01.2005 mit Generalstabschef Moshe Ya’alon sowie mit führenden Offizieren der israelischen Verteidigungsarmee („Zahal“) zusammentreffen, um über Strategien gegen die seit Tagen anhaltenden palästinensischen Qassam-Raketen-Angriffe zu beraten. Ein führender Offizier sagte gestern, dass sich Zahal auf die Möglichkeit einer breiten Operation im Gazastreifen vorbereite, in einer präzedenzlosen Größenordnung, sollte die Autonomiebehörde weiterhin nichts gegen die Angriffe unternehmen.
„Israel erwartet, dass Abu Mazen die Zügel in die Hand nimmt. Bis jetzt haben wir immer nur leeres Gerede gehört“, sagte der Offizier. „Wir können in relativ kurzer Zeit dorthin kommen und eine Art „Schutzwall“-Operation durchführen. Das könnte noch lange vor der Abkopplung geschehen – und ohne einen Zusammenhang zu dieser. Wenn diese unerträgliche Situation andauert und die Siedlungen Gush Khatif und Sderot tagtäglich bombardiert werden, wird Israel in einer weitgefächerten Aktion handeln müssen.“
Ein führender Vertreter der palästinensischen Sicherheit sagte gestern, dass der Vorsitzende der Autonomiebehörde, Mahmud Abbas (Abu Mazen), die Sicherheitsinstitutionen in Gaza angewiesen habe, eine gemeinsame „Einheit zur Einmischung“ mit 500 bis 700 Polizisten aufzustellen, die in wenigen Tagen in jenen Gebieten eingesetzt werden soll, aus denen die feindlichen Organisationen Mörsergranaten und Qassam-Raketen abfeuern. „Im Gegensatz zu früher gibt es heute den klaren Befehl, den Beschuss zu beenden, und auch die Organisationen haben das verstanden“, fügte er hinzu. Und trotzdem konnte die Zahal gestern Abend (17.1.) keine Aktionen der palästinensischen Sicherheitsapparate im Gazastreifen verzeichnen, die in Folge der Anweisungen Abu Mazens hätten stattfinden sollen. In der vergangenen Nacht wurden zwei Qassam-Raketen auf eine Siedlung im nördlichen Gazastreifen abgeschossen. Vier Mörsergranaten schlugen heute Morgen in Gush Khatif ein. In beiden Fällen gab es weder Sachschaden noch Verletzte. Gestern wurden zwei weitere Qassam-Raketen auf Sderot abgeschossen.
Beim Generalstab heißt es, dass das Ausmaß der Qassam-Angriffe mit dem Beginn palästinensischer Aktionen zur Verhinderung des Beschusses abnehmen werde, selbst wenn diese Erscheinung nicht vollständig verschwinden würde. Zahal ist überzeugt, dass die palästinensischen Sicherheitsapparate durchaus dazu in der Lage sind, die Aufgabe zu meistern, wenn dies den Apparaten auf deutliche Art und Weise von der Führung der Autonomiebehörde auferlegt würde.
Israel beließ es auch gestern immer noch bei den eingefrorenen politischen Kontakten zur Palästinensischen Autonomiebehörde, was so bleiben wird, bis diese etwas gegen den Terror unternimmt. Eine politische Quelle in Jerusalem sprach davon, dass die Palästinenser auch auf internationaler Ebene unmissverständlich aufgefordert wurden, etwas gegen den Terror zu tun. In Israel geht man davon aus, dass Abu Mazen versuchen wird, Anschläge zu verhindern, der Forderung des israelischen Ministerpräsidenten jedoch nicht nachkommen wird. Dieser hatte darum gebeten, dass Sicherheitskräfte in dem Gebiet im Gazastreifen aufgestellt werden, von dem aus der Beschuss stattfindet. In Israel ist man sich sicher, dass Abbas befürchtet, eine solche Vorgehensweise könnte als Kooperation mit Israel ausgelegt werden. (Ha’aretz)
© ISRASWISS - Botschaft des Staates Israel / Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
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