Sechs Tote bei Selbstmordanschlag
Israelis wurden am Donnerstagabend bei einem kombinierten Doppel-Selbstmordanschlag und massivem Angriff am Karni-Übergang zwischen Israel und dem Gazastreifen getötet. Alle getöteten Israelis waren Zivilisten, sagte die Armee am Freitag. Vier Israelis wurden verletzt, drei von ihnen schwer.
Demzufolge werden alle Übergänge bis auf weiteres geschlossen bleiben. Israel will zunächst mit der palästinensischen Führung besprechen, was diese tun wird, um die Sicherheit auf der palästinensischen Seite der Übergänge zu verstärken, berichtete Radio Israel am Freitag.
"Der Karni-Übergang ist ein zentraler Übergang, durch den Waren, Medizin und Lebensmittel transportiert werden", sagte Brigadegeneral Abir Kochavi, Kommandeur der Gaza-Division, am Freitag gegenüber Radio Israel. "Aus unerklärlichen Gründen bemühen sich die Terroristen, jeden unserer Versuche, den Palästinensern das Leben zu erleichtern, zu zerstören."
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Kochavi sagte, die Menge der Waren, die den Übergang passieren, werde nach dem Anschlag drastisch gesenkt werden. Die Armee werde jedoch alles ihr mögliche tun, um den Schaden für unschuldige Zivilisten gering zu halten.
Die beiden palästinensischen Selbstmordattentäter starteten den Anschlag um etwa 22.45 Uhr Ortszeit. Sie benutzten zunächst einen großen Sprengsatz, dessen Gewicht Experten auf etwa 120 kg schätzen, um ein Loch in die Schutztür zu sprengen, die die israelische und die palästinensische Seite des Übergangs trennt. Die Selbstmordattentäter bahnten sich ihren Weg auf die israelische Seite des Übergangs und zündeten dort die Sprengsätze, die sie an ihren Körpern trugen, wodurch sie auch selbst getötet wurden.
Palästinensische Schützen eröffneten dann mit Granaten und leichten Waffen das Feuer auf die Israelis, die am Übergang arbeiteten. Israelische Soldaten erwiderten das Feuer und töteten drei palästinensische Schützen.
Der palästinensische Anschlag, der sich nur vier Tage nach der Wahl von Mahmoud Abbas ereignete, könnte als Herausforderung für den neuen Vorsitzenden der palästinensischen Autonomiebehörde betrachtet werden, weil dieser oftmals Selbstmordanschläge als schädlich für die palästinensische Sache verurteilt hatte.
Bedeutenderweise zeigten sich drei Terroristengruppen verantwortlich für den Anschlag: Hamas, das Popular Resistance Committee und die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, ein Zweig von Abbas' Fatah-Bewegung. Israel und Washington hatten erklärt, der erste Test für Abbas in seiner Führungsposition werde die Bereitschaft und Fähigkeit sein, die Terrorgruppen in Zaum zu halten.
Der Karni-Übergang war seit Beginn der Intifada im September 2000 das Ziel Dutzender von Anschlägen. Im März 2004 gelang es Hamas und Fatah, mit Hilfe eines ranghohen Mitarbeiters der palästinensischen Präventiv-Sicherheitsorganisation, der auf der palästinensischen Seite des Übergangs arbeitete, zwei Terroristen in einem Container durch den Übergang zu schmuggeln. Die Terroristen führten ihren Anschlag im Hafen von Ashdod aus. Dabei wurden zehn israelische Zivilisten getötet.
Hamas ist besonders bemüht, Anschläge auf Übergänge zwischen Israel und dem Gazastreifen auszuführen, weil diese für Palästinenser relativ einfach zu erreichen sind und weil dort immer Israelis präsent sind. Durch Anschläge auf Übergänge werden außerdem die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der palästinensischen Autonomiebehörde und Israel getroffen. (Ha’aretz/ynet)
Neuer Terror erschüttert Israel 14.01.2005
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Hintergrund: Terrorkrieg gegen Israel
Gaza (dpa) - Die Al-Alksa-Brigaden und die radikal-islamische Hamas-Bewegung haben sich zu zahlreichen Selbstmordanschlägen gegen Israelis bekannt. Immer wieder arbeiten die Gruppen dabei auch zusammen, obwohl sie auf politischem Feld konkurrieren:
Die Al-Aksa-Brigaden sind ein bewaffneter Arm der Fatah-Bewegung. Ihre Anführer waren einer Kontrolle des Palästinenserpräsident Jassir Arafat unterstellt, bis er vor zwei Monaten starb. Sein Nachfolger Mahmud Abbas will sie auf eine Waffenruhe verpflichten. Die Brigaden bestehen allerdings aus zahlreichen kleinen «Kampfeinheiten», was eine Kontrolle erschwert. Unter dem Namen Al-Aksa-Brigaden traten sie erstmals im Juni 2001 in Erscheinung.
Die islamistische Hamas-Organisation entstand unter Führung des später von Israel liquidierten Scheich Ahmed Jassin. Militant wurde die auch wegen ihrer Sozialdienste unter den Palästinensern populäre Bewegung nach Beginn der ersten Intifada 1987, als sie sich den «Heiligen Krieg» gegen Israel auf die Fahnen schrieb. Hamas kann im Gazastreifen auf etwa ein Drittel der Bevölkerung als Unterstützer zählen. An der Präsidentenwahl hat sich die Organisation nicht beteiligt, Abbas aber eine Zusammenarbeit angeboten.
Die Volkswiderstandskomitees der Intifada wurden mit Beginn der Palästinenseraufstandes als eine Art Dachorganisation militanter Gruppen gegründet. Die Organisation hat diese Rolle aber nicht übernommen. Ihr sind bewaffnete Gruppen angeschlossen, die sich Saladin-Brigaden nennen, ohne dass sie einer einheitlichen Führung unterstellt sind.
Abbas verurteilt Anschlag und israelische Militäre
Gaza (AFP) - Der neue Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat den jüngsten Anschlag radikaler Palästinenser auf einen Grenzposten, aber auch die israelischen Militäreinsätze verurteilt. Der Anschlag und die Einsätze der israelischen Armee, bei denen in der vergangenen Woche neun Palästinenser getötet worden seien, trügen nicht zum Friedensprozess bei, sagte Abbas am Freitag in Ramallah. Bei dem palästinensischen Angriff auf den Übergang Karni zwischen Israel und dem Gazastreifen waren am Donnerstagabend sechs israelische Zivilisten getötet und fünf weitere verletzt worden.
EU verurteilt Anschlag in Nahost
Brüssel (AP) Die Europäische Union hat die neue palästinensische Führung nach dem jüngsten Selbstmordanschlag zur Eindämmung der Gewalt aufgefordert. Die amtierende Luxemburger EU-Ratspräsidentschaft verurteilte den Anschlag am Freitag scharf und erklärte: «Ein Ende der Gewalt ist unbedingt erforderlich.» Beim ersten Anschlag nach der Wahl von Mahmud Abbas zum neuen palästinensischen Präsidenten waren am Freitag sechs israelische Arbeiter getötet worden. Die EU betonte, der Anschlag komme zu einer Zeit, «in der es wirkliche Hoffnung auf eine Erneuerung des politischen Prozesses gibt». Beide Seiten müssten jetzt Zurückhaltung üben und «dafür sorgen, dass solche Akte die Bemühungen für einen gerechten und andauernden Frieden nicht sabotieren».
© Botschaft des Staates Israel / Abteilung Öffentlichkeitsarbeit - ISRASWISS
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