Syrien indirekt verantwortlich für den Terror

Nach dem doppelten Selbstmordattentat am Dienstagnachmittag in Be’er Sheva mit 16 Toten und über 100 Verletzten hat Israel Syrien für die Tat verantwortlich gemacht. Syrien unterstützt nach wie vor Terrororganisationen, die von Damaskus aus agieren, und zwar sowohl logistisch als auch finanziell, sagte ein hochrangiger Vertreter der israelischen Armee (IDF) am Mittwoch. Bisher wurden zwölf Namen der Toten zur Veröffentlichung freigegeben:

Karin Malka, 23 Jahre
Emanuel Yosefov, 28 Jahre
Tekala Tiro’aynt, 33 Jahre
Shoshana Amos, 50 Jahre
Tamara Debrashvili, 70 Jahre
Aviel Atash, 3 Jahre
Denise Hadad, 40 Jahre
Maria Sokolov, 52 Jahre
Vitaly Brodski, 52 Jahre
Rosita Leman, 45 Jahre
Larisa Gomanenko, 48 Jahre
Tatiyana Korotchenko, 49 Jahre

Als Reaktion auf die Attentate verhängte die Armee eine Ausgangssperre über Hebron. Soldaten durchsuchten die Häuser der beiden Attentäter. Zwölf Palästinenser wurden in der Nacht verhaftet. An der Linie zwischen dem südlichen Berg Hebron und dem Negev, das ist das Gebiet, über das die Terroristen auf israelisches Gebiet vorgedrungen sind, wurde das Kontingent der Sicherheitskräfte verstärkt.

Infolge des Attentatsversuchs am Grenzübergang Erez im Gazastreifen (ebenfalls am Dienstag) hat die Armee auch den Gazastreifen vollständig abgeriegelt. Bis auf Weiteres können Palästinenser aus dem Gazastreifen nicht zu ihren Arbeitsplätzen in Israel oder im Erez-Industriegebiet. Außerdem soll die Suche nach den Anführern der Hamas-Organisation wieder intensiviert werden.

Der örtliche Anführer der Hamas-Terrorzelle, die für das Attentat von Be’er Sheva verantwortlich ist, war auch verantwortlich für die Aussendung der Attentäter auf das Café Caffit in Jerusalem vor zwei Monaten. Das Attentat schlug jedoch fehl. Die beiden Attentäter vom Dienstag, Ahmed Kawasma und Nisim Jabri, kannten einander seit mehreren Jahren und koordinierten die Bluttat fast im Alleingang. Die beiden Männe sind Mitglieder der beiden bekanntesten Clans in Hebron, dem Kawasma-Clan und dem Jabri-Clan. Ahmed Kawasma war Eigentümer eines Eisenwarenladens. Nisim Jabri war Bauarbeiter und lebte in der Nähe von Kiryat Arba.

Vertreter muslimischer Organisationen im Gazastreifen priesen die „heroische Tat“ der beiden Attentäter vom Dienstag über Lautsprecher. Etwa 20.000 Hamas-Anhänger riefen Siegessprüche und verteilten Süßigkeiten in den Straßen von Gaza-Stadt.

Warum der Hamas Be’er Sheva ins Ziel nahm

Die Selbstmordanschläge auf die beiden Busse am Dienstag beweisen die mangelnde Bereitschaft des Hamas, eine Waffenpause zu akzeptieren. Dies steht in direktem Zusammenhang zu Israels Rückzug aus dem Gazastreifen. So hatten es Hamas-Mitglieder ägyptischen Offiziellen in der vergangenen Woche in Kairo gesagt. Das Treffen in Kairo endete ohne Ergebnisse, und es war klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Hamas einen Weg finden würde, um durch Israels Verteidigungslinien hindurch zu kommen.

Die Stadt Be'er Sheva wurde als Ziel gewählt, weil der Weg von Hebron nach Be’er Sheva relativ einfach zurückzulegen ist: denn im Süden des Berges Hebron gibt es keinen Sicherheitszaun. Die beiden Selbstmordattentäter kamen vom Berg Hebron. Sie waren dem israelischen Nachrichtendienst Shabak bekannt. Am Dienstag trafen sich die Leiter des Verteidigungsministeriums und der Armee in Tel Aviv, um über Israels Reaktion auf diese beiden Anschläge zu beraten. Es wäre falsch, eine entscheidende und überraschende Reaktion zu erwarten.

Die einzige Formel, die Israel für die Verhinderung von Selbstmordanschlägen kennt, ist die: sich an Geheimdienstinformationen zu halten, die sich auf spezifische Vorfälle beziehen; Personen, die in Selbstmordanschläge verwickelt sind, gezielt zu töten; den Bau des Sicherheitszauns zu beschleunigen und einen "Preis" für diejenigen zu nennen, die den Terror unterstützen. Die letzten Monate haben gezeigt, dass diese Formel relativ erfolgreich ist.

Hamas' Antwort an Ägypten war nicht überraschend. Die Führung des Hamas betrachtet Israels Abkopplungsplan als eine Drohung. Und selbst wenn die Abkopplung nicht verhindert werden kann, wird die Terrororganisation versuchen, die israelische Armee nur unter Feuer abziehen zu lassen. Die Ägypter kennen diese Position, wollen jedoch den Bürgern des Gazastreifens beweisen, dass sie alles tun, um Israels militärischen Druck auf sie zu verringern.

Hamas hat durch das ranghohe Treffen mit ägyptischen Offiziellen beachtlich an Prestige gewonnen. Gegen Ende der Gespräche sagten Hamas-Vertreter, sie wollten weiterhin mit Ägypten diskutieren, nachdem dieses von der Fatah die Antwort auf einen Vorschlag für einen Waffenstillstand bekommen hatte. Wahrscheinlich wissen sie, dass Arafat nicht bereit ist, einen ausdrücklichen Befehl bezüglich eines Waffenstillstandes zu geben.

Die Hamas-Organisation in Hebron wird als harter Kern unter den Terrororganisationen betrachtet. Sie ist unter anderem durch extreme Geheimhaltung ihrer Führung charakterisiert. Geheimdienste betrachten es als schwer, Hamas-Zellen in Hebron aufzuspüren. Und wenn es in Hebron zu lange ruhig ist, wird der israelische Geheimdienst unruhig und sieht diese Situation als "Ruhe vor dem Sturm".

Nachdem der Hamas mehrmals vergeblich versucht hat, in israelische Städte in der Sharon-Ebene einzudringen, wählte die Terroristen den südlichen, offenen Weg, wo kein Sicherheitszaun den Berg Hebron von der Wüste Negev trennt. Zwar hatte man bereits über den Verlauf des Zauns entschieden, doch in Folge des Richterspruchs des Obersten Gerichtshofs begannen israelische Verantwortliche darüber zu diskutieren, ob die Route nicht besser geändert werden sollte. Die bereits geplante Route verläuft nicht entlang der sogenannten "Grünen Linie", sondern dringt in das Westjordanland hinein, an manchen Stellen bis zu fünf Kilometern.

(Kommentar von Ze’ev Schiff, Ha’aretz Daily, 1. September 2004)

Freundeskreis Be’er Sheva e.V. Wuppertal sammelt

Der Freundeskreis Be’er Sheva e.V. der Stadt Wuppertal und die Stadtverwaltung Wuppertal haben in einer gemeinsamen Presseerklärung zu Spenden für die Opfer des gestrigen Terroranschlags in Wuppertals Partnerstadt Be’er Sheva aufgerufen. In den vielen Jahren der herzlichen Partnerschaft zwischen den beiden Städten sind viele offizielle, aber auch persönliche zwischenmenschliche Beziehungen entstanden. Dementsprechend galt die erste Aufmerksamkeit des Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins, Arno Gerlach, den Freunden und Bekannten in Be’er Sheva, mit denen er seit gestern Nachmittag im dauernden Telefonkontakt steht.

Der Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, Dr. Hans Kremendahl, schickte ein Beileidstelegramm an seinen Amtskollegen Ya’akov Terner, in dem er sein tiefes Mitgefühl für die Familien der Getöteten und der vielen Verletzten aussprach. Die Städtepartnerschaft zwischen Wuppertal und Be’er Sheva besteht seit dem 29. September 1977 und ist die älteste offizielle Partnerschaft zwischen einer israelischen und deutschen Großstadt. Mehr Informationen zu dem Spendenaufruf beim Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins, Arno Gerlach, Tel: 0202-520944.

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