Ich bitte das Volk Israel darum,

dass es nicht einfach still dasitzt

Zwei Tote und zehn Verletzte bei palästinensischem Raketenangriff auf Sderot
Bei einem palästinensischen Raketenangriff auf die südisraelische Stadt Sderot sind am Montagmorgen zwei Menschen getötet worden. Zehn weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Bei den Todesopfern handelt sich um Mordechai Yosopov, 49 Jahre, und den vierjährigen Afik Zahavi. Die Mutter des Kindes erlitt schwere Verletzungen. Die Raketen wurden aus dem nur 4 km entfernten Gazastreifen abgefeuert. Eine Rakete landete in der Nähe eines Kindergartens, die zweite traf ein benachbartes Café. Eine dritte Rakete traf kurze Zeit später auf unbebautes Gebiet. Die 18jährige Chen Smadja war gerade auf ihrem Weg zur Schule, als die erste Rakete einschlug: „Es gab einen riesigen Knall. Ich bekam Angst und rannte davon“, erklärt Chen. Rettungskräfte brachten die Verletzten zur Behandlung in das Soroka Krankenhaus in Be’er Sheva. In einer Dringlichkeitssitzung berieten Ministerpräsident Ariel Sharon, Verteidigungsminister Shaul Mofas und Vertreter der Sicherheitsdienste über mögliche Reaktionen Israels auf den Angriff. Während der vergangenen vier Jahre war Sderot fast wöchentlich das Ziel palästinensischer Raketenangriffe geworden. Der Angriff am Montag ist der erste, bei dem Menschen getötet wurden.

„Ich bitte das Volk Israel darum, dass es nicht einfach still dasitzt. Der Ministerpräsident hat einen Personenschützer. Der Staatspräsident hat einen Personenschützer. Die Knessetabgeordneten und Minister haben Personenschützer und so auch jeder, der über unseren Kindern steht. Aber wer bewacht unsere Kinder? Niemand beschützt sie. Und die Kinder sind unsere Zukunft. Wer beschützt sie? Niemand.“ So äußerte sich Itzik Ochayon, Vater des vierjährigen Afik Zahavi-Ochayon, der heute durch eine palästinensische Kassam-Rakete neben seinem Kindergarten in der Stadt Sderot getötet wurde.

Als Itzik Ochayon heute im Krankenhaus die Nachricht über den Tod seines Sohnes erfuhr, begann er zu schreien: „Nein, sagen Sie mir das nicht. Er ist das Einzige, das ich noch auf der Welt habe. Sagen Sie mir das nicht.“ Daraufhin wurde er von den Sozialarbeitern des Krankenhauses behandelt. „Er war ein wundervolles Kind, ein Einzelkind, auf das ich 15 Jahre lang gewartet habe, und jetzt ist er nicht mehr da“, erzählt Itzik Ochayon: „Ich hatte von den Explosionen gehört, habe die Mutter und die Großmutter angerufen, doch keine von ihnen meldete sich. Als ich im Fernsehen den Kindergarten meines Sohnes sah, drehte sich mir der Magen um. Ich fuhr ins Krankenhaus Soroka, und ein Teil meiner Familie war bereits dort. Die Ärzte warteten schon auf mich und teilten mir diese schlimme Nachricht mit. Und dann verstand ich, warum die Mutter nicht ans Telefon gegangen war. Auch sie wurde verletzt und befindet sich in kritischem Zustand. Zurzeit wird sie operiert.“

Am Freitag hat Itzik Ochayon seinen Sohn zum letzten Mal getroffen. „Ich besuche ihn jeden Freitag und manchmal auch unter der Woche. Am Freitag hatte er mich eingeladen und gesagt: ´Papa, ich habe eine Einladung für Dienstag. Im Kindergarten gibt es eine Feier.` Und jetzt findet am Dienstag sein Begräbnis statt. Ich habe alles an ihm geliebt. Er war ein fantastisches Kind, ein kluges Kind. Er wusste immer, was er tut. Dabei war er kaum vier Jahre alt und trotzdem schon selbstbewusst. Jeden Freitag bat er mich darum, den Wagen waschen zu gehen. Er liebte es zuzuschauen, wie das Auto von der großen Waschanlage gewaschen wird und wie wir im Wagen in diese Maschine hineinfahren.“

„Ich dachte zwar, dass Kassam-Raketen in Sderot einschlagen können, in dem Gebiet, in dem mein Sohn wohnt. Aber in diesem Bereich, im Stadtzentrum, das hätte ich nicht geglaubt. Ich lebe noch einmal die schönen Momente mit ihm durch. Ich möchte mich an die guten Momente mit ihm erinnern, an sein Lächeln, als er noch bei mir war. Er hat mir immer nette Dinge gesagt, wie ´lieber Papa, wundervoller Papa`, und ich habe ihm Wärme und Liebe gegeben. Ich habe ihn in der Notaufnahme gesehen und mich von ihm verabschiedet. Aber ich kann es noch immer nicht fassen.“ (ynet)

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