Widerstand gegen Räumungsplan und Kritik
Widerstand gegen Räumungsplan wächst
Der Widerstand gegen Scharons Plan, die jüdischen Siedlungen im Gazastreifen zu evakuieren, wächst. Die Räumungsgegner heften sich orangefarbene Judensterne an, wie sie in der Hitlerzeit üblich waren, um die Vertreibung aus ihren Siedlungen mit der Judendeportation während der Holocaustzeit zu vergleichen. Jedoch ist die Leitung der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in Jerusalem über die Nutzung des Sterns empört. Auch andere Personen aus linken und rechten politischen Kreisen sowie Holocaustüberlebende sprachen sich vehement gegen die Nutzung des Davidsterns als Protest gegen den Abzugsplan aus. Miriam und Jakov Freiman aus Newe Dekalim sind Holocaustüberlebende und tragen beide den orangefarbenen Davidstern.
Kritik: Orangefarbener Judenstern als Protest
Orangefarbene Judensterne auf der Kleidung als Zeichen des Protestes gegen die Räumung von Siedlungen im Gazastreifen und Westjordanland haben in Israel eine Welle der Empörung hervorgerufen. Nicht nur Überlebende des Holocaust, auch der Rat jüdischer Ortschaften in Jescha kritisierte die Protestaktion scharf.
Vertreter von Siedlerverbänden reagierten auf die Protestaktion mit einer öffentlichen Verlautbarung, die sich mit deutlichen Worten gegen Gewalt, die Verweigerung des Militärdienstes und das Tragen der orangefarbenen Judensterne ausspricht. "Wir haben diese drei Eckpunkte veröffentlicht, um eine Eskalation der Proteste zu verhindern", sagte der Generalsekretär des Rates jüdischer Gemeinden in Jescha (Judäa, Samaria und dem Gazastreifen), Jehoschua Mor-Josef, am Mittwoch.
Überlebende des Holocaust reagierten mit Empörung auf die Protestaktion, die zahlreiche jüdische Bewohner des Gazastreifens gestartet hatten. "Als jemand, der diesen Judenstern tragen musste, rufe ich dazu auf, dieses Symbol in Ruhe zu lassen", sagte der ehemalige Präsident der Knesset, Schevach Weiß gegenüber der Tageszeitung "Ma'ariv" und kritisierte den damit angestellten Vergleich zwischen der Räumung von Siedlungen und den Verbrechen der Nazis. "Wie kann man überhaupt vergleichen? Wird hier jemand in Waggons verladen? Wird hier jemand in Todeslager geschickt? Wird hier jemand vergast? Wird hier die Asche von Menschen in Flüsse gestreut?"
Der Direktor des Wiesenthal-Instituts in Israel, Ephraim Soroff, nannte die Protestaktion einen Skandal und eine völlig inakzeptable Maßnahme. "Trotz des Schmerzes und der Trauer der Siedler handelt es sich um bei dem Loslösungsprogramm doch nicht um eine Fahrkarte in die Verbrennungsöfen."
Der klinische Leiter der israelischen Zentrale für die Behandlung von Holocaustüberlebenden "Amcha", Nathan Dorst, sagte, die Siedler spuckten auf das Gedenken des Holocausts. "Wir alle mussten den gelben Judenstern tragen. Meine Eltern und Geschwister trugen ihn, als sie getötet wurden. Für die Siedler mag es sich um ein Wortspiel oder einen Weg des Protestes handeln, für uns ist das eine Missachtung unserer Angehörigen, die umgekommen sind."
(ad/Foto: Jerusalem Post)
© israswiss - israelnetz.de
Dokumentation: Die Rede von Pinchas Wallerstein
Der Aufruf zum Widerstand gegen den Räumungsplan des Siedlerführers Pinchas Wallerstein könnte den Ausgangspunkt eines lange andauernden Konfliktes zwischen der israelischen Regierung und Siedlern markieren. Immer deutlicher formiert sich der Protest gegen die Siedlungs-Räumung, die in wenigen Monaten starten soll. Israelnetz dokumentiert den Aufruf von Wallerstein im Wortlaut.
"Ich möchte, dass ein großer Teil der Öffentlichkeit, die, wie ich meine, bereit ist, (für ihren Widerstand) ins Gefängnis zu gehen, ihren Protest öffentlich zeigt; so erkennen die Entscheidungsträger, welches Ziel wir verfolgen.
Wenn jemand ein Gesetz verabschieden würde, das eine Räumung dieser Art für ein arabisches Dorf vorsieht, würden alle Verantwortlichen der Justiz und Bürgerrechte sofort protestieren und sich die Hälse heiser schreien. Wenn es aber um die Einwohner von Jescha geht, gibt es keine Gerechtigkeit und keine Rechte.
Das Entschädigungsgesetz, das die erste Lesung bereits passiert hat und mit der neuen Regierung, die dagegen keinen Einspruch mehr erheben wird, ist ein unmoralisches Gesetz. Das liegt nicht allein in der stalinistischen Form begründet, in der es zustande kam und nicht nur in seinen unmenschlichen Klauseln, die etwa eine Entschädigung für denjenigen ablehnt, der sich gegen seine Vertreibung wehrt, sondern primär in der Legalisierung eines unaussprechlichen Verbrechens: die gewaltsame Entfernung von Juden aus Häusern.
Nur, wenn es genügend Menschen gibt, die sich jetzt dazu verpflichten, in Gusch Katif und im Norden Samarias zu sein (falls und wenn es zu einer gewaltsamen Evakuierung kommt) und sich physisch der Umsiedlung zu widersetzen, dann besteht eine Chance, dass diese Regierung die schwerwiegenden Konsequenzen ihrer Schritte versteht. Ich fürchte mich nicht davor, ins Gefängnis zu kommen, und ich hoffe, dass viele Leute begreifen, wie ich auch, dass dies der Preis dafür ist, den wir zahlen müssen, um uns in einer nicht gewaltsamen Weise diesem unethischen Verbrechen zu widersetzten.
Im ganzen Land wird es nicht genügend Gefängnisse geben, um alle die Menschen aufzunehmen, die inhaftiert werden müssten."
von Pinchas Wallerstein
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