Chronologie des iranischen Atomprogramms
Israel dürfe sich nicht irre führen lassen
Der Stein des Anstosses; Techniker bei der Arbeit am Atomreaktor von Bushehr, 750 Kilometer südlich von Teheran
Israels Minister für strategische Angelegenheiten, Avigdor Lieberman, warnt Israel davor, sich zur Ruhe zu setzen, nur weil ein erst jetzt bekannt gewordener amerikanischer Geheimdienst-Bericht aus dem Jahr 2003 aussagt, dass der Iran sein Atomprogramm gestoppt habe. „Wir müssen auf der Hut sein, denn wir wissen nicht, wann der Iran uns mit einer Atombombe überraschen wird.“
Chronologie des iranischen Atomprogramms
August 2002
Der "Nationale Widerstandsrat des Iran", eine iranische Oppositionsbewegung im Exil berichtet die Existenz einer Anlage zur Anreicherung von Uran in Natanz und eines Schwerwasserreaktors in Arak.
Dezember 2002
Die USA beschuldigen den Iran, an der Herstellung von Massenvernichtungswaffen zu arbeiten.
Juni 2003
Die internationale Atomenergiebehörde (IAEA) berichtet nach einer Inspektion von Natanz und Arak, der Iran habe sich nicht an die Auflagen des Vertrages zur Nichtverbreitung von nuklearer Technologie (NPT) gehalten.
Dezember 2003
Der Iran erlaubt überraschende Inspektionen seiner Nuklearanlagen.
November 2004
Der Iran verspricht EU-Unterhändlern, alle Arbeiten zur Herstellung von nuklearen Treibstoffen und deren Weiterverarbeitung einzustellen.
Februar 2005
Präsident Mohammed Khatami: Keine iranische Regierung wird das Atomprogramm aufgeben.
September 2006
IAEA bestätigt, dass der Iran die Uranumwandlung in Isfahan wieder aufgenommen hat.
Januar 2006
Iran bricht in Natanz die UNO-Versiegelung und nimmt die Forschungen an Atomtreibstoffen wieder auf.
Februar 2006
IAEA entschliesst sich, dem UNO-Sicherheitsrat über die Vorgänge im Iran Bericht zu erstatten. Der Iran setzt die UNO-Inspektionen aus und nimmt zehn Tage danach in Natanz die Uran-Zentrifugen wieder in Betrieb.
März 2006
IAEA berichtet dem UNO-Sicherheitsrat: Verifizierung der rein friedlichen Absichten des iranischen Atomprogramms ist unmöglich.
April 2006
Der Iran verkündet, er sei in der Lage, angereichertes Uran für den Betrieb von Kraftwerken herzustellen. Die IAEA bestätigt dies.
Juni 2006
EU-Aussenminister Javier Solana eröffnet Teheran bei einem Besuch ein Paket von Angeboten, sollte der Iran seine Urananreicherung einstellen.
Juli 2006
Der UNO-Sicherheitsrat fordert eine Aussetzung des iranischen Nuklearprogramms bis 31. August. Erstmals liegt eine Resolution vor, die für den Iran rechtlich bindend ist und mit Sanktionen droht. Der Iran weist die Resolution zurück.
August 2006
Der Schwerwasserreaktor in Arak geht in eine neue Phase. Die IAEA verkündet, Iran habe sich nicht an das vom UNO-Sicherheitsrat gesetzte Zeitlimit gehalten und kleine Mengen von Uran angereichert.
September 2006
Russland und der Iran vereinbaren, dass der Reaktor von Buschehr bis September 2007 fertig sein und im November 2007 ans Netz gehen soll.
Oktober 2006
Sechs Weltmächte sind sich einig, Teheran dafür zu bestrafen, wenn es seine Urananreicherung nicht einstellt – wollen aber weiter für Verhandlungen offen bleiben.
November 2006
IAEA: Der Iran verfolgt weiter seine Urananreicherung, hat in eine Kette von 164 Zentrifugen Uran-UF6-Gas zur Anreicherung gefüllt und sperrt sich gegen Inspektionen.
Dezember 2006
Die Resolution 1737 des UNO-Sicherheitsrats beschliesst erstmals Sanktionen gegen Teheran. Alle Lieferungen von Technologie und Materialien sollen unterbunden werden, die die iranische Atom- und Raketenprogramme fördern. Die Vermögen von zehn iranischen Firmen und zwölf Einzelpersonen werden eingefroren. Der Iran bezeichnet diese Massnahmen als illegal.
März 2007
Eine weitere Resolution des UNO-Sicherheitsrats bannt alle iranischen Waffenexporte und friert die Vermögen von 28 weiteren Personen und Organisationen ein, darunter die regierungseigene Bank Sepah.
Juni 2007
Im Iran wird das Benzin rationiert. Privaten Autofahrern stehen nur noch 100 Liter Treibstoff pro Monat zur Verfügung. In Teheran kommt es zu gewaltsamen Unruhen.
August 2007
IAEA: In Natanz arbeiten 1.968 Zentrifugen an der Anreicherung von Uran.
September 2007
Der französische Aussenminister Bernard Kouchner meint, die Welt solle sich auf einen Krieg mit dem Iran vorbereiten – nachdem sein Präsident Nicolas Sarkozy davon gesprochen hatte, dass die einzige Alternative sei, "eine iranische Bombe oder den Iran zu bombardieren".
3. Dezember 2007
Die US-amerikanische "National Intelligence Estimate" gibt bekannt: "Der Iran 2003 aufgrund von internationalem Druck sein Atomwaffenprogramm eingestellt."
Warnung vor der iranischen Bedrohung
In Israel warnt man davor, die atomaren Ambitionen des Iran angesichts eines aktuellen US-Geheimdienstberichts zu unterschätzen. Dieser behauptet, dass Teheran sein Atomwaffenprogramm 2003 eingestellt habe, aber dennoch weiter Uran anreichere. Die Entwicklung einer iranischen Atombombe wäre insofern nach wie vor innerhalb der nächsten drei bis acht Jahre möglich.
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, der Bericht unterstreiche nur die Notwendigkeit verschärfter Sanktionen gegen den Iran. Er fügte hinzu: „Die USA beabsichtigen weiterhin, den Iran vom Bau von Atomwaffen abzuhalten. Wir werden jede Anstrengung unternehmen – zuerst und vor allem anderen mit unseren Freunden in den USA -, um die Herstellung dieser Art von Waffe zu verhindern.“
Bereits vorher hatte Verteidigungsminister Ehud Barak beteuert, dass der Iran entgegen dem Bericht die Kernwaffen-Produktion fortsetze. Barak geht davon aus, dass der Iran das Programm vor vier Jahren tatsächlich gestoppt, es dann aber wieder aufgenommen habe.
Iranische Drohungen – ein aktueller Überblick
Angesichts der zugespitzten Krise um das iranische Atomprogramm haben führende Vertreter der Islamischen Republik ihre Drohungen gegen den Westen und die Golfstaaten intensiviert. Im Folgenden einige Beispiele aus den vergangenen Wochen:
1. Drohungen gegen die USA:
In einem Interview mit der konservativen Nachrichtenagentur Mahar (23.9) drohte Rehim Zfuei, Ratgeber Chameinis in Fragen der Streitkräfte, dass der Iran im Falle eines amerikanischen Angriffs die US-Truppen in der Region treffen würde. Dabei erinnerte er die Amerikaner daran, dass sich 200 000 ihrer Soldaten im Irak und in Afghanistan innerhalb der Reichweite iranischen Feuers befänden und die Iraner diese leicht schlagen könnten. Er übermittelte den USA und ihren Verbündeten, dass der Iran dem umfangreichen diplomatischen und politischen Druck, den man auf ihn ausübe, nicht nachgeben würden, und dass der Iran sich vor etwa viereinhalb Jahren die asymmetrische Kriegsführung als Abschreckungsstrategie angeeignet habe.
Muhamad Reza Nakdi, der Verantwortliche für Nachschub, Logistik und industrielle Forschung im Generalstab der Streitkräfte, drohte in einem Interview mit dem iranischen Fernsehsender Alalam (28.9), dass der Iran im Falle eines amerikanischen Angriffs weltweit amerikanische Flugzeugträger versenken würde.
2. Drohungen gegen die Golfstaaten:
Der Kommandant der Revolutionswächter, Muhamad Ali Aziz Djafri, sagte in einer Rede auf einer Militärparade im Iran (22.9.), dass jeder Staat, der seinen Luftraum für einen Angriff auf den Iran zur Verfügung stelle, als Verbündeter des Feindes betrachtet und eine Antwort von Iran erhalten werde. Im Interview mit dem iranischen Fernsehsender Alalam (23.9) unterstrich Djafri das natürliche und unveräußerliche Recht des Iran, „den Feind zu treffen, wo auch immer er sich befindet“, auch wenn er sich im Gebiet eines verbündeten muslimischen Staats festsetze und ihn zur Durchführung von Militäroperationen gegen den Iran benutze.
Der stellvertretende Marinekommandant der Revolutionswächter sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Fars (29.10), dass die Basij-Miliz im Falle eines Angriffs Selbstmordanschläge im Persischen Golf und in der Straße von Hormus verüben würde. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass die Revolutionswächter und die Basij eine enge Zusammenarbeit begonnen hätten.
In einem Artikel in der Wochenzeitung Partave-Suchan vom 17.10 (die mit Ayatollah M. Yazde, dem Patron von Präsident Ahmadinejad, identifiziert wird), betonte er, dass einer der wichtigsten möglichen Schritte, die der Iran bei einem Angriff einleiten würde, die Schliessung der Straße von Hormus und die Störung des Öltransports in den Westen sei. Es sei daran erinnert, dass dieser Schritt eine besondere Stellung innerhalb der iranischen Verteidigungsdoktrin innehat.
In einem Artikel in der Tageszeitung Jamhori Islami vom 11.10 wurde hervorgehoben, dass der Iran sich der Öl- bzw. Gaswaffe bedienen könne, die als Lebensader der USA, Europas und Japans angesehen wird, und so die Sicherheit des Umschlags von mehr als 65 Prozent des weltweiten Öls von der Straße von Hormus und dem Persischen Golf gefährden, den Ölpreis um mehrere hundert Dollar pro Barrel erhöhen und die Instabilität der Weltwirtschaft herbeiführen könne.
3. Drohungen mit einem Präventivschlag:
In einem Artikel in der Revolutionswächter-Postille Zbache Zadeq vom 24.9 wird betont, dass wegen der Eskalation westlicher Drohungen die Militärstrategie des Iran aktualisiert worden sei und diese eine offensive Doktrin inklusive der Fähigkeit zum „Erstschlag“ und Präventivangriff enthalte.
4. Drohungen gegen Israel:
Muhamad Ali, Einsatzkommandant der iranischen Luftwaffe, hat gesagt (Aftab, 19.9), dass zusätzlich zur Tatsache, dass die Reichweite der iranischen Raketen das gesamte Territorium Israels umfasst, der Iran Israel auch mit Kampfflugzeugen angreifen und einen möglichen Angriff von Israels Seite mit einem Luftangriff beantworten könne. Er hob dabei hervor, dass Israel wisse, was für einen Schlag es von den Raketen und Flugzeugen des Iran zugefügt bekommen könnte.
Ali Ridjani, früherer Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, sagte in einem Interview mit der Financial Times (30.9.), dass die USA im Falle eines Angriffs gegen den Iran Israel im Rollstuhl erhalten würden.
5. Drohungen mit dem Einsatz ballistischer Raketen
Iranische Sicherheitsquellen haben damit gedroht, dass der Iran sein ballistisches Potential zum Einsatz bringen könnte, um bei einem Angriff gegen ihn zurückzuschlagen. So erläuterte Rehim Zafui, Ratgeber Chameinis in Fragen der Streitkräfte, in einem Interview mit der konservativen Nachrichtenagentur Mahar (23.9), dass eines der Kampfmittel des Iran gegen den Feind die Abschreckungsfähigkeit der ballistischen Raketen der Luftwaffe der Revolutionswächter sei. Diese Raketen würden jetzt im Iran hergestellt und man führe vorgezogene Massnahmen durch, um jenes Potential vor feindlichen Bedrohungen zu schützen.
Ali Pazali, Einsatzkommandant im gemeinsamen Stab der Revolutionswächter, erklärte, dass „der Iran heute die Fähigkeit besitzt, Raketen mit einer Reichweite von 2000 Kilometern herzustellen und abzuschiessen“. Sollten die USA irgendeinen Angriff ausführen, würden „die Reaktionen ihre Zähne brechen“.
Es sei hervorgehoben, dass bei der Militärparade, die am 22.9 im Iran stattfand, eine neue ballistische Rakete, Kadar, präsentiert wurde, die eine Verbesserung der Shahab 3 darstellt und über eine Reichweite von 2000 Kilometern verfügt. Diese Rakete aus iranischer Produktion wurde der Luftwaffe der Revolutionswächter zur Verfügung gestellt. Der iranische Verteidigungsminister, Mustapha Muhamad Nadjar, hat erklärt (Fars, 27.11.), dass der Iran seinem ballistischen Raketenarsenal die Rakete „Ashura“ hinzugefügt hätte, die über eine Reichweite von 200 Kilometern verfügt.
Quelle: jns und Agenturen
8. Dezember 2007
| zum Seitenanfang |
Weitere Berichte:
| zum Seitenanfang |







